Blick auf die Heidingsfelder Synagoge. Archiv: Willi Dürrnagel
Blick auf die Heidingsfelder Synagoge. Archiv: Willi Dürrnagel

Jüdisches Leben in Heidingsfeld

In Heidingsfeld existierte ab dem 13. Jahrhundert bis zur Vereinigung mit der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg im Juni 1937 eine der – neben Frankfurt am Main, Worms und Oettingen – ältesten Jüdischen Gemeinden Deutschlands. Die erste urkundliche Erwähnung war 1298 und dann weitere in den Jahren 1391, 1431 und 1628. Sie besaß eine 1780 fertiggestellte und 1929 gründlich renovierte Synagoge, daneben ein Wohnhaus mit Schulräumen und Lehrerwohnung, eine Mikwe und einen Friedhof mit Leichenhalle. Der Bau hatte rechteckigen Grundriss. Der Aufriss zeigte zwei Untergeschosse und Mezzaninobergeschoss sowie Französisches Dach. Das Innere enthielt den quadratischen Hauptraum, zur Versammlung der Männer bestimmt, an dessen Südwestseite sich die vergitterten Emporen für die Frauen anschlossen. Die Synagoge und das Schulhaus waren mit einer Mauer umgeben, bildeten also schon damals ein „Gemeindezentrum“. Die erste Synagoge des Ortes, zwischen 1693 und 1698 erbaut, war bis 1780 so baufällig geworden, dass sie durch den Neubau ersetzt werden musste.

Blick in den prächtigen Innenraum. Archiv: Willi Dürrnagel

Blick in den prächtigen Innenraum. Archiv: Willi Dürrnagel

Einsames Überbleibsel aus Vorkriegszeiten

Ab 1695 war Heidingsfeld der Sitz des Oberrabbinats: der damalige Fürstbischof gewährte dem Oberrabbiner von Heidingsfeld eigene Gerichtsbarkeit in innerjüdischen Streitfällen. Die Synagoge war einer der architektonisch schönsten und imposantesten jüdischen Kultbauten der damaligen Zeit, der vom Barock stark beeinflusst war. Die erst 1929 renovierte Synagoge wurde 1938 in der Reichspogromnacht in Brand gesetzt. Noch am folgenden Abend brannte das große Gebäude wie eine Fackel. Die Ruine wurde dann 1945 abgerissen. Das Bauwerk besteht heute nicht mehr. An seiner Stelle stehen zwei Wohnhäuser. Lediglich der Chuppastein (Chuppa bedeutet im übertragenen Sinn Trauung) aus der Synagoge wurde nach Kriegsende wiedergefunden. Er befindet sich heute an der Außenmauer der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg.

Die zertstörte Synagoge nach der Reichpogromnacht. Archiv: Willi Dürrnagel

Die zertstörte Synagoge nach der Reichpogromnacht. Archiv: Willi Dürrnagel

Gedenkstätte in Nähe der alte Synagoge

Im Dezember 1986 wurde für die ehemalige Kultusgemeinde Heidingsfeld in der Nähe des einstigen Synagogengrundstücks, gegenüber Haus Dürrenberg 1 a, eine künstlerisch gestaltete Gedenksäule errichtet, deren mehrfach unterbrochener Schaft die Geschichte des jüdischen Volkes symbolisiert, während stilisierte Tränen und Stacheldraht auf die Leiden der Juden – auch der von Heidingsfeld – hinweisen. Die Inschriften: „Gottlose Menschen zerstörten am 9. November 1938 die hier gestandene Synagoge“ und „Zur Erinnerung an den Leidensweg der jüdischen Gemeinde“ sowie in Iwrith „Zur Erinnerung an die heilige Gemeinde Heidingsfeld“. Standort des Denkmals ist die Einmündung Dürrenberg /Zindelgasse. Es ist von dem Vasbühler Bildhauer Julian Walter gefertigt worden.

Ein Querschnitt der Heidingsfelder Synagoge. Archiv: Willi Dürrnagel

Ein Querschnitt der Heidingsfelder Synagoge. Archiv: Willi Dürrnagel

Erinnerung an jüdisches Leben in Heidingsfeld

An das Leben und Wirken von Juden in Heidingsfeld erinnert ferner das Vorhandensein einer Straße mit dem Namen „Judenhof“. Dieses Anwesen erhielt 1628 seinen Namen. Damals kam das Reichsdorf unter die Herrschaft des Fürstbischofs von Würzburg. Da sich die Heidingsfelder Bürger weigerten, den Juden weiterhin Wohnraum zur Verfügung zu stellen, kaufte das Domkapitel, dem die Juden zinspflichtig waren, ein Adelshaus mit dazugehörendem Hof in der Klostergasse und brachte die Juden in diesem „Judenhof“ unter. Bis heute trägt das Anwesen offiziell diesen geschichtsträchtigen Namen.

 

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung von Willi Dürrnagel.

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