Augen zu am Hubland! Foto: Georg Wagenbrenner
Augen zu am Hubland! Foto: Georg Wagenbrenner

Kunstinstallation vor den Toren der LGS

Wer seinen Landesgartenschau-Besuch am Haupteingang unweit des ehemaligen Gerbrunner Tors beginnt, der kommt ganz automatisch an einem recht unscheinbaren, aber – was die jüngste Stadtgeschichte angeht – besonderen Ort vorbei. Auch die Straßenführung könnte stutzig machen. Warum wird man nicht einfach pfeilgerade zu den Parkplätzen geführt? Warum schlängelt sich hier der Weg? Es muss etwas mit dem kleinen Häuschen zu tun haben, das hier scheinbar auf verlorenem Posten steht.

Erinnerung an Leighton Barracks

Mit dem alten Wachhäuschen haben die Stadtplaner, die LGS-Gesellschaft und der Fachbereich Immobilienmanagement bewusst eine weitere Reminiszenz an die Leighton Barracks erhalten. Hier war eine der Zufahrten zur US-Kaserne mit entsprechender Kontrollstation. Gerade in den letzten Jahren vor dem endgültigen Abzug der Amerikaner im Jahr 2008 investierte auch dieser Armeestützpunkt noch einmal massiv in Sicherheit. So wurden beispielsweise 2003 und 2004 Mauerbauwerke am Hubland über weite Strecken verlängert, neue Beleuchtungsmasten und Videokameras installiert und Orte wie die Chapel oder die Lincoln Housing Area durch neue Zäune und Podeste gesichert.

Künstlerin Petra Kübert

Die in Würzburg geborene und in Berlin lebende Künstlerin Petra Kübert arbeitet mit den Mitteln der künstlerischen Recherche zu verlassenen Orten, die nach einer längeren Zeit der Brache eine Umwidmung erfahren. Diese Orte können z.B Areale wie das des ehem. Arbeitshauses (1933-45) und Gefängnisses (1945-1989) Rummelsburg in Berlin sein. Auf dem Gelände des geschichtsträchtigen Ortes entstand unter Einbezug der historischen Bestandsgebäude nach 15-jähriger Brache ein neues, sehr exklusives und durch Sicherheitsdienste überwachtes Wohngebiet.

Wachhäuschen mit Gesicht

In ihrer aktuellen Arbeit hat sich Petra Kübert mit einer künstlerischen Intervention der früheren „Einlasskontrolle“, dem ehemaligen Wachhäuschen auf dem Areal der ehemaligen amerikanischen Kaserne am Hubland, gewidmet. Durch eine kleine Ergänzung wird die Immobilie zum Hingucker, oder eben gerade nicht. Das Wachhäuschen mit der Hausnummer 1371 hat zwei Fenster, die Richtung Gerbrunn blicken. Mit etwas Fantasie kann man in dieser Fassade ein Gesicht erkennen. Kübert unterstrich diese Assoziation, indem sie die Frontfensterscheiben mit präparierten Folien verschloss, nach außen sichtbar sind zwei stilisierte verschlossene Augen.

Das frühere Wachhäuschen drückt jetzt sozusagen beide Augen zu und lässt die Besucher der LGS und die Bewohner des neuen Würzburger Stadtteils passieren. Auf der Rückseite des Gebäudes (also in Blickrichtung Ausstellungsgelände) ist wiederum ein wachsames Auge zu erkennen. Die beiden Fenster Richtung LGS-Gelände bleiben transparent, durch diese hindurch kann man einen Blick in das verlassene Wachhaus werfen, so wie es die Künstlerin vorgefunden hat.

Mit Audiospaziergang erleben

Diese besondere Umgebung können Besucher im Sinne der Künstlerin am besten bei einem Audiospaziergang auf sich wirken lassen. Das Audiostück „Gesichertes Wissen über uns zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort“ ist ein Dialog zwischen Künstlerin und einer künstlichen Intelligenz, deren präzise Antworten mitunter wenig hilfreich erscheinen. So kreisen in dem Hörspiel drei Stimmen konkret um das Häuschen auf der Straßeninsel und abstrakt um die Themen Überwachung, Datenspeicherung, Grenzkontrolle, Kreativität und Anpassung.

Wer sich selbst auf einen solchen audiovisuellen Assoziations-Spaziergang begeben möchte, kann die acht Minuten lange MP3-Datei auf der Website der Künstlerin für das Smartphone oder ein entsprechendes Abspielgerät herunterladen und mit Kopfhörer ausgestattet dem Torwächter der LGS einen Besuch abstatten.

Der Bereich ist über die Kitzinger Straße mit dem PKW erreichbar. Die Benutzung des LGS-Parkplatzes kostet 5 € am Tag. Ab der Kreuzung am Gerbrunner Kirschberg gibt es einen neuen Fuß-und Radweg. Oder man nimmt die Buslinie 29 bis „LGS Ost“.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

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