Martina hat das "One Leg Power Team" gegründet. Fotoquelle: Lara Engelmann
Martina hat das "One Leg Power Team" gegründet. Fotoquelle: Lara Engelmann

„One Leg Power Team“- trotz Handicap pure Lebensfreude

Durch eine kleine Unachtsamkeit kann sich so viel verändern. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Das hat auch Martina erfahren müssen. Mit 17 Jahren änderte sich für die Kleinlangheimerin schlagartig alles. Sie war als Beifahrerin auf einem Moped unterwegs, als ein entgegenkommender PKW-Fahrer die Kurve schnitt. Die Ärzte konnten ihr rechtes Bein leider nicht mehr retten. Auch wenn es einige Zeit und viele Tränen gekostet hat, für Martina war das nicht das Ende.

Sie kämpfte sich zurück in den Alltag und machte sogar wieder Sport. Außerdem will sie anderen Mut machen, die das gleiche Schicksal teilen wie sie und gründete das „One Leg Power Team“.  Wir haben die 57-Jährige interviewt und waren überrascht, dass Martina trotz dieser Einschränkung so viel Lebensfreude ausstrahlt.

WE (Würzburg erleben): Was genau ist das „One Leg Power Team?“

Martina: Das Team besteht aus 14 Mitgliedern. Wie der Name schon sagt, haben wir alle nur ein Bein und tragen eine Beinprothese. Wir sind eine bunte Truppe und arbeiten in den verschiedensten Berufen. Das Alter spielt für uns keine Rolle, wir sind zwischen 17 und 75 Jahre alt und treffen uns wöchentlich im Blindeninstitut in Würzburg. Wir kommen aus allen Ecken Unterfrankens und freuen uns immer wieder über Zuwachs. Aktive Gleichgesinnte können sich austauschen, sich gegenseitig stützen und helfen.

WE: Wie sieht euer Training aus?

Martina: Je nach Absprache gehen wir radeln, machen Nordic Walking oder gehen Schwimmen.  Auch das Segeln, Wasserski fahren und Motorrad fahren macht einigen Spaß. Ein Highlight ist auch das Sitzball spielen, eine Sportart die von den damaligen Kriegsverwundeten erfunden wurde. Es hat viele Ähnlichkeiten mit Volleyball, nur das man eben sitzt dabei. Einige von uns gehen auch Skifahren. Ich fahre zum Beipiel auch ohne Beinprothese Ski. Trotz der Einschränkung funktioniert es, man muss es nur wollen und sich trauen.

WE: Wie meisterst du dein Leben trotz dieser erheblichen Einschränkung?

Martina: Geht nicht gibt es nicht. Die größten Einschränkungen sind im Kopf. Ich bin verheiratet und habe zwei Töchter und ein Enkelkind.

WE: Wo nimmst du deine Motivation her und was gibst du anderen mit, die das gleiche Schicksal teilen?

Martina: Meine Motivation finde ich im Sport, meinen Freizeitaktivitäten und natürlich in meiner Familie. Es hilft auf jeden Fall, wenn man sich Gleichgesinnte sucht und offen über alles redet. Unternehmt viel und lasst euch nicht unterkriegen, das Leben kann so schön sein! Das wichtigste ist, dass man unabhängig wird. Raus aus dem Rolli und mit Krücken oder Prothese Laufen lernen.

WE: Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Martina: Natürlich wünsche ich mir viel Gesundheit und weniger Phantomschmerzen. Außerdem erhoffe ich mir mehr Aufklärung von Ärzten und Krankengymnasten. Zum anderen sollte es mehr Kooperationen der Sportverbände geben, damit deutschlandweit mehr Gesundheitskurse angeboten werden können. Aber auch die Krankenkassen sollten mehr Bonusprogramme für Beinamputierte anbieten.

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