Türkisches Essen. – Foto: Pascal Höfig
Türkisches Essen! Foto: Pascal Höfig

Ramadan – Mit leerem Magen durch den Tag

Ein Gastbeitrag.

Am heutigen 16. Mai beginnt Ramadan, der Fastenmonat für Muslime. Was das für mich bedeutet? Neben jeder Menge Fragen von meinen neugierigen Mitmenschen, eine sehr friedliche Zeit mit der Familie. Wie sicherlich viele von Euch wissen, fasten wir während dieses besonderen Monats jeden Tag von Sonnenaufgang bis -untergang. Man verzichtet in dieser Zeit aber nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch auf jede Art von Intimität. Zwischen Sonnenuntergang und -aufgang ist dann wieder (fast) alles erlaubt. Die Uhrzeiten sind übrigens ziemlich streng geregelt.

Kritik aus allen Ecken

„Also essen geht ja noch, aber trinken?! Ohne was zu trinken, würde ich umkippen. Das ist doch total ungesund!“ – Jedes Jahr auf’s neue darf ich mir solche oder ähnliche Sätze von gefühlt 100 Personen anhören und bin dann um ehrlich zu sein etwas genervt. Deswegen möchte ich Euch diesmal hier erzählen, warum es funktioniert, wie es sich anfühlt und weshalb ich noch kein einziges mal umgekippt bin.

Friedliche Ruhe

Die ersten zwei bis drei Tage sind die härtesten. Danach gewöhne ich mich eigentlich immer an den Rhythmus, an den leeren Magen und die innere Ruhe. Ja, das Fasten bringt irgendwie eine ganz angenehme, friedliche Ruhe ins Leben. Ich vergleiche das immer mit Meditieren. Man verzichtet auf grundlegende Sachen, lernt sich zu enthalten. Das wiederum lenkt den Fokus auf andere, neue, vielleicht sogar wichtigere Dinge im Leben und natürlich auf den Glauben. Mit leerem Magen macht es nur halb so viel Spaß Geld für neue Schuhe auszugeben. „Ich hab doch alles, was ich brauche“ – geht mir oft durch den Kopf.

Extreme Dankbarkeit

Plötzlich nimmt man sich und das Leben, was einen umgibt neu wahr. Ich zum Beispiel, werde in dieser Zeit immer extrem dankbar für all das, was ich habe, für das schöne Leben, was ich führen darf – die Dankbarkeit geht dann soweit, dass man Gott für all das verantwortlich macht. Eigentlich sollte man als gläubiger Muslim auch beten, vor allem in diesem Monat. Beten tue ich nicht. Das mögen die Muslime unter Euch jetzt kritisieren, aber ich denke, das kann jeder für sich entscheiden. Spenden sind an Ramadan übrigens ebenso wichtig.

Ohne Wasser durch den Tag?

Ihr fragt Euch sicher immer noch, wie ich und alle anderen Muslime es schaffen ohne Wasser durch den Tag zu kommen. Das ist eigentlich wirklich einfach. An einem normalen Tag würde ich es auch nicht schaffen. Da gebe ich Euch recht. Doch an Ramadan ist es anders. Irgendwie hat man das Gefühl, es wirkt eine Kraft auf einen, die einem jede Menge Geduld schenkt und den Durst verhindert. Hört sich komisch an, ist aber so. Und wenn sich der Durst dann doch bemerkbar macht, dann lenke ich mich einfach ab. Spazieren gehen, Serien schauen, kochen – und schon ist der Tag geschafft. Aus gesundheitlicher Sicht gibt es ein paar Dinge zu beachten. Beispielsweise dürfen kranke oder ältere Menschen nicht fasten. Da ich aber jung und fit bin, habe ich keine Probleme damit.

Reinhauen geht nicht

Das schönste an diesem Monat sind die Abende. Es macht mich einfach glücklich, wenn ich zusammen mit meinen Liebsten leckere Gerichte kochen, den Tisch decken und gemeinsam mit der ganzen Familie das Fasten brechen kann. Viele denken wir würden abends so richtig reinhauen. Da muss ich Euch enttäuschen. Denn nach so vielen Stunden mit leerem Magen, schaffen ich und meine Familie meist nur eine ganz kleine Portion. Oft gibt es bei uns Linsensuppe, Salat und viel Gemüse. Nachts stehen wir dann nochmal um 3 Uhr auf, um ein paar Kleinigkeiten, wie Müsli und Obst zu essen, bevor dann weiter gefastet wird.

Anstrengend, aber schön

Natürlich ist Ramadan kein einfacher Monat, denn Hunger und Durst können gepaart mit viel Arbeit sehr anstrengend sein. Ich persönlich faste – wie oben beschrieben – sehr gerne. Aber leider nur dann, wenn mich nichts daran hindert. Dieses Jahr werde ich es wahrscheinlich nicht können, da ich gleichzeitig lernen und arbeiten muss und Angst habe, dass das Fasten womöglich meine Leistung mindern könnte.

Zuckerfest ab 15. Juni

Geht Ramadan zu Ende, wird das bei uns ordentlich gefeiert! Mit ganz viel Zucker, Schoki und allem, was sich noch so an den Hüften ansetzt. Dieses Jahr fällt das Zuckerfest auf den 15. Juni und geht dann drei Tage, bis zum 17. Juni.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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