Germanenhaus. Foto: Pascal Höfig
Germanenhaus. Foto: Pascal Höfig

Germanenfete: Harmlose Studentenparty oder radikale Verbindungsfeier?

Gastbeitrag von Lara E.

Pünktlich zum Semesterbeginn stieg wieder die „Germanenfete“ der Burschenschaft Germania zu Würzburg. Die Party ist bekannt für die grandiose Aussicht auf Würzburg, günstige Preise und große Stimmung. Zahlreiche Studenten lassen sich die Chance nicht entgehen und strömen in das große Anwesen der Burschenschaft in der Nikolausstraße. Aber viele weigern sich auch die Germanenfete zu besuchen. Sie schreckt der radikale, rechtsextremistische und frauenverachtende Ruf der Mitglieder ab. Aber stimmt das eigentlich? Sollte man die Germanen meiden? Ich wollte es herausfinden und besuchte die Germanenfete.

Germanenfete – das legendäre Event der Verbindung

23 Uhr, die Schlange an der Kasse ist lang. Für fünf Euro bin ich dann auch schon mitten drin – auf der legendären Germanenfete. Das Haus ist bunt erleuchtet, der Blick von der Terrasse wunderschön und die Stimmung feucht-fröhlich. Auch die Gäste erinnern an eine ganz normale Studentenparty, auf der man einfach nur tanzen, Drinks genießen und Spaß haben will. Ich bin mit meinen Freundinnen da, wir feiern meinen Geburtstag nach. Wir holen uns einen Drink, tanzen zu bekannten Hits aus der Musikgeschichte und genießen den lauen Abend auf der Terrasse. Alles ganz normal.

Dann erkenne ich eine Gruppe von Jungs, welche eine schwarz-gold-blaue Schärpe tragen, die Farben der Verbindung. Alle Mitglieder tragen ein Hemd oder sogar einen Anzug. Wir gehen zu den Germanen-Burschen und kommen ins Gespräch. Der eine hat ein paar Kratzer im Gesicht, normale Verletzungen vom Fechten meint er. Schließlich unterhalte ich mich mit Jonas, ein Student der gerade seinen Bachelorabschluss in der Tasche hat.

Germanenfete der Burschenschaft Germania zu Würzburg. Foto: Lara E.

Germanenfete der Burschenschaft Germania zu Würzburg. Foto: Lara E.

Jonas hat die Zeit in der Verbindung sehr genossen, vor allem den Zusammenhalt innerhalb der Burschenschaft schätzt er sehr. Jonas erzählt, dass er immer wieder angesprochen wird, ob denn jeder zu der Germanenfete kommen darf, vor allem Geflüchtete fühlen sich ausgeschlossen. Das schlechte Bild der Verbindung kann er nicht nachvollziehen, denn alle Mitglieder sind ganz normale Studenten und in keiner Weise rassistisch. Alle männlichen Studenten, die Lust auf eine tolle Zeit haben, können sich auf einen Platz in der Verbindung bewerben, unabhängig vom Studiengang. Die Monatsmiete für ein Zimmer in einem Verbindungshaus beginnt bereits bei 100 €. Dieser Schnäppchenpreis ist nur möglich, da ehemalige Studenten in den Topf der Burschenschaft einzahlen.

Kein Unterscheid zu Nicht-Mitgliedern

Die Frage ob die Mitgliedschaft für immer sei, verneint Jonas, man kann jeder Zeit austreten. Interessierte sollen es einfach einmal für ein paar Semester ausprobieren. Wie es für ihn nun nach seinem Bachelor weitergeht, weiß er noch nicht genau. Schließlich müssen sich die Mitglieder der Burschenschaften genauso auf dem Arbeitsmarkt bewerben, große Vorteile haben sie im Vergleich zu den anderen Studenten, die in keiner Verbindung sind, nicht. Aber natürlich kann das große Netzwerk aus den ehemaligen Verbindungsmitgliedern in vielen Situationen hilfreich sein.

Mittlerweile ist das Verbindungshaus so gefüllt, dass man kaum durch die Menschenmenge hindurch kommt. Wir treten den Heimweg an. Am Ende der Straße sehen wir zwei Polizeiwagen. Sind sie vorsorglich gekommen? Uns hat es jedenfalls gefallen. Wir fühlten uns wohl und bemerkten kaum einen Unterschied zu anderen Studentenpartys.

Was ist die Burschenschaft Germania?

Die Burschenschaft Germania Würzburg ist eine Verbindung aktiver und ehemaliger Studenten der Universität Würzburg und der Fachhochschule. Die freie Burschenschaft sagt über sich, dass sie Tradition mit Zukunft verbinden. Ihr Slogan „Freiheit-Ehre-Vaterland“ spiegelt ihr ganzes Auftreten wieder. Was ist ihr Ziel?  Die Burschenschaft fördert den beruflichen Werdegang der Mitglieder und will diese auch zu freiheitlich-demokratischen Bürgern erziehen. Als Treffpunkt für die Mitglieder dient das Verbindungshaus über den Dächern von Würzburg gelegen.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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