Laura mit einem ihrer Wolfhunde. Foto: Laura Dürrlauf
Laura mit einem ihrer Wolfhunde. Foto: Laura Dürrlauf

Wolf oder Wolfhund? – Eine Aufklärung

Ist es nun ein Wolf oder doch nur ein Wolfhund? Und woran kann man den Unterschied erkennen? In der vergangenen Woche erreichte uns die Nachricht eines Fans, in der zu lesen war, dass beim Spaziergang mit dem eigenen Hund ein Wolf bzw. ein wolfähnliches Tier im Landkreis Würzburg entdeckt wurde. Auch ein Foto war dabei, auf dem das Tier zu sehen war. Für einen Laien tatsächlich auf den ersten Blick nicht 100 % auszuschließen, ob es sich um einen Wolf handelt. Etwas ungewöhnliches wäre das auch nicht, da in Bayern mehrere Wölfe nachgewiesen wurden, im letzten Sommer gab es sogar den ersten Wolfsnachwuchs seit mehr als hundert Jahren im Freistaat.

Schnell stellte sich allerdings heraus, dass es sich bei der „Wolfsichtung“ im Landkreis Würzburg um einen Wolfhund handelte, der in der Nähe zuhause ist. Um aufzuklären, was denn hier der Unterschied ist und wie man diesen erkennen kann, haben wir Hundebesitzerin Laura befragt.

Würzburg erleben (WE): Was ist ein Wolfhund?

Laura: Ein Wolfhund ist eine Hunderasse, bei der die ursprüngliche Rasseherkunft auf der Einkreuzung von Wölfen beruht. Es gibt zwei anerkannte Rassen: Der Tschechoslowakische Wolfhund (TWH) und der Saarloos-Wolfhund (SWH). Außerdem gibt es noch den Amerikanischen Wolfhund (AWH). Der TWH entstand 1958 aus Karpatenwolf und Schäferhund. 1983 war die letzte offizielle Wolfseinkreuzung.

Der SWH besteht aus europäischem Wolf und Schäferhund und entstand ca. 1932. Der Amerikanische Wolfhund ist allerdings keine anerkannte Rasse, vielmehr ein Mischling aus amerikanischen/ kanadischen Wolfsunterarten, meist mit nordischen Hunderassen verpaart. Diese unterteilt man in Low-, Mid-, oder High-Content, je nach dem welchen Prozentsatz Wolfsblut der beurteilte Hund aufweist. Zusätzlich unterteilt man in F-Generationen. Wird ein Wolf mit einem Hund verpaart, ist die 1. Generation ein F 1. Wird ein F 1 mit einem F 1 oder F 2 oder einem Hund verpaart, ist es ein F 2 usw.

WE: Worin besteht der Unterschied zwischen einem Wolf und einem Wolfhund?

Laura: Die gravierendsten Unterschiede liegen sowohl in Fellzeichnung- und Färbung, als auch am Körperbau des Tieres. Wölfe haben hier in Deutschland meist grau-braunes Fell, wohingegen der TWH und SWH helleres grau/silbernes Fell haben. Wölfe haben kleine dreieckige Ohren und hohe lange Beine, der Brustkorb ist schmal. Die Unterschiede liegen jedoch auch vor allem in Charakter und Verhalten der Tiere.

Während ein wild lebender Wolf eher die Nähe zum Menschen meidet und sein natürlich angeborener Fluchtreflex äußerst stark ausgeprägt ist, sind Wolfhunde (je nach Content) darauf gezüchtet, dem Menschen zugänglich zu sein. Von einem Schoßhund sind sie jedoch trotzdem weit entfernt. Schwieriger wird die Unterscheidung beim amerikanischen Wolfhund. Die Fellfarbe, sowie Fellzeichnung ist sehr wolfsähnlich. Die Hunde sind Schwarz, Wildfarben oder hell gefärbt. Auch die Verhaltensweisen wie natürliche Scheu, Skepsis gegenüber Menschen oder Bewegungsabläufe, gleichen hier mehr dem eines Wolfs als dem eines Hundes.

WE: Woran erkennt ein 14-Jähriger den Unterschied zwischen einem Wolf und einem Wolfhund?

Laura: Für einen Laien, der sich dem Thema Wolfhund oder allgemein der Herkunft des heutigen Haushundes nie gewidmet hat, ist die Unterscheidung sehr schwierig. Da die Hunderasse sehr viele wolfstypische Merkmale vereint, ist hier meist die Kennzeichnung der Hunde bei Spaziergängen durch Halsband, Leine, Halstuch oder ähnliche „hundetypische“ Accessoires das sicherste Unterscheidungsmerkmal.

Auch die Körpergröße, Größe der Ohren, Farbe und Fellzeichnung kann für ein geübtes Auge Unterschiede erkennen lassen. Einen 100 %igen Indikator gibt es jedoch in der Praxis nicht. Gerade Kinder, die uns auf Spaziergängen mit unseren Hunden begegnen stellen fest: „Wow, schau ein Wolf“.

WE: Muss bei der Haltung von Wolfhunden etwas besonderes beachtet werden?

Laura: Die Anschaffung und Haltung eines Wolfhundes ist nicht vergleichbar mit der anderer Hunderassen. Die artgerechte Haltung eines solchen Tieres erfordert viel Zeit, eine Menge Geduld, strikte Konsequenz des Halters, viel Auslauf und nicht zuletzt eine gesunde Portion schwarzen Humor um über die zerstörten Einrichtungsgegenstände zu lachen. Alleine lassen ist entweder nur sehr schwer oder gar nicht möglich, jeglicher Anflug von Langweile wird meist mit ausgiebigen Zerstörungsorgien in den heimischen vier Wänden des Vierbeiners quittiert.

Wer dauerhaft einen Wolfhund halten will, passt seine häuslichen Gegebenheiten, sowie seinen Alltag an dieses Tier an, ob er will oder nicht. Gelingt eine artgerechte Haltung mit ausreichend Auslastung (körperlich sowie geistig) und lässt man sich auf die Herausforderung Wolfhund ein, revanchiert sich dieses anspruchsvolle Tier mit einer unbändigen Liebe, Loyalität und Zuneigung für sein Herr-/Frauchen. Dennoch gilt, wie bei jeder Anschaffung eines (Haus-)tiers: Prüfe, was du dir zu Eigen machst!

Julian mit seinen zwei Wolfhunden. Foto: Laura Dürrlauf

Julian mit seinen zwei Wolfhunden. Foto: Laura Dürrlauf

Eine Ausgiebige Information, Abgleich mit den eigenen vorhandenen Ressourcen (Wohnumfeld, großer Garten mit mindestens 2 m hohem Zaun, ausreichend Zeit, andere Tiere vorhanden?) und die Bereitschaft, das eigene Leben auf den Hund auszurichten, sind hierbei unerlässlich. Nicht selten werden Wolfhunde mit Beginn der Geschlechtsreife wieder abgegeben, da die Besitzer den Anforderungen einfach nicht gerecht werden können oder wollen.

Für solch ein Tier, welches sich meist bereits im Welpenalter regelrecht auf seinen Besitzer geprägt hat, stellt dies natürlich den Zusammenbruch seiner bis jetzt heilen Wolfhundewelt dar. Die zweite Hand braucht hier noch ein immens höheres Maß an Geduld und Zuwendung um die Liebe und Sympathie seines neuen Schützlings zu gewinnen. Da klassische Tierheime im Abgabefall selten den Anforderungen eines Wolfhundes gerecht werden können, ist die Zeit bis zur Weitervermittlung an ein neues Zuhause (insbesondere dessen Suche) eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Wir arbeiten derzeit an einer Aufnahmeeinrichtung für Wolfhunde, die nicht mehr in ihrem bisherigen Zuhause bleiben können. Eine vergleichbare Einrichtung existiert in Süddeutschland nicht. Wenn wir hier weiter sind berichten wir gerne an dieser Stelle über unsere Tätigkeit.

 

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