Links: Roland Flade - Foto: Theresa Müller; Rechts: Cover des Buches "Vergessenes Leid. Wie Würzburger den Ersten Weltkrieg erlebten" - Repro: Roland Flade
Links: Roland Flade - Foto: Theresa Müller; Rechts: Cover des Buches "Vergessenes Leid. Wie Würzburger den Ersten Weltkrieg erlebten" - Repro: Roland Flade

Der Erste Weltkrieg aus Würzburger Sicht

Historiker und langjähriger Main-Post-Redakteurs Roland Flade hat ein neues Buch heraus gebracht. Der Band „Vergessenes Leid. Wie Würzburger den Ersten Weltkrieg erlebten“ schildert die Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918 aus der Perspektive von Würzburgerinnen und Würzburgern. Das Geschehen in der Domstadt steht dabei gleichberechtigt neben den Erlebnissen an der Front. Das Buch wurde im Kino Central vorgestellt.

Tatsachenberichte Würzburger Bürger

Der Krieg veränderte das Leben der Menschen dramatisch, und das Buch folgt ihnen bis zum Waffenstillstand im November 1918. Maria Gümbel, eine junge Mutter, die in Grombühl lebte, verzweifelte fast ob der Trennung von ihrem Mann, der in Nordfrankreich eingesetzt war. Der spätere Oberbürgermeister Hans Löffler, der im Krieg für die Lebensmittelversorgung der Würzburger sorgen musste, konnte nicht alle satt bekommen, was ihm schlaflose Nächte bereitete. Der 18-jährige jüdische Student Richard Rosenburg, Mitglied der Verbindung Salia, meldete sich wie viele andere Würzburger Juden freiwillig an die Front und erlebte die Brutalität des Stellungskrieges.

Der Schriftsteller Leonhard Frank, ein überzeugter Pazifist, der eben durch den Würzburg-Roman „Die Räuberbande“ berühmt geworden war, emigrierte in die Schweiz und veröffentlichte dort 1917 das Antikriegsbuch „Der Mensch ist gut“, das in Deutschland sofort verboten wurde. Diese und andere Würzburger haben den Krieg, den einige aus vollem Herzen bejahten und andere aus Überzeugung ablehnten, in Feldpostbriefen, Tagebüchern und Memoiren beschrieben.

Der Hunger war in Würzburg während des Ersten Weltkriegs so groß, dass "Gulaschkanonen" durch die Stadt fuhren, an denen Essen ausgegeben wurde - Foto: Stadtarchiv Würzburg

Der Hunger war in Würzburg während des Ersten Weltkriegs so groß, dass „Gulaschkanonen“ durch die Stadt fuhren, an denen Essen ausgegeben wurde – Foto: Stadtarchiv Würzburg

Gelegentlich weitet sich der Blick; so hatten die Tausenden von Kriegsgefangenen, die in Würzburger Lagern inhaftiert waren, eine völlig andere Sicht auf die Dinge. Zwei von ihnen, der Schotte Malcolm Hay und der Franzose Septime Gorceix, haben ihre Würzburger Erlebnisse auf der Festung bzw. am Galgenberg ebenfalls in Büchern festgehalten, und auch ihre Erfahrungen, beispielsweise mit verständnisvollen oder brutalen Wärtern, sind in das Buch eingeflossen. Bei der Lesung aus dem Buch mit der Schauspielerin und Regisseurin Britta Schramm wird Flades 18-minütiges Video „Würzburg und der Erste Weltkrieg“ gezeigt. Der Eintritt kostete sechs, ermäßigt fünf Euro.

Ergänzende Filmreihe zum Ersten Weltkrieg

Zudem stellte Sabine Schlegelmilch eine siebenteilige Reihe mit historischen und aktuellen Filmen zum Ersten Weltkrieg vor, die ab 19. März immer montags um 18.30 Uhr im Central veranstaltet wird. Den Anfang macht am 19. März „Niemandsland“ (1931) nach einer Idee von Leonhard Frank. Erzählt wird die Geschichte von fünf Soldaten aus unterschiedlichen Ländern, die sich in einem Unterstand zwischen den Fronten wiederfinden. Am 2. April folgt „Westfront 1918. Vier von der Infanterie“, G. W. Pabsts Abrechnung mit dem Krieg aus dem Jahr 1930, die wie „Niemandsland“ von den Nationalsozialisten 1933 sofort verboten wurde.

Der Würzburger Soldat Adelbert Gümbel fotografierte im Mai 1915 Artilleriebeobachter im Schützengraben vor dem belgischen Städtchen Ypern - Foto: Staatsarchiv Würzburg

Der Würzburger Soldat Adelbert Gümbel fotografierte im Mai 1915 Artilleriebeobachter im Schützengraben vor dem belgischen Städtchen Ypern – Foto: Staatsarchiv Würzburg

Weitere Filme in der Reihe: Am 16. April läuft „Das Lied von den Matrosen“; in dem DDR-Spielfilm von 1958 steht der Kieler Matrosenaufstand im Mittelpunkt. Am 30. April wird „Im Westen nichts Neues“ nach dem Roman von Erich Maria Remarque gezeigt. Der bekannteste Antikriegsfilm der Geschichte, der 1930 Premiere hatte, wurde mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet. Am 14. Mai folgt „Torneranno i prati. Die Wiesen werden blühen“, ein Film aus dem Jahr 2015 über die Kämpfe in den italienischen Alpen, am 28. Mai „Frantz“ (2016), ein Melodram über die Begegnung einer Deutschen, deren Verlobter gefallen ist, mit einem französischen Exsoldaten, und am 11. Juni „Merry Christmas“ (2005) über einen improvisierten, historisch verbürgten Waffenstillstand zu Weihnachten 1914 an mehreren Fronten.

Verantwortlich für die Reihe sind Sabine und Ulrich Schlegelmilch sowie Roland Flade, die auch in die Filme einführen und historische Hintergründe sowie Bezüge zu den Ereignissen in Würzburg herstellen.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung von Roland Flade

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