Stolperstein für Rosa Hetzer, Frankfurter Straße 24 - Foto: SkF e.V. Würzburg
Stolperstein für Rosa Hetzer, Frankfurter Straße 24 - Foto: SkF e.V. Würzburg

SkF Würzburg übernimmt Stolperstein-Patenschaft für Rosa Hetzer

Im Rahmen der 24. Stolperstein-Verlegung im Würzburger Stadtgebiet, verlegte Gunter Demnig, auch einen Stolperstein vor dem Gebäude des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. in der Frankfurter Straße 24 zur Erinnerung an Rosa Hetzer. Rosa Hetzer wurde am 4. Oktober 1901 in Neubrunn geboren und 1940, an ihrem 39. Geburtstag, in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz verlegt und vermutlich wie alle anderen Opfer dort noch am selben Tag ermordet wurde.

Gedenken an Holocaust-Opfer

Aus den Recherchen des Arbeitskreises Stolpersteine der Stadt Würzburg geht hervor, dass Rosa zu Beginn des Jahres 1930 in das St. Josefsheim in Würzburg gebracht wurde, das seit 1911 ein Erziehungs- und Fürsorgeheim für Mädchen war. Dieses Fürsorgeheim in der Frankfurter Straße 24 ist als Rosas letzte gemeldete Adresse bekannt. Träger des Heims war der Katholische Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder (KFV), der heute Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. heißt.

Verlegung des Stolpersteins für Rosa Hetzer - Foto: SkF e.V. Würzburg

Verlegung des Stolpersteins für Rosa Hetzer – Foto: SkF e.V. Würzburg

Am 25. Juni 1930 wurde die 28-jährige Rosa auf Veranlassung des Bezirksarztes von zwei Sanitätern in die Psychiatrische Klinik Würzburg eingeliefert. Grund der Einlieferung waren Aufregungszustände. „Aus den Aufzeichnungen bei der Aufnahme in der Psychiatrie erfahren wir mehr über Rosas bisherigen Lebensweg. Danach wird Rosa im Alter von sechs Jahren in der Volksschule in Neubrunn eingeschult, nach ihren eigenen Angaben sei sie eine gute Schülerin gewesen und nie sitzengeblieben. Sie habe keine Freundinnen gehabt und sei immer für sich alleine gewesen.

Nach der Schulzeit habe sie in verschiedenen Stellen in Neubrunn und Holzkirchen als Dienstmagd gearbeitet, dazwischen immer wieder eine Zeit zu Hause in Neubrunn verbracht. 1926 habe sie in der Frauenklinik Würzburg ein Kind zur Welt gebracht, der Vater des Kindes sei ihr nicht bekannt. Nach einem längeren Aufenthalt in der Frauenklinik Würzburg sei sie erneut in Holzkirchen in Stellung gewesen bei einem gewalttätigen Hausherrn“ (aus Rosa Hetzers Biografie von Regine Samtleben).

Rosa Hetzers Nichte bei Stolpersteinverlegung

Die Zeit in der Psychiatrie verbrachte die junge Frau zunehmend sprach- und teilnahmslos. Nach knapp drei Monaten Aufenthalt wurde Rosa am 18. September 1930 wegen Platzmangels dauerhaft in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck verlegt. Die Diagnose lautete Schizophrenie. Zehn Jahre verbrachte Rosa in Werneck bis sie am 4. Oktober 1940 in die Tötungsanstalt Hartheim überführt und ermordet wurde.

Trude Rauch und Karl-Heinz Schöler mit Regine Samtleben vom Arbeitskreis Stolpersteine vor dem Gedenkstein - Foto: SkF e.V. Würzburg

Trude Rauch und Karl-Heinz Schöler mit Regine Samtleben vom Arbeitskreis Stolpersteine vor dem Gedenkstein – Foto: SkF e.V. Würzburg

Trude, eine Nichte von Rosa Hetzer, die noch heute in Neubrunn lebt, kam begleitet von ihrem Mann Karl-Heinz zur Verlegung des Stolpersteins. Sie legte Blumen an der Gedenkstätte für ihre Tante nieder und bedankte sich beim Arbeitskreis Stolpersteine und Gunter Demnig für die Ehrerweisung.

Lebendiger Geschichtsunterricht wider das Vergessen

Das Gebäude in der Frankfurter Straße 24 gehört auch heute noch dem SkF Würzburg. Es beherbergt den   Psychotherapeutischen Beratungsdienst im SkF – Beratungsstelle für Kinder,  Jugendliche, Eltern und Familien; Erziehungsberatungsstelle – und die Fachakademie für Heilpädagogik Heilpädagogisches Seminar im SkF. Das ‚Josephsheim‘, heute Therapeutisches Heim Sankt Joseph im SkF befindet sich auf dem gleichen Grundstückes Richtung Main. Knapp 60 Kinder und Jugendliche wohnen hier im Schnitt zwei Jahre lang und erfahren Unterstützung und Therapie bis zur Rückführung in ihre Familien oder bis zur Verselbständigung.

Einige der heutigen Josephsheimbewohner*innen besuchen die trägereigene Elisabeth-Weber-Schule im SkF. Zusammen mit ihren Lehren wohnten sie der Verlegung des Stolpersteins, dessen Patenschaft der SkF e.V. Würzburg übernommen hat, bei. Ein Stück lebendigen Geschichtsunterrichts und Sensibilisierung wider das Vergessen.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Würzburg

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