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Den Rauch über Grombühl konnte man von weitem sehen. Foto: Blaulicht Würzburg
Den Rauch über Grombühl konnte man von weitem sehen. Foto: Blaulicht Würzburg

Allgemeingefährlicher Brandstifter (21) muss unbefristet in Psychiatrie

Eine Form des Autismus und die Neigung zum Zündeln – diese Kombination ist es, die einen 21-jährigen Würzburger nach Auffassung des Landgerichts für die Allgemeinheit gefährlich macht: Unter anderem wegen zweifacher versuchter Brandstiftung wurde er jetzt zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und unbefristet in der Psychiatrie untergebracht.

Meterhohe Flammen bemerkt

Zwei kleinere Diebstähle und eine Sachbeschädigung standen außerdem in der Anklageschrift. Gravierend war aber vor allem das, was der 21-Jährige an einem Sonntag im vergangenen August angestellt hat: Zweimal legte er im Außenbereich eines Lebensmittelmarkts in der Nürnberger Straße Feuer, beide Male war es reines Glück, dass der Brand rechtzeitig bemerkt wurde und nichts wirklich Schlimmes geschah.

Feuer an Supermarkt gelegt: 21-Jähriger in U-Haft

Am Nachmittag bemerkte ein Schaffner in einem Zug zwölf bis fünfzehn Meter hohe Flammen an der Außenseite des Gebäudes und alarmierte die Feuerwehr – der Angeklagte hatte leere Obstkisten in Brand gesetzt.

Im Außenbereich des real-Marktes in der Nürnberger Straße legte er gleich zweimal Feuer. Foto: Pascal Höfig

Im Außenbereich des real-Marktes in der Nürnberger Straße legte er gleich zweimal Feuer. Foto: Pascal Höfig

Zweimal nacheinander Brand gelegt

Das Feuer konnte gelöscht werden, bevor das Gebäude selbst brannte – der Schaden an einem Vordach, der Außenwand und dem Stromnetz belief sich trotzdem auf rund 15.000 Euro. Am Abend ging der 21-Jährige dann erneut zu dem Gebäude und schaffte es, an einer anderen Stelle Holzpaletten anzuzünden.

Dieses Mal wurde er erwischt, weil der Sohn des Markt-Inhabers nach dem Feuer am Nachmittag am Abend noch einmal nach dem Rechten sehen wollte. Der Brandstifter wurde verhaftet und war seither bereits vorläufig in der Psychiatrie in Werneck untergebracht.

Faszination für offene Flammen

Bei der Polizei sprach der Angeklagte von Aggressionsabbau als Motiv. Beim Ermittlungsrichter hat er zu Protokoll gegeben, dass er aus Langeweile zündelt.

Er tut es auch nicht erst seit dem vergangenen Sommer: In der Vergangenheit hat er wegen seiner Faszination für offene Flammen bereits mehrmals seinen Platz in therapeutischen Einrichtungen verloren – in einem Fall hatte er eine Spraydose in James-Bond-Manier in einen kleinen Flammenwerfer verwandelt. Auch im Bezirkskrankenhaus Werneck wollte der 21-Jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr unter Betreuung steht, mit Hilfe eines Zigarettenanzünders ein Blatt Papier in Brand setzen.

Das Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck, Foto: Pascal Höfig

Das Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck, Foto: Pascal Höfig

Erhebliche Straftaten in Freiheit vorprogrammiert

Dazu kommt die Fixierung auf das Gebäude, an dem er zweimal Feuer gelegt hat: Bereits einige Zeit zuvor hatte er dort die Pfosten eines Vordachs durchgesägt. Obwohl der junge Mann bei den Taten in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt war und die schweren Folgen seiner Zündeleien wohl nicht absehen konnte, wusste er alleine schon wegen der zahlreichen Ermahnungen in der Vergangenheit, dass er kein Feuer legen darf, betonte der vorsitzende Richter Konrad Döpfner.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder zündelt, ist unverantwortlich hoch.“

Staatsanwalt Torsten Seebach hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten und ebenfalls eine Unterbringung in der Psychiatrie gefordert. Eine Strafaussetzung zur Bewährung, wie von Verteidiger Bernhard Löwenberg beantragt, kam für die Strafkammer nicht in Betracht – sie hält den 21-Jährigen wegen der Verbindung seiner Autismus-Form mit der Neigung zum Zündeln für gefährlich und geht davon aus, dass er in Freiheit weitere erhebliche Straftaten begehen würde.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder zündelt, ist unverantwortlich hoch. Und es wären auch deutlich höhere Schäden als bisher zu erwarten“, betonte der Vorsitzende.

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