Leckere Faschingskrapfen. Symbolfoto: Dominik Ziegler
Leckere Faschingskrapfen. Symbolfoto: Dominik Ziegler

Gastbeitrag: Würzburger Krapfen-Contest

Gastbeitrag von Ute Steigerwald.

Als echte Fränkin liebe ich natürlich Krapfen. Nein, sie heißen nicht Pfannkuchen, Berliner oder irgendwie anders, sondern „Krapfen“. Eine Sache, die ich in den elf Jahren Berlin nie verstanden habe, weil Pfannkuchen brät man in der Pfanne und isst sie mit Nutella, Puderzucker oder sonst irgendwas Süßem. Und Kirsch- oder Mehrfruchtmarmelade und dergleichen haben da drin auch nichts zu suchen.

Ich hatte mir bereits letztes Jahr die Mühe gemacht und alle Bäcker in der Würzburger Innenstadt getestet, dies aber leider nicht dokumentiert. Dieses Jahr ist es soweit – mein erster Krapfen-Blog…

Freue mich sehr über jegliche Kommentare, Kritik, Ergänzungen. Gerne auch andere Meinungen oder Tipps zu guten Krapfen-Bäckern. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden! Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es sich bei den Bewertungen um meine eigene persönliche Meinung handelt.

Bewertungskriterien

Teig: Ein guter Teig ist locker und saftig, der Teig außen (also an der Oberfläche) darf auch nicht trocken sein.

Füllung: Hiffenmark ist ein absolutes Muss. Ein echter fränkischer Krapfen muss mit Hagebuttenmarmelade gefüllt sein und zwar möglichst mittig. Hier spielt auch die Menge eine Rolle. Wer spart, bekommt Punktabzug. Und eine andere Füllung außer Hiffenmark erhält automatisch die Note sechs.

„Topping“: Ich bevorzuge Puderzucker – Kristallzucker knuspert so komisch beim Kauen. Wenn nur Kristallzucker angeboten wird, ist das für mich nur ausreichend und damit die Note vier. Daneben gibt’s ja in der Faschingszeit oft noch Schoko-, Vanille- oder Zuckerguss, was mir persönlich zu pappig ist. Deshalb teste ich auch nur die mit Zucker oben drauf. Wichtig ist eine gleichmäßige, nicht zu dünne, aber auch nicht zu dicke Bezuckerung.

Topping-Sorten: Auf Wunsch einer Leserin werden hier die verschiedenen Toppings aufgelistet, die ein Bäcker anbietet. Derzeit gibt es noch keine große Auswahl, wobei mir persönlich ja der Puderzucker reicht. Zur Faschings-Hochsaison wird das Angebot sicherlich noch steigen. – Etwas enttäuschend finde ich es jedoch, wenn ein Bäcker nur Krapfen mit Kristallzucker verkauft.

Preis: Ein wirklich guter Krapfen darf ruhig etwas kosten. Bei 1,10 € liegt allerdings meine Schmerzgrenze.

Die „Krapfen-Dealer“

Jetzt geht es aber los mit den verschiedenen Würzburger Bäckereien, die beim Krapfen-Contest dabei sind: Guten Appetit!

Pappert (17.12.17 = Datum des Tests)

Sehr guter Krapfen, super Teig, Füllung erhält eigentlich die Note eins. Leider war ein Krapfen von insgesamt vier mit Himbeermarmelade gefüllt (nein, ich habe nicht alle vier alleine gegessen. Mein Co-Tester hat mir geholfen!) Deshalb verschlechtert sich die Note für die Füllung auf drei. Der Krapfen kostet 95 Cent und hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Rösner Backstube (19.12.17)

Ein schlechter Krapfen für einen stolzen Preis von 1,10 €. Teig vor allem außen zu trocken, leider keine Auswahlmöglichkeit zwischen Kristall- und Puderzucker. Die Füllung ist super (viel Marmelade), hätte jedoch mittiger sein können.

Schiffer Familienbäckerei (21.12.17)

Toller Teig, traumhaft! Sehr locker und saftig. Füllung auch sehr gut, hätte jedoch wieder mal mittiger sein können. Es gibt leider keine Wahl zwischen Puder- und Kristallzucker-Topping, nur einen Mix aus beidem. Könnte schwören, dass ich letztes Jahr bei Schiffer meinen Krapfen für 90 Cent bekommen habe, deshalb bin ich über den Preis von 1,10 € dieses Jahr etwas erstaunt. Gut, vielleicht täusche ich mich auch… Aufgrund des wirklich göttlichen Teiges wird aus der Endnote 2,0 eine 1,7.

Müller Bäck (29.12.17)

Super Teig, locker und saftig. Auch hier hätte die Füllung wieder mittiger sein können. Toll, dass in der Bäckerei-Auslage die Rohlinge liegen und man sein Wunsch-Topping bei der Bestellung frisch erhält. Deshalb gibt’s auf das Topping eine eins mit Stern, was ich eigentlich gerne in der Endnote berücksichtigt hätte. Bei einem Krapfen von insgesamt drei ist jedoch leider zu wenig Marmelade enthalten, deshalb gibt es hier wieder Punktabzug. Preislich ist er für 1,10 € in Ordnung.

Kupsch, Domstraße (30.12.17)

Trockener, fast staubiger Krapfen. Vor allem der Teig außen ist viel zu trocken und zu hart. Leider gibt es um 11.30 Uhr nur noch einen letzten Krapfen (mit Kristallzucker), weshalb mein Co-Tester Quarkbällchen essen muss (die übrigens besser schmecken als der Krapfen). Füllung hätte mittiger sein können. Kein empfehlenswerter Krapfen für stolze 1,10 €. Anmerkung: Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Backwaren an diesem Tag wohl nicht von der Spiegelbäckerei hergestellt waren, so wie es hinter der Theke steht, sondern von einem anderen Zulieferer stammten.

Juliusspital Bäckerei (02.01.18)

Guter Krapfen mit einem relativ saftigen Teig und viel Marmelade (sogar mittig!) für einen Höchstpreis von 1,20 €. Leider gibt es nur einen Mix aus Puder- und Kristallzucker (eine Seite Kristall-, die andere Puderzucker), deshalb fällt hier die Benotung nur befriedigend aus. Insgesamt finde ich ihn vom Preis-Leistungs-Verhältnis zu teuer.

Brandstetter (03.01.18)

Teig ist saftig und locker, erreicht jedoch nicht die Note eins. Krapfen mit der bislang größten Menge an Marmelade, allerdings auch nicht mittig. Toll, dass bei der Füllungs-Menge nicht gespart wird, dann ist bei jedem Bissen Marmelade dabei. Ein Nachteil ist jedoch, dass man ihn schlecht essen kann und man ständig acht geben muss, kein Marmeladen-Massaker auf dem Teller zu veranstalten. Bislang der teuerste Krapfen mit einem Wucher-Preis von 1,25 €, dafür bekommt man allerdings auch einen wirklich guten Krapfen.

Bäckerei am Dom (05.01.18)

Teig ist mittelmäßig und leicht trocken bzw. zu fest. Sehr viel Füllung, die heraustropft, wenn man nicht aufpasst. Geschmacklich und vom Aussehen her ist die Marmelade anders – irgendwie schmeckt sie nicht so intensiv nach Hagebutte und ist heller (vielleicht täusche ich mich auch). Topping ist nicht gleichmäßig, teilweise ist der Krapfen von anderen Nachbar-Krapfen voll Marmelade. Mit 90 Cent der bislang günstigste Krapfen, der aber geschmacklich wenig überzeugt.

Maxl Bäck (06.01.18)

Teig ist trocken und hart, besonders außen. Innen hat er ein großes Teig-Loch (darin ist keine Marmelade!). Topping ist gut, wobei etwas zu viel Puderzucker, den man natürlich abschütteln kann. Die Füllung ist auch gut, halbwegs mittig und auch von der Menge her. Der Preis liegt mit 1,15 € in der unteren Mittelklasse, genauso wie auch der Krapfen selbst.

Höreder Beck (08.01.18)

Teig schmeckt so lala, icht schlecht, aber könnte definitiv saftiger sein. Viel Füllung, deshalb erreicht der Krapfen hier die Note eins (obwohl sie nicht mittig ist). Das Topping ist geradezu perfekt – sehr gleichmäßig und von der Menge her genau richtig. Ich hätte gerne den Stern beim Topping in die Endnote mit einfließen lassen, aber dafür schmeckt der Teig nicht gut genug. Der Krapfen kostet 1 € und erhält in der Gesamtwertung die Note 1,7 (es heißt übrigens tatsächlich „Höreder Beck“, warum auch immer mit „e“, anstatt mit „ä“).

Café Michel (15.01.18)

Teig schmeckt ganz gut, könnte aber definitiv saftiger sein. Der Krapfen ist nur auf einer Seite bestäubt, dafür auf dieser Seite eindeutig zu viel. Das Hiffenmark schmeckt fad, vermute das ist keine Maintal?! Dafür ist sie mittig platziert. Bin fasziniert davon wie viele Sorten es gibt – das liegt sicher daran, dass bald die Faschingszeit beginnt. Preislich liegt der Krapfen mit 1 € in der Mitte.

Wiener Feinbäcker Heberer (16.01.18)

Guter Teig, aber auch hier könnte er saftiger sein. Dennoch ist er relativ locker. Das Topping ist gut, jedoch wieder nur einseitig. Die Füllung ist ein Schock – irgendeine undefinierbare rote Marmelade. Könnte Himbeer oder auch Kirsch sein, ich weiß es nicht genau. Keine Hiffenmark-Füllung gibt eine glatte sechs, weil Hiffenmark ist Pflicht. Noch dazu zeugt das von schlechter Marmeladen-Qualität, wenn man nicht mal die Sorte eindeutig bestimmen kann. Die 1 € sind definitiv falsch angelegtes Geld. Eigentlich ergibt die Gesamtnote 3,3, jedoch verschlechtert sie sich aufgrund der miserablen Füllung auf 4,0.

Webers (17.01.18)

Oje. Teig ist halbwegs locker, aber trocken und außen viel zu hart (man spürt beim Reinbeißen richtigen Widerstand). Allein die dunkle Farbe des Krapfens deutet bereits darauf hin, dass er zu lange gebacken wurde. Es gibt nur Kristallzucker im Angebot, deshalb gibt es auf das Topping auch die Note vier. Bei der Füllung wird gespart, das ist defintiv zu wenig. Schade um die 90 Cent, da gibt es bei anderen Bäckern bessere Krapfen für fast das gleiche Geld.

Café Kies (22.01.18)

Der Teig ist wunderbar locker und saftig. Topping ist relativ gleichmäßig, jedoch mal wieder nur auf einer Seite. Von der Menge an Marmelade her bissel zu wenig (wieder nicht ganz mittig), aber noch verschmerzbar. Dafür richtig gutes Hiffenmark. Der Preis liegt mit 1,20 € eher weiter oben.

Kiliansbäck (26.01.18)

Der Teig ist gut und relativ locker, etwas zu trocken für eine eins. Das Topping ist gleichmäßig, jedoch etwas zu viel (kann man ja abklopfen). Leider ist der Puderzucker „zu fest“, was vielleicht daher kommt, dass der Krapfen feucht wurde (vielleicht war er bei der Bezuckerung noch zu warm?!?). Die Füllung ist gut, Mengen-technisch ok, dafür gutes Hiffenmark (könnte etwas mittiger sein). Der Krapfen kostet beim Kiliansbäck 1,10 €.

Köhlers Vollkornbäckerei (27.01.18)

Der Teig ist hart und trocken, man muss nebenher wirklich fleißig seinen Kaffee trinken. Der Puderzucker ist brockig, außerdem nur einseitig aufgestäubt. Wenigstens kann der Krapfen bei der Füllung etwas punkten. Das Hiffenmark ist gut, hätte aber mehr sein können, deshalb nur die Note zwei. Aufgrund des schlechten Teigs und des brockicken Toppings rutscht die Gesamtnote nochmal nach unten. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis fällt der Krapfen zum absoluten Wucher-Preis von 1,50 € (bislang der teuerste Krapfen) glatt durch. Ich weiß, der kommt wahrscheinlich durch das Vollkorn zustande, aber für das Geld kann man eindeutig mehr erwarten. Mein Co-Tester ist übrigens gleicher Meinung.

Bäckerei Gehrold (29.01.18)

Super Teig, saftig und locker. So muss ein Krapfenteig sein. Beim Topping gibt es neben Kristallzucker leider nur einen Mix aus Kristall- und Puderzucker. Auch ist der Krapfen wieder nur einseitig bezuckert. Deshalb bewerte ich hier mit der Note drei. Bei der Füllung war der Bäcker sparsam, das Hiffenmark ist zwar geschmacklich sehr gut, aber definitiv zu wenig. Ich hätte gerne die Gesamtnote aufgrund des sehr guten Teigs verbessert, habe mich jedoch wegen der Menge an Füllung umentschieden. Schade, der Krapfen (mit dem Preis von 1,20 €) hätte mit mehr Füllung und nur Puderzucker sicherlich eine viel bessere Note erreicht.

Spezialitätenbäckerei Peter Schmitt (07.02.18)

Der Teig könnte wirklich saftiger sein, vor allem außen ist er trocken und etwas zu hart. Dennoch ist er halbwegs locker. Die Bezuckerung ist zwar gleichmäßig, jedoch mal wieder nur auf einer Seite. Bei der Füllung gibt es die Menge zu beanstanden. Die könnte schon etwas mehr sein (auch nicht mittig eingespritzt). Bin etwas enttäuscht von der Spezialitätenbäckerei Peter Schmitt, die im Kaufhof zu finden ist. Wo es doch dort so guten Käse gibt. Preislich liegt der Krapfen bei 1,05 €.

Bäckerei Artur Hanselmann (09.02.2018)

Sehr guter Teig, locker und saftig. Er ist auffallend gelb, da sieht man die Eier (denke mal, dass das kein künstlicher Farbstoff ist). Es kommt mir so vor, als ob der Krapfen etwas fettiger ist als die bisherigen, was in dem Fall aber keinen Punktabzug bedeutet (zu fettig ist allerdings nicht gut). Das Topping ist nur befriedigend, da sehr unregelmäßig und nur einseitig. Noch dazu ist die nackte Seite voll mit Kristallzucker, der wahrscheinlich von danebenliegenden Krapfen stammt. Es knuspert jedenfalls beim Kauen, obwohl ich einen Puderzucker-Krapfen bestellt habe. An der Füllung gibt es nichts auszusetzen – sehr gutes Hiffenmark. Es hätte jedoch bissel mehr sein können, deshalb gibt’s hier keine Note eins. Für 1,10 € bekommt man bei Hanselmann aber einen guten Krapfen.

And the winner is …

Als Gewinner von Utes Krapfen-Contest hat übrigens der Krapfen von Müller Bäck mit der Endnote 1,3 abgeschnitten. Alle genauen Noten findet man auch auf Utes Blog: www.ute-steigerwald.de

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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