„Zukunftsforums Handel“ in der IHK in Würzburg. Foto: IHK Würzburg- Schweinfurt
„Zukunftsforums Handel“ in der IHK in Würzburg. Foto: IHK Würzburg- Schweinfurt

IHK diskutiert: Wie viel Internet braucht der Einzelhandel?

Was „kann“ und was „muss“ der Einzelhandel in Sachen Digitalisierung tun? Das war die zentrale Frage der Kooperationsveranstaltung der IHK Würzburg-Schweinfurt und der IHK Heilbronn-Franken am 24. Januar 2018 in Würzburg. Über 60 Teilnehmer diskutierten mit den Referenten Elmar Fedderke und Svenja Brüxkes die Vorteile und die Herausforderungen des Online-Handels. Das Fazit: Nicht jeder Einzelhändler muss neben dem Ladengeschäft zwingend auch einen Onlineshop betreiben – aber ein Mindestmaß an Internetpräsenz ist unumgänglich.

Die richtige Strategie

Elmar Fedderke, Handelsberater und selbst erfahrener Händler eines familiengeführten, filialisierten Einzelhandelsunternehmens, fasste in drei Thesen zusammen, was ein erfolgreiches Handelsunternehmen im digitalen Zeitalter ausmacht: Die Kundschaft differenziert sich immer stärker in verschiedene Typen aus. Zwar gibt es reine Internetshopper und Kunden, die aus Überzeugung nur im Ladengeschäft einkaufen. Dazwischen existieren aber viele Konsumenten, die abhängig vom Produkt online oder stationär kaufen – und diese lassen sich mit dem richtigen Geschäftsmodell gewinnen und binden: „Es kommt auf jeden Kunden an“.

These: „Produkt + Mensch = Preis“

Wie dies in der Praxis aussieht erläuterte Fedderke in seiner zweiten These: „Der Kunde erwartet einen greifbaren Mehrnutzen. Das bedeutet für den stationären Händler, er muss die Gleichung „Produkt + Mensch = Preis“ überzeugend mit Inhalt füllen.“ Wer sich heute auf seiner regionalen Marktversorgungsfunktion ausruhe, habe morgen keine Chance mehr. In seiner dritten These plädierte Fedderke für eine Mischung von online- und offline-Präsenzen und zeigte verschiedene Stufen der Digitalisierung im Handel.

E-Commerce erhöht den Druck

Was der Konsument vom stationären Handel erwartet, war Thema des Vortrags von Svenja Brüxkes, Junior Projektmanagerin am Institut für Handelsforschung (IFH) Köln sowie am dort angesiedelten ECC Köln. E-Commerce setzt den stationären Handel zwar zunehmend unter Druck, allerdings seien die Auswirkungen nicht in jeder Sortimentsgruppe gleich. Vor allem bei Elektronik und Kleidung nimmt der Onlinehandel mit rund 26 Prozent bzw. 24 Prozent bereits einen hohen Anteil ein – Tendenz steigend.

Ein Einkaufserlebnis bieten

In den Stadtzentren registriert der IFH eine Verringerung der Besucher, die Anzahl an Filialen geht zurück. „Der Konsument ist schneller, informierter und mobiler, es besteht eine hohe Preistransparenz.“ Ein Vorteil des Ladengeschäftes bestehe aber in puncto Service und Einkaufserlebnis. Für Städte bedeutet dies, dass sie Attraktivität durch Ambiente und Flair schaffen müssen und auch digitale Services wie kostenfreies WLAN angeboten werden sollten. An den Handel appellierte Brüxkes: „Verkaufen Sie nicht einfach nur Ihre Produkte. Erhöhen Sie das Einkaufserlebnis und nutzen Sie den Mehrwerte der Digitalisierung.“

Zukunftsforum Handel

Bereits eingangs hatte Dr. Sascha Genders, Leiter der IHK-Bereiche Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung, die Bedeutung des Handels für Mainfranken hervorgehoben. Im Rahmen des Formats „Zukunftsforum Handel“ unterstützt die IHK die über 17.000 Einzelhandelsunternehmen der Region durch Veranstaltungen, Netzwerkanlässe und Publikationen.

Information: Dr. Christian Seynstahl, IHK, Tel. 0931 4194-314, christian.seynstahl@wuerzburg.ihk.de oder im Internet.

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