EInwegbecher. Symbolfoto: Dominik Ziegler
Einwegbecher. Symbolfoto: Dominik Ziegler

Tassen statt Pappbecher an der FHWS

Tassen statt Pappbecher an der FHWS – diesem Projekt haben sich Studierende angenommen: Waldsterben, Müllproblem, Umweltverschmutzung – Begriffe mit denen man tagtäglich konfrontiert wird und sich oft denkt: „Schlimm! Aber was kann ich als einzelne Person schon dagegen tun?“ – „So einiges!“, lautet die Antwort von fünf Studenten der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Im letzten Semester haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Verbrauch von Pappbechern an der FHWS zu reduzieren.

Problem „To go“

Für manche ist ein Morgen ohne ihn nicht möglich, andere brauchen ihn, um aus ihrem Nachmittagstief herauszukommen: Kaffee! Ob pur, mit Milch und Zucker oder in Cappuccino und Co. – der schwarze Koffeinlieferant ist in aller Munde. Um genau zu sein in 192.162 Mündern, die 2016 ihre Lust auf Koffein in den Würzburger Cafeterien stillten. Das Problem: Rund 80% dieser Kaffeespezialitäten wurden in sogenannten „To go“- Bechern ausgeschenkt. Diese landen dann oft nach nur einer Benutzung im Müll und stellen somit ein echtes Problem für die Umwelt dar!

3 Milliarden Pappbecher

Laut dem „Kaffeereport 2017“ von Tchibo und Brand Eins Wissen, konsumiert der Durchschnittsdeutsche 162 Liter pro Jahr. 66% der Deutschen trinken regelmäßig das koffeinhaltige Getränk und bevorzugen dabei die Filter-Variante. Das Problem laut Deutscher Umwelthilfe: Dieser Konsum führt pro Jahr zu knapp 3 Milliarden weggeworfen Pappbechern.

Making this world a better place

Dieses Problem haben auch die Studierenden Pia Schmidhuber, Veronika Frank, Theresa Wendler, Marvin Lobozar und Lukas Werner der FHWS erkannt. Im Rahmen des fachwissenschaftlichen Wahlpflichtmoduls „Making this world a better place“, der Fakultät Angewandte Geisteswissenschaften entwickelten sie ein Konzept, wie sie das Wergwerf-Verhalten in der Cafeteria in der Münzstraße 12 verändern könnten.

Bewusstsein schaffen

„Hierbei sind wir in drei Phasen vorgegangen“, erklärt Veronika Frank, Mitglied des Projekt-Teams. „Zunächst haben wir unsere Kommilitonen und Professoren durch Plakate auf die drastische Anzahl von weggeworfenen Bechern pro Tag aufmerksam gemacht“. Um den Kaffeetrinkern der Hochschule den Verbrauch auch bildlich vor Augen zu führen, fischten sie anschließend ganze 240 Becher aus den Mülltonnen der Hochschule und präsentierten diese anschließend aufmerksamkeitsstark in einem Glaskasten vor der Cafeteria.

Weniger Pappbecher

„Im letzten Schritt, haben wir den Hochschulangehörigen gezeigt, in welchem Umfang sich der Verbrauch von Einwegbechern nach unseren Aktionen verändert hat. Von durchschnittlich 240 pro Tag konnte die Anzahl der weggeworfenen Becher auf lediglich 150 reduziert werden“. Ein super Ergebnis, aber noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Wiederverwertbare Tassen

Auch über das Ende des Projektes hinaus nahm das Team von SIMM Kontakt zum Studentenwerk Würzburg auf, um eine dauerhafte Einführung von wiederverwendbaren Tassen zu bewirken. Mit Erfolg: seit Mitte Oktober werden in der Cafeteria in der Münzstraße keine Einwegbecher mehr angeboten. Stattdessen stehen nun weiße Tassen oder praktische Mehrwegbecher bereit. Alternativ kann man natürlich auch seinen eigenen Becher von Zuhause mitbringen. „Anfangs gab es noch ein paar Bedenken, da die Cafeteria ja über keine Küche verfügt, in der die Tassen gespült werden können“, erklärt Christoph Bördlein, Dozent für verhaltensorientierte Handlungslehre. „Das Problem konnte allerdings gelöst werden: Jeden Abend werden die benutzten Tassen in die Küchen im Studentenhaus gebracht und dort gespült“.

Positive Rückmeldung

Veronika Frank ist auch sehr zufrieden mit dem Ausgang ihres Projektes: „Anfangs wurden wir bei unserer Aktion, die Becher aus den Tonnen zu fischen, eher belächelt. Aber unser Ziel, mit den Leuten über das Thema ins Gespräch zu kommen, hatten wir schon da erreicht. Jetzt wo die Tassen tatsächlich eingeführt wurden, sind aber alle Rückmeldungen, die wir bekommen, durchweg positiv“. Auch Katja Klein, Pressereferentin der FHWS ist eine positive Veränderung im Hochschulbild aufgefallen: „Ich sehe immer mehr Studierende und Mitarbeiter mit den Tassen oder ihren eigenen To-Go-Bechern an den Kaffeeautomaten. Ich persönlich finde den Wechsel weg vom gewachsten Papierbecher hin zu Bechern, die man immer wieder verwenden kann, klasse und im Zuge des Umweltschutzes dringend angebracht“.

Übergreifende Modelle für ganz Deutschland

Aber auch außerhalb von Hochschulen haben sich solche Konzepte schon durchgesetzt. So bekommt man bei den lokalen Würzburger Bäckereien „Webers“, „Rössner“ und „Köhlers Vollkornbäckerei“ bereits Mehrweg-Becher, die in jeder Filiale wieder aufgefüllt und zurückgegeben werden können.

Das Unternehmen RECUP hat zudem ein ähnliches, städteübergreifendes Prinzip entwickelt: Unter dem Slogan „Return. Reuse. Recycle.“ können Mehrweg-Becher in verschiedenen Lokalitäten deutscher Städte wieder aufgefüllt oder zurückgebracht werden. Die Idee kommt an: Startete das Unternehmen 2013 lediglich in Rosenheim, gehören heute schon 6 weitere Städte zu den Teilnehmern. Tendenz steigend. Wäre so etwas vielleicht auch eine Idee für Würzburg?

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