Festung Marienberg. Foto: Pascal Höfig
Festung Marienberg. Foto: Pascal Höfig

Moin.. äh Servus – Ein norddeutscher Blick auf Würzburg

Gastbeitrag von Silke Albrecht.

Es sind die kleinen Dinge, die eine Stadt ausmachen. Oft bemerkt man sie erst, wenn man als Fremder kommt, oder lange fort war. Darum schreibe ich hier über Dinge, die den Franken wohl eher alltäglich erscheinen. Übrigens: Man beachte und rechne es mir hoch an, dass ich Franken, nicht Bayern, schreibe. Denn so würden 95 Prozent der Norddeutschen die Würzburger wohl bezeichnen.

Berge

Ich wurde schon oft gerügt, die Hügelchen in Würzburg nicht Berge zu nennen. Aber bei uns zuhause ist der höchste Berg zehn Meter hoch und heißt Deich. Außerhalb der Stadt kann man so weit über das platte Land gucken, dass man fast die Rundung der Erdkugel erkennen kann. Kommt man also wie ich aus Bremen, bedeutet jede noch so kleine Steigung eine Herausforderung für Körper und Geist.

Nach meiner ersten Bergbezwingung auf dem Weg zur Festung, muss ich den Bergen allerdings lassen, dass sie den tapferen Bergsteiger grandios belohnen. Wer schon einmal den Sonnenuntergang vom Hubland gesehen hat oder die bunten Hänge am Käppele im Herbst, der kann den Bergen gar nicht mehr böse sein. Es sei denn, er ist mit dem Fahrrad unterwegs.

Fahrräder

Als ich nach Würzburg gezogen bin, ist mir eins direkt ins Auge gefallen: Hollandräder scheinen hier vollkommen unbekannt zu sein. Im Norden nennt mindestens jeder zweite im fahrradfähigen Alter ein Exemplar sein Eigen. Meine Theorie hierzu ist, dass das Hollandrad aufgrund der Berge einfach unpraktisch ist. Der schwere Rahmen und die sehr aufrechte bis leicht nach hinten geneigte Sitzposition sind auf lange, flache Strecken ausgelegt, wie es sie nun mal in Holland gibt.

Der Würzburger hingegen scheint ein windschnittigeres Modell zu bevorzugen. Vor allen die Damenräder sind oft im Retrostil gehalten, haben zwei parallele dünne Querstangen und einen recht stark gebogenen Lenker. Schlussfolgert man nach Darwins Evolutionstheorie, ist diese Art Rad anscheinend am besten an die örtlichen Gegebenheiten angepasst: Kurze Wege mit der ein oder anderen Steigung.

Bier

Bremen ist sehr stolz auf sein Bier. Beck’s wird eigentlich schon aus Prinzip getrunken, alternativ greift man auf kleine Stadtteilmarken zurück. Eines haben alle diese Biere gemeinsam: Sie sind relativ herb. Darum kam es für mich einer Erleuchtung gleich, als ich das erste Mal ein „Helles“ probiert habe. Wie kann es sein, dass dieses Bier noch nicht die Welt erobert hat? Es mag mein persönlicher Geschmack sein, aber ein viel weniger bitteres Bier mit dem gleichen Alkoholgehalt? Wie geil ist das denn?

In die Hall of Fame der großartigen Bierideen gehört auch der „Russ“, quasi ein Weizenradler. Love it! Ein neuer Begriff in der Bierkunde war für mich auch der „Schnitt“. Hier habe ich das Konzept allerdings noch nicht ganz durchblickt. Ich glaube es handelt sich einfach um ein Bier, das zur Hälfte aus Schaum besteht.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT