Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig
Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig

Asylbewerberneuzugang 2017 in Unterfranken deutlich zurückgegangen

Die Zahl der in Unterfranken in staatlichen Unterkünften untergebrachten Asylbewerber (derzeit aus 53 Nationen; allein in der Gemeinschaftsunterkunft in Würzburg sind aktuell 34 Nationen untergebracht) ist im Jahresvergleich zum Vorjahr – entsprechend dem bundes- und landesweiten Trend – erneut deutlich zurückgegangen.

Zahlen gesunken

Waren am 15. Januar 2017 rund 11.200 Asylbewerber in Unterfranken in staatlichen Unterkünften untergebracht, so sind es heute noch rund 7.750 Flüchtlinge (Erst- und Anschlussunterbringung ohne unbegleitete minderjährige Asylbewerber, aber einschließlich Fehlbeleger = Flüchtlinge, die bereits ein Bleiberecht besitzen – Datenbestand der Anschlussunterbringung vom 31.12.2017, Datenbestand Erstunterbringung vom 08.01.2018). Neben der sprachlichen Integration, der Beschulung und der sukzessiven Einbindung der anerkannten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, stellt weiterhin die Schaffung und Bereitstellung von ausreichendem Wohnraum für die inzwischen anerkannten Flüchtlinge eine vorrangige Aufgabe dar.

Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt

Die Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt hat zum 01.07.2015 ihren Betrieb aufgenommen. Aktuell liegt die Kapazität auf dem Gelände der Ledward-Barracks bei 1.460 Plätzen. Im Jahr 2017 wurden über die Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt 2.222 Asylbewerber erstaufgenommen. Im gesamten Jahr 2016 waren es 3.392 Asylbewerber, allein im zweiten Halbjahr 2015 sogar noch 16.521 Asylbewerber. Der aufnahmestärkste Monat des Jahres 2017 war der Monat Juli mit 305 Personen, gefolgt vom Monat November mit 287 Personen.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Aktueller Stand

Zum aktuellen Stand (8. Januar 2018) sind in der Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt 433 Personen untergebracht (zum Vergleich: am 15. Januar 2017 waren es 308 Asylbewerber). Davon sind aktuell 17 sogenannte Fehlbeleger (auszugsberechtigte anerkannte Asylbewerber). Die Belegungsquote in der Erstunterbringung beträgt aktuell 29,6 %. Die Aufnahmeeinrichtung Schweinfurt ist seit 1. Juli 2017 für folgende Schwerpunktländer zuständig: Elfenbeinküste, Algerien, Somalia und Armenien. Die frühere Zuständigkeit für Afghanistan ist zum 01.07.2017 entfallen.

Ende Dezember 2017 ergab sich in der Erstunterbringung (Aufnahmeeinrichtung) folgende prozentuale Länderverteilung bezogen auf 409 untergebrachte Personen: Elfenbeinküste 42,3 %, Armenien 25,6 %, Somalia 15,6%, Algerien 12,4%, Afghanistan und Republik Serbien jeweils 0,73%, Rest sonstige Staaten und Staatenlose.

Anschlussunterbringung

(Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung bzw. dezentrale Unterbringung durch die Kreisverwaltungsbehörden):

In den aktuell 44 Gemeinschaftsunterkünften bzw. Teilgemeinschaftsunterkünften der Regierung wohnten am 31.12.2017 insgesamt 3.502 Personen. Zu den in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Personen kamen 3.824 Personen in 379 dezentralen Einrichtungen in der Unterbringungszuständigkeit der Kreisverwaltungsbehörden.

Bezogen auf die Gesamtzahl an untergebrachten Asylbewerbern (einschließlich Fehlbeleger) von 7.326 Personen zum Jahresende 2017 (davon 2.322 Personen minderjährig) sind dies 3.588 Personen weniger als vor einem Jahr (Ende 2016: 10.914 zentral und dezentral untergebrachte Personen, Ende 2015: 11.871, Ende 2014: 4991, Ende 2013: 2701, Ende 2012: 1865, Ende 2011: 1608, Ende 2010: 1289 Personen), was einem deutlichem Rückgang der in der Anschlussunterbringung in Unterfranken befindlichen Asylbewerber entspricht.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Zahl der Fehlbeleger gleich geblieben

Von den 7.326 untergebrachten Personen in der Anschlussunterbringung waren zum Jahresende rund 1/3 Fehlbeleger (2.497 Personen). Das Verhältnis untergebrachte Personen zu Fehlbelegern ist insoweit in den letzten 12 Monaten etwa gleich geblieben.
Die Zahl der zur Anschlussunterbringung neu nach Unterfranken zugewiesenen (und hier untergebrachten) Asylbewerber fiel 2017 deutlich auf 1.551 Personen (Vorjahre 2016: 5.480, 2015: 8580, 2014: 3769, 2013: 1831, 2012: 922, 2011: 810 und 2010: 751 sowie 2009: 343 Personen). Dies sind 3.929 Personen weniger als im Vorjahr, was nicht ganz dem Stand des Jahres 2013 entspricht.

Hauptherkunftsländer

Die 11 Hauptherkunftsländer der Asylbewerber/Fehlbeleger in der Anschlussunterbringung (insgesamt sind 53 Länder vertreten) waren zum Stand 31.12.2017 (in Personen):

  • Afghanistan (2383),
  • Syrien (1373),
  • Ukraine (652),
  • Äthiopien (594),
  • Somalia (523),
  • Russland (252),
  • Armenien (250),
  • Aserbaidschan (206),
  • Irak (147),
  • Pakistan (111),
  • Iran (101).

Umsteuerung

Die Regierung von Unterfranken hat den geänderten Zugangszahlen auch in der Anschlussunterbringung bereits seit Jahresmitte 2016 Rechnung getragen (Stichwort: Umsteuerung). Zielrichtung der bayernweiten Umsteuerung ist die Verlagerung der Asylbewerberunterbringung von den vielen kleineren dezentralen Unterkünften zurück in größere Gemeinschaftsunterkünfte. Dadurch soll die Asylbewerberunterbringung insgesamt wirtschaftlich und organisatorisch optimiert werden. Oberstes Gebot ist dabei ein Handeln mit Augenmaß unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten. Bei entsprechender Eignung prüfen die Kreisverwaltungsbehörden zum Beispiel die Umwandlung dezentraler Unterkünfte als künftige Wohnungen für anerkannte Asylbewerber.

Neue Gemeinschaftunterkünfte

Während die Regierung von Unterfranken im Jahr 2016 noch 9 größere Gemeinschaftsunterkünfte in Betrieb genommen hat, wurden im vergangenen Jahr zwei kleinere Teilgemeinschaftsunterkünfte in bestehende Einrichtungen integriert bzw. in ein Übergangswohnheim umgewandelt (in Ebern und Schweinfurt). Allerdings sind auch zwei neue Gemeinschaftsunterkünfte in Betrieb gegangen. Die Gemeinschaftsunterkunft Bessenbach (Landkreis Aschaffenburg), die vormals vom Landkreis als dezentrale Unterkunft betrieben wurde, nahm nach Umwandlung Mitte Februar 2017 mit 45 Plätzen ihren Betrieb auf. Die Gemeinschaftsunterkunft für besonders schutzbedürfte Personen bei den Erlöserschwestern in Würzburg mit einer Kapazität von bis zu 60 Personen wurde Anfang Dezember 2017 in Betrieb genommen.

Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig

Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Veitshöchheimer Straße. Foto: Pascal Höfig

Die Zahl der dezentralen Unterkünfte in der Zuständigkeit der Kreisverwaltungsbehörden wurde mit nunmehr noch 379 Unterkünften zum Jahresende 2017 erneut deutlich zurückgefahren (Anfang 2017 noch 659 dezentrale Unterkünfte). Ein weiterer Abbau ist sukzessive geplant. Die Zahl der in dezentralen Unterkünften untergebrachten Personen ging entsprechend von 7.241 Personen zum Jahresanfang 2017 auf 3.824 Personen zum Jahresende 2017 ebenfalls deutlich zurück. Zum Vergleich: Im April 2016 waren insoweit noch 10.558 Asylbewerber dezentral untergebracht (damaliger Höchststand).

Unbegleitete minderjährige Asylsuchende

Unter unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden versteht man alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die ohne Begleitung nach Deutschland einreisen und für die sich weder Personensorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten. Die Inobhutnahme und Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger obliegen den Jugendämtern (Stadt- und Kreisjugendämter).
Auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden ist im Jahr 2017 deutlich zurückgegangen. Zum Stand 01.01.2017 waren in Unterfranken noch 721 unbegleitete Minderjährige untergebracht (einschließlich junger Erwachsener mit entsprechendem Bedarf). Ende des Jahres 2017 waren es dagegen nur noch 526 Personen.

Asylbewerberzugang in Deutschland Bayern

Die Zahl der neu ankommenden Asylbewerber in Deutschland und Bayern ist 2017 insgesamt deutlich rückläufig. Im Jahr 2017 wurden nach Berechnungen des Bundes bis einschließlich Ende November 2017 rund 172.700 asylsuchende Menschen in Deutschland neu registriert. Bayern hat davon nach einem bundesweiten Verteilungsschlüssel – dem Königsteiner Schlüssel – rund 15% der asylsuchenden Menschen aufzunehmen.

Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Heidingsfeld. Foto: Pascal Höfig

Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Heidingsfeld. Foto: Pascal Höfig

Hintergründe

Bei der Asylbewerberunterbringung ist zwischen der Erstunterbringung und der Anschlussunterbringung zu unterscheiden.
Die Erstunterbringung erfolgt in der Regel durch Aufnahmeeinrichtungen, die in Bayern von den Bezirksregierungen betrieben werden. Jede Bezirksregierung in Bayern verfügt über entsprechende Aufnahmeeinrichtungen. Asylbewerber sind grundsätzlich verpflichtet, bis zur Entscheidung über den Asylantrag längstens bis zu 24 Monaten in Erstunterbringungseinrichtungen zu wohnen.

10,2 % aller Asylbewerber in Bayern

Nach der Asylantragstellung bis zum Ende des Asylverfahrens (Zuständigkeit Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) erfolgt die Unterbringung baldmöglichst in der Anschlussunterbringung (aktuell grundsätzlich in die Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung bzw. früher auch in die dezentrale Unterbringung durch die Kreisverwaltungsbehörden). Unterfranken hat dabei 10,2% der nach Bayern zugewiesenen Asylbewerber im Wege der Anschlussunterbringung zu übernehmen. Die Zuweisung auf die einzelnen Regierungsbezirke erfolgt in Bayern durch den Landesbeauftragten in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf.

Kosten

Die Kosten der Asylbewerberunterbringung trägt – unabhängig von zentraler oder dezentraler Unterbringung – der Freistaat Bayern mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration auf der Grundlage des vom Bayerischen Land- tag beschlossenen Staatshaushalts.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer dankt erneut den vielen sozial engagierten Institutionen und Einrichtungen und den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich für die Belange der untergebrachten Asylbewerber einsetzen und damit die gemeinsame Sorge für die bei uns zu betreuenden Asylbewerber ernst nehmen.

Aktuelle Zahlen zur Asylbewerberunterbringung in Unterfranken können auch im Internet abgerufen werden. Die Zahlen werden laufend aktualisiert.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Regierung von Unterfranken.

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