Der Bahnhof im Jahre 1916. Archiv: Willi Dürrnagel
Der Bahnhof im Jahre 1916. Archiv: Willi Dürrnagel

Würzburger Eisenbahngeschichte

Gastbeitrag von Willi Dürrnagel.

Am Würzburger Hauptbahnhof tut sich zur Zeit viel: Die alten Pavillons wurden abgerissen und dafür sollen jetzt neue gebaut werden. Die Bahnsteige und -gleise werden erneuert: Dem Projekt „Barrierefreier Bahnhof“ der Deutschen Bahn bis 2021 steht nichts mehr im Wege. Die ganzen aktuellen Bauprojekte entfachen vielerlei Diskussionen unter den Würzburgern. Aber wie hat sich der Würzburger Bahnhof zu dem entwickelt, was er heute ist? Eine kleine Eisenbahngeschichte von Willi Dürrnagel.

Würzburg als Bauerndorf?

Die „Würzburger Eisenbahngeschichte“ begann 1841: Der Würzburger Magistrat bewarb sich in München um einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Notfalls wollte man eine Eisenbahn mit Privatkapital bauen. In der Petition wird argumentiert: „Wenn man nicht eifrig sei, so würde Würzburg von den Bahnen umgangen und zu einem Bauern- und Häckersdorf herabsinken“.

Platz für den Bahnhof

1844 wurde in München beschlossen, die Strecke München-Augsburg-Nürnberg nach Würzburg zu verlängern. In Würzburg musste nun ein Platz für den Bahnhof gefunden werden. Obwohl manche Bürger es für günstiger hielten, den Bahnhof im Vorgelände der Befestigung anzulegen, entschied das Kriegsministerium, den Bahnhof innerhalb der Befestigung als Kopfbahnhof anzulegen (etwa da wo sich nun das Mainfrankentheater Würzburg befindet). Damit wurde die Voraussetzung für die spätere Erschließung der Ludwigstraße geschaffen.

Wachsender Verkehr

Am 1. Juli 1854 eröffnete König Ludwig von Bayern die Ludwigswestbahn bis Würzburg und gegen Ende des Jahres erfolgte die Fertigstellung der Aschaffenburger Linie bis Frankfurt. Aber schon nach wenigen Jahren reichten die beengten räumlichen Verhältnisse des Bahnhofes für den stetig wachsenden Verkehr kaum mehr aus.

Neuer Bahnhof

Nach Aufhebung der Festungseigenschaft von Würzburg rechts des Maines 1856 wurde der Weg für einen neuen Bahnhof außerhalb der Stadtbefestigung frei. Der gewählte Platz befand sich im Norden der Stadt zwischen Schalksberg und Stadtbefestigung. Erst der Erwerb der Festungswerke im Jahre 1868 machte es der Stadt möglich, die Wälle abzutragen und die Gräben zu füllen.

Zum Bahnhof auf Umweg

Den neuen Bahnhof, der 1865 in Betrieb genommen wurde, konnten die Würzburger zunächst nur auf Umwegen erreichen, durch das Pleichertor (etwa beim heutigen Congress-Centrum) oder durch das auf der anderen Seite fast ebenso weit entfernte Neutor (etwa jetzige Neutorstraße). Hinter dem Wall, der dem neuen Bahnhof gegenüberlag, zog die Teufelstorgasse, benannt nach einem schon Jahrzehnte vorher niedergelegten alten Tore der Vorstadt, bis zur Pfarrkirche Stift Haug. Man verlegte im Jahre 1866 den auf diesem Wallteil stehenden Wasserturm, stieß den Wall in Straßenbreite durch, füllte den davor liegenden Graben auf, benannte den neuen Straßenzug und die anschließende ehemalige Teufelstorgasse in Bahnhofstraße um, und der so dringend erforderliche Zugang von der Stadt zum Bahnhof draußen war geschaffen.

Die Ostseite des Bahnhofs in 1904. Archiv: Willi Dürrnagel

Der Hauptbahnhof mit Kiliansbrunnen in 1906. Archiv: Willi Dürrnagel

Ansichtskarte mit Hauptbahnhof in 1907. Archiv: Willi Dürrnagel

Der Bahnhof im Jahre 1916. Archiv: Willi Dürrnagel

Der Kaiserplatz in 1920. Archiv: Willi Dürrnagel

Alter Bahnhof im Hauger Viertel im Jahre 1935. Archiv: Willi Dürnagel

Der Bahnhofsvorplatz in 1946. Archiv: Willi Dürrnagel

Im Bahnhofsgebäude in 1954. Archiv: Willi Dürrnagel

Alter Bahnhof in 1958. Archiv: Willi Dürrnagel

Der Durchstich zum Bahnhof. Archiv: Willi Dürrnagel

Ringpark

Ein Besucher unserer Stadt, der nach 1869 den Hauptbahnhof verließ, stand zunächst in einem Teil des Ringparkes. Erst als einige Jahre später die Kaiserstraße angelegt wurde, fällte man die Bäume und legte zur Stadt hin einen gepflasterten Platz an, in dessen Mitte ein überdimensionaler Gaskandelaber stand. Er wurde 1895 durch den Kiliansbrunnen ersetzt, den Prinzregent Luitpold gestiftet hatte, der 1821 in der Würzburger Residenz geboren wurde.

Frankonia-Brunnen

Bei einem der Enthüllung des Frankonia-Brunnens auf dem Residenzplatz folgenden Besuch des Prinzregenten am 5. Juni 1894 im Rathause verkündete der Regent zur Erinnerung an seinen Aufenthalt, einen Brunnen auf dem Bahnhofplatz errichten zu lassen.

Brunnen auf Bahnhofsplatz

Dieses Geschenk wurde am 8. Juli 1895 im Beisein des Regenten enthüllt. Die Bauleitung dieses Brunnens hatte Stadtbaurat Peter Bernatz inne, von dem auch der Entwurf stammt, die krönende Figur des hl. Kilian ist von Bildhauer Balthasar Schmidt modelliert und von Erzgießer F. von Miller in München gegossen. Aus dem unteren Brunnenbecken strebt ein vierseitiger Sockel empor, der auf der östlichen und westlichen Seite Reliefbilder von Schifffahrt und Weinbau zeigt; auf der Nordseite steht die Widmung: „Seiner lieben Geburtstadt zur Erinnerung an die unvergesslichen Tage im Jahre 1894“, auf der Südseite sind die Worte angebracht, welche der Regent bei seinem Besuch in dem Würzburger Rathaus 1894 in das goldene Buch der Stadt eintrug: „In Treue fest ist mein Wahlspruch. Fest baue ich auf die Liebe und Treue meiner lieben Franken. Luitpold, Prinzregent von Bayern.“

Erzfigur des hl. Kilian

Über dem Sockel erheben sich um den runden Schaft zwei mächtige Wasserschalen. Die gesamte Architektur ist aus karrarischem Marmor gefertigt. Die Krönung bildet die Erzfigur des hl. Kilian. Der hl. Kilian hat vor allen im Frankenlande das Kreuz errichtet. Darum hält er das Kreuz auf seinem Wanderstab befestigt, während er mit der Rechten den Segen über Würzburg und das Frankenland erteilt. Der Heilige trägt das priesterliche Gewand mit der Bischofsmitra, wie ihn die ältesten Darstellungen bis zum 11. Jahrhundert gebildet haben. Die Figur musste 1943, zusammen mit vielen Kirchenglocken, den Weg zu Schmelze nach Hamburg antreten, überlebte aber den Krieg und kehrte 1949 an ihren Platz zurück.

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