Simone Kurz, ehrenamtliche mitarbeiterin bei Trans-Ident. Foto: Pascal Höfig
Simone Kurz, ehrenamtliche mitarbeiterin bei Trans-Ident. Foto: Pascal Höfig

Simone erzählt von ihrem Weg vom Mann zur Frau

Simone Kurz ist transsexuell und wurde als Mann geboren. Schon in ihrer Kindheit wurde ihr von der Oma gerne mal das Sonntagskleidchen angezogen. Im Jugendalter hat sie die Strumpfhose ihrer Tante gemopst und mit 20 trug sie heimlich Frauenkleider. Mit 50 outete sie sich dann letztendlich als transsexuell. Was sie war, wusste sie lange Zeit nicht, nur dass sie anders ist als andere.

Was ist Transsexualität?

Wahrscheinlich für viele noch immer ein heikles Thema, über das nicht oft gesprochen wird – Transsexualität. Doch was versteht man eigentlich genau darunter? „Transsexuell ist kurz gesagt ein Mensch, der sich im falschen Körper befindet“, erklärt Simone. Das Internet und der Duden liefern natürlich noch unzählige Definitionen darum herum. 

Weg zwischen Geschlechtern

Bereits in ihrer Kindheit und Jugend war für Simone klar, dass sie anders ist. Sie konnte sich allerdings nicht erklären, was der Grund dafür war. „Irgendwann hatte ich nur noch Depressionen, schwere Depressionen, die immer schlimmer wurden.“ Sie fühlte sich falsch und unwohl in ihrem eigenem Körper. „Was bin ich eigentlich? Bin ich verrückt? Gehöre ich eingewiesen?“ waren tägliche Fragen, mit denen sie sich in dieser Zeit auseinander setzte. Irgendwann kam der Punkt, an dem Simone nicht mehr konnte. „Man realisiert, dass man Hilfe braucht“. Also hat sie ihren Hausarzt aufgesucht, der sie dann schließlich an eine Psychologin verwies.

Wie ging es weiter?

Simone bekam 20 Wochenstunden á 50 Minuten Therapie verschrieben. Natürlich konnte sie sich nicht sofort öffnen. „Fünf Sitzungen hat es gebraucht“. Irgendwann begann sie dann, der Psychologin davon zu erzählen, dass sie sich gerne heimlich Frauenkleider anzog. „Die therapeutische Unterstützung brachte mir viel und hat mich gefestigt“, so Simone.

Doch bevor Simone mit ihrer Hormontherapie beginnen konnte, musste sie zuerst einen 1-jährigen „Alltagstest“ als Frau absolvieren. Hier geht es zum Beispiel bei einer Transfrau darum fortan mit weiblichem Namen, in „typische weiblichem“ Erscheinungsbild und Verhalten in ihrem Privat- und Berufsleben aufzutreten. Danach konnte die Behandlung starten. Sie ließ ihren Namen ändern und legte einen OP-Termin für eine Geschlechtsangleichung fest.

Hormonbehandlung 

Was hat sich durch die Hormonbehandlung alles verändert? Simone strahlt: „Die Haut wird weicher, wirklich ganz weich. Die Psyche stabilisiert sich. Alles an einem wird eben fraulicher. Man wird auch richtig zickig manchmal. Man fühlt sich schnell angegriffen und denkt nicht mehr so rational“, erzählt Simone.

„Bei Frauen hingegen verhält sich das Ganze anders. Sie werden oftmals aggressiver, ihre Stimme wird tiefer und ihnen wächst ein Bart“, berichtet sie. Hormone haben eine sehr intensive Wirkung. Verabreicht werden können sie während der Therapie durch Pflaster, Tabletten oder Spritzen.

Doch hormonelle Nebenwirkungen können schon nicht ohne sein und bergen durchaus Risiken. Sie gleichen denen der Anti-Baby-Pille. Das wichtigste ist, die richtige Dosierung zu finden. „Eine zu hohe Dosierung kann die Nebenwirkungen verstärken oder eine gegenteilige Wirkung hervor rufen“, warnt Simone.

Wie aus Herrn Kurz Frau Kurz wurde

2013 entschied Simone sich schließlich für eine Geschlechtsumwandlung. Operieren ließ sie sich damals in Frankfurt. „Das ganze dauerte 3,5 Stunden und verlief ohne Komplikationen“, lächelt sie zufrieden. Nach der Operation war Simone quasi ein neuer Mensch: „Ich bin aufgewacht und habe mich pudelwohl gefühlt“, strahlt Simone. Sie sei befreit gewesen und hat sich angekommen gefühlt. „Es war ein riesen Unterschied in meinem Kopf. Ich hatte keine Schmerzen und nach neun Tagen wurde ich auch schon aus der Klinik entlassen – damals hat dann nur noch die Brust gefehlt“, erzählt sie rückblickend.

Thema Mobbing

Und wie sah es eigentlich mit dem Thema Mobbing aus? „Direkt nach dem Outing wurde man schon oft dumm angeschaut. Die ersten 14 Tage war meine Transsexualität ein dickes Gespräch im Dorf (Simone stammt aus Lauda, Anm.d.Red.). Die Leute haben mich abfällig angeschaut, wenn ich zum Beispiel einkaufen war. Letztendlich glaube ich aber, dass ich mir mehr eingebildet habe, als es tatsächlich war. Blöd angepöbelt wurde ich aber nie. Mit der Zeit wird man immer sicherer, man denkt sich dann irgendwann nur noch, dass jeder vor der eigenen Haustür kehren sollte.“

Selbsthilfegruppe Trans Ident

Simone geht seit ihrem Outing recht offen mit ihrer Transsexualität um. Seit mehreren Jahren ist sie sogar Außendienstmitarbeiterin bei der Selbsthilfegruppe Trans Ident in Würzburg. Hier diskutiert sie oft mit anderen Transsexuellen über verschiedene Themen.

Alle Infos zu Trans Ident Würzburg

Auf die Frage hin, wie offen andere Menschen mit ihrer Transsexualität umgehen, sagt Simone: „Die meisten Leute verheimlichen sie. Sie haben Angst, weil sie Verantwortung tragen: Eine wichtige Arbeitsposition, Familie oder Kinder haben. Früher ist fast niemand mit seiner Transsexualität an die Öffentlichkeit gegangen.“  Heute ist das anders: Mittlerweile outen sich ungefähr ein Drittel der Transsexuellen in Deutschland. Die Tendenz ist steigend.

Die steigende Akzeptanz in der Gesellschaft liege an den Medien – die Zeitung, das Fernseher oder Filme berichten darüber, so Simone. „Dadurch gewöhnen sich die Menschen daran.“

Wenn das Kind transsexuell ist

Wie gehen nun Eltern mit der Transsexualität ihres Kindes um? „Eltern sind eben Eltern. Die meisten wünschen sich irgendwann Enkelkinder,“ sagt Simone vorweg. Simones Eltern sind verstorben, bevor sie sich outen konnte. Deshalb konnte sie keine eigene Erfahrung machen. „Manche reagieren mit Ablehnung, wollen nichts mehr vom eigenen Kind wissen und distanzieren sich. Andere hingegen wollen es nicht akzeptieren, verleugnen es und deklarieren das ganze als eine Phase. Aber es gibt auch Eltern, die positiv damit umgehen, ihr Kind eben so akzeptieren wie es ist. Tendenziell kann man sagen, dass umso jünger der Elternteil ist, umso mehr Akzeptanz für dieses Thema da ist.“

Transsexualität in der Arbeitswelt

Probleme am Arbeitsplatz kann es überall mal geben. Doch wie reagieren Vorgesetzte und Arbeitskollegen darauf, wenn sie auf einmal keinen Kollegen mehr, sondern eine Kollegin vor sich haben? „Das ist meistens abhängig vom Berufsfeld. Ein Bürojob ist zum Beispiel geschlechterunabhängig. Es gibt aber auch Berufe, auf dem Bau zum Beispiel, die werden meistens nur von Männern ausgeübt. Simone war selbst Baggerfahrerin und kann deshalb aus Erfahrung berichten. Wenn nun ein Mann zu einer Frau wird, kommt das Problem auf, dass sich die Firma komplett umstrukturieren muss: Neue WC und Umkleideräume für Frauen müssen gebaut werden. Das kann eine kleine Firma finanziell nicht tragen. Deshalb kann es dazu kommen, dass Arbeitgeber einen nicht mehr haben wollen und mit Ablehnung reagieren: Man bekommt Arbeit zugewiesen, für die man eigentlich nicht zuständig ist und auch Kollegen können anfangen, einen raus zu mobben.“

„Ich bin ich!“

Trotz ihrer Transsexualität, erzählt Simone, hat sie ihren Körper nie gehasst. „Ich war nie ein Mann, aber trotzdem konnte ich meinen Körper nicht verleugnend. Ein Mann steckt auch trotzdem noch in mir drin. Ich bin ich – ich stehe zu mir – wie ich war und wie ich bin! Ändern kann ich jetzt nichts mehr. Ich fühle mich wohl in meinem Körper. Dabei hat mir die OP natürlich sehr geholfen.

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