Bei der Podiumsdiskussion. Foto: Barbara Duna
Bei der Podiumsdiskussion. Foto: Barbara Duna

Experten auf dem Podium: „Soll Cannabis legalisiert werden?“

So voll war der Hörsaal am Wittelsbacherplatz am Mittwoch schon lange nicht mehr: In der Podiumsdiskussion der Juso-Hochschulgruppe Würzburg am 29. November wurde heiß darüber diskutiert, ob Cannabis legalisiert werden sollte. Die Juso-Hochschulgruppe ist eher für eine Legalisierung. Es gibt jedoch immer zwei Seiten, die beide bei dieser Diskussion zu Wort kommen sollten. Im folgenden werden die Gäste der Podiumsdiskussion etwas genauer vorgestellt.

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf

Lehrstuhlinhaber für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik

Die Anzahl der Drogentoten steigt. Um dieses Problem in den Griff zu kriegen, ist Prof. Dr. Dr. Hilgendorf für eine intelligentere Regelung bei der Restriktion von Alkohol und Drogen. Denn es gibt verschiedene Personengruppen, die entweder mehr oder auch weniger gefährdet sind. Nach dem Grundgesetz ist der Mensch frei in seinem Tun. Alle Einschränkungen müsste der Staat begründen können. Dies kann er bei der Personengruppe, die verantwortungsvoll mit Drogen umgeht, eben nicht. Deswegen ist Prof. Hilgendorf einer Legalisierung nicht abgeneigt.

Matthias Weber

Leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums Unterfranken

Für Matthias Weber spielt die Strafverfolgung neben der Prävention eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Drogen. Er meint, dass Drogenkonsumenten wach gerüttelt werden, wenn auf sie eine Strafverfolgung zukommt. Er sieht vor allem das Problem, dass es auch bei einer Legalisierung immer einen illegalen Markt für z. B. Jugendliche geben wird. In Würzburg beobachtet er mehr Autofahrten unter Drogeneinfluss als unter Alkoholeinfluss. Allerdings ist die Unfallquote unter Alkoholeinfluss wesentlich höher als die unter Drogeneinfluss.

Dr. med. Claudia Löffler

Fachärztin vom Uniklinikum Würzburg

Für Dr. Claudia Löffler ist ganz wichtig, dass Cannabis nicht der „heilige Gral“ ist: Bei manchen Patienten funktioniert die Schmerztherapie, bei vielen aber nicht. Es muss noch viel geforscht werden, um die Patienten besser einschätzen zu können. Medizinisch gesehen, kann Cannabis abhängig machen und zu psychischen Problemen führen. Außerdem können bei jungen Menschen bis 20 Jahre irreversible Schäden im Gehirn entstehen. Zur Entspannung entscheidet sich Frau Dr. Löffler lieber für Schokolade als für einen Joint.

Jan Ingensiep

Gründer der Initiative „Sozis für Cannabis-Legalisierung“

Jan Ingensiep kifft schon seit er 14 ist. Seiner Meinung nach ist nur ein geringer Anteil der Konsumenten wirklich gefährdet durch Cannabis. Er selbst pflegt einen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis. Er sieht ein großes Potential in diesem Stoff: Cannabis kann Schmerzpatienten helfen. Seiner Meinung nach, könnte eine Legalisierung in sehr vielen Jahren möglich sein, wenn der Druck der Lobby noch größer wird. Er bevorzugt ein System mit Coffeeshops, wie es in den Niederlanden vorherrscht. Die Steuer, die dann auf Cannabis bei einer Legalisierung entfällt, kann dann in die Prävention, also die Aufklärung über den Drogenkonsum, gesteckt werden.

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