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Zieleinlauf beim Worlds Toughest Mudder. Foto: Stephan Schüppel
Zieleinlauf beim Worlds Toughest Mudder. Foto: Stephan Schüppel

Würzburger beim härtesten Hindernislauf in Las Vegas

Gastbeitrag von Lukas Storath.

Es ist vorbei! Platz 3 im National Team Relay (4er Team) und unser Zweierteam hat es nach Platz 2 und 4 in 2015 und 2016 ebenfalls geschafft: Sie sind 2017 Weltmeister in einer Schlacht durch die Wüste geworden!!

Der 24h Worlds Toughest Mudder in Las Vegas ist der härteste Event, wenn es um Hindernisläufe geht. Die Länge, die Kälte, die Temperaturunterschiede, die anspruchsvollen Hindernisse, das Wasser, sowie Stromhindernisse und Klippensprünge versuchen den Willen Minute für Minute zu brechen.

Start beim Worlds Toughest Mudder, ganz links Lukas Storath. Foto: Stephan Schüppel.

Start beim Worlds Toughest Mudder, ganz links Lukas Storath. Foto: Stephan Schüppel.

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Zum dritten Mal hat sich das Team von Fit/One Getting Tough, neben ca. 1.600 weiteren Teilnehmern aus der ganzen Welt, der Herausforderung und der weltweiten Elite in diesem Sport gestellt. Die 8-Mann starke Truppe ging dieses Mal in zwei Kategorien an den Start. Das sogenannte „National Team Relay“ mit vier Läufern (Fabian Breitsamer, Lucas Kempe, Yannick Bolesch und Wahl-Würzburger Lukas Storath), welches den Kurs in einer Staffel absolviert und einem Zweierteam (Markus Ertelt und Felix Baiker), das dauerhaft gemeinsam auf der Strecke zusammenhalten muss.

Hinzu kommt: die anderen Teams haben das gleiche Ziel. Der größte Widerstand im Rennen kam seitens starker Teams aus Dänemark, Australien und den USA. Insgesamt 47 Zweierteams und 20 Viererteams, gegen die es sich zu behaupten gilt.

„Pit-Crew“

Zwei Teammitglieder werden als „Pit-Crew“ eingesetzt. Ein unglaublich wichtiger Part während des Rennens, der vom Kitzinger Stephan Schüppel und Lars übernommen wird. Diese beiden kümmern sich während des gesamten Rennens um die Verpflegung der Teams in der Wechselstation zwischen Start und Ziel. Ein Knochenjob. Alles muss innerhalb von wenigen Sekunden stimmen. Wechselklamotten, Essen, Trinken und ab in die nächste Runde. Nach den letzten beiden Jahren gab es für mein Team keine Experimente mehr, für mich war der Wettkampf in dieser Art und Weise Neuland und ich zog mir die nötigen Informationen aus ihrer Erfahrung.

Kilometer um Kilometer durch die Wüste. Foto: Stephan Schüppel

Kilometer um Kilometer durch die Wüste. Foto: Stephan Schüppel

Jeder weiß ungefähr was er braucht und verträgt. Die Verpflegung: ca. 1 Liter Wasser, 0,33 Liter Cola, Toastbrot mit Erdnussbutter und Erdbeermarmelade, ein Schokoriegel, Kohlehydratgel und Mineralstofftablette pro Runde waren die Regel.

Über die gesamte Dauer entsteht ein Energieverbrauch von 22.000-25.000 kcal. Das entspricht der Menge von ca. 40 Tafeln Schokolade. Es entsteht ein Defizit, welches sich selbst durch kontinuierliche Nahrungsaufnahme nicht annähernd ausgleichen lässt.

8 KM durch die Wüste

Das Event zählt im Bereich der OCR-Rennen (Obstacle course run) zu den weltweit anspruchsvollsten Wettkämpfen. Ein acht Kilometer langer Kurs (5 Miles) mitten in der Wüste von Nevada, ca. 45 Minuten von der Stadt Las Vegas entfernt, wird zum vierten Mal Austragungsort der Weltmeisterschaft. Die Strecke ist gespickt mit 21 Hindernissen pro Runde, welche den Läufern alles an Kraft, Ausdauer, Geschick und Mut abverlangt.

Meterlange Hangelhindernisse, klettern, kriechen, tauchen, schwimmen, ziehen, gegen dem Strom behaupten und zum Abschluss der Runde der Sprung von einer 13 Meter hohen Klippe ins Wasser. Wer ein Hindernis nicht schafft, muss in die Strafrunde. Insgesamt fast vier Kilometer pro Runde.

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Nach ein bis zwei Runden hätten die meisten Läufer hier wohl genug. Aber das Rennen geht über volle 24 Stunden. Von Samstag, 11.11.2017, 12 Uhr, bis 12 Uhr am 12.11.2017. Plus die Beendigung der vor 12 Uhr gestarteten Runde. Damit gehen selbst erfahrene Wettkämpfer in diesem Sport über jegliche Grenzen hinaus.

Tagsüber um die 30 Grad in der prallen Sonne, ab 17 Uhr geht die Sonne dann unter und die Temperatur fällt rapide auf unter 10 Grad. Als Schutz gegen die Kälte hilft nur ein Neoprenanzug. Anfangs laufe ich noch mit T-Shirt und kurzer Hose, sowie Kopf -und Mundschutz, um mich gegen die aggressive Sonne und den Staub zu schützen, ab 18 Uhr reicht das nicht mehr, die Bekleidung wird zunächst gegen einen dünnen, kurzen Neoprenanzug getauscht. Sonnenschutzfaktor 100 wird zur Pflicht.

Ein Hindernis in der Wüste. Foto: Stephan Schüppel

Ein Hindernis in der Wüste. Foto: Stephan Schüppel

Später müssen sich die Läufer mit einem vollen Triathlon-Neoprenanzug über die Strecke kämpfen. Bei mir blieb es bei der Kurzversion. In den Nachtstunden trug ich zusätzlich eine Neoprenjacke und ab und zu eine Neoprenhaube sowie Neoprenhandschuhe. Letztere mussten aber ständig an und ausgezogen werden, da hier durch das Material an den Händen deutlich an Griffkraft verloren wurde.

Durchhalten!

Kann so ein Rennen Spaß machen? Naja, vielleicht die ersten sechs bis sieben Stunden. Danach wird die mentale Stärke Minute für Minute an die Grenzen und weit darüber hinaus gebracht. Von den physischen Schmerzen mal abgesehen. Aber so schlimm die auch sein mögen, die Aussicht auf die Podiumsplatzierung nach gut 15 Stunden lässt uns Kämpfer durchhalten. Aber so gut sich das anhört, ab hier sind es noch immer ca. zehn Stunden, in denen alles offen ist. Eine kleine Unachtsamkeit, umknicken, abrutschen, die falsche Nahrungsaufnahme und das Rennen ist für uns alle vorbei. Wer länger als 30 Minuten bei den Sanitätern vor Ort verbringt ist raus.

Trotz Verletzung Vollgas

Wir machen in unserem Team folgendes aus: „Wer Probleme oder Verletzungen hat, behält es für sich, es sei denn die Teamkollegen könnten diese „beheben“. So startete ich bereits im Vorfeld mit einem Kapselriss im linken Finger und einer Entzündung in der linken Wade ins Rennen ohne es meinem Team zu sagen, es bringt nichts, sie dadurch mental zu schwächen. Ich dachte mir, mir wird sowieso bald alles so weh tun, dass ich diese Wehwehchen eh nicht mehr spüre – und so war es tatsächlich.

Abseilen von einer Klippe. Foto: Stephan Schüppel

Abseilen von einer Klippe. Foto: Stephan Schüppel

So begannen wir in einem von Beginn an sehr hohem Tempo, um bereits in den ersten Stunden den Vorsprung Meile für Meile auszubauen. Nach ca. 11 Stunden hatten wir einen Vorteil von ca. 3 Meilen (5 km) herausgelaufen und waren guter Dinge, diese Geschwindigkeit zu halten. Jedoch kommt es bei diesem Rennen nicht nur auf die Schnelligkeit und die Ausdauer an, jedes ach noch so kleine Detail muss in Erwägung gezogen werden. Vermutlich bekam mein Teammitglied Lucas, aufgrund falscher Nahrungsaufnahme, nachts heftige Magenprobleme und musste eine Runde pausieren bzw. dachte er zu diesem Zeitpunkt sogar daran, das Rennen nicht mehr zu Ende bringen zu können.

Rennstrategie durcheinander

Wir waren zwischenzeitlich etwas langsamer geworden und hatten gerade wieder ein Motivationshoch, als wir sahen, dass das Team aus Nordamerika in die Strafrunde geschickt wurde und wir ein Hindernis fehlerfrei meisterten. Die Nachricht von Lucas Magenproblemen erreichte uns gerade nach dieser Situation und zugleich waren wir wieder in einem „Loch“. Unser Betreuer fragte, wer eine Doppelrunde laufen kann, ich willigte widerwillig mit dem Wissen ein, dass die nächste Runde ohne ausreichende Versorgung extrem hart werden würde.

So konnte ich die Doppelrunde aufgrund extremer Schmerzen im Leistenbereich in einem nur sehr langsamen Tempo finishen, was zur Folge hatte, dass wir auf Platz 3 zurück geworfen wurden. Unsere komplette Rennstrategie war durcheinander und wir hatten große Probleme, wieder ins Rennen zu finden.

Eine 13 Meter hohe Klippe als Hindernis. Foto: Stephan Schüppel

Eine 13 Meter hohe Klippe als Hindernis. Foto: Stephan Schüppel

Meine einzigste Motivation war – neben der Familie und der unglaublich hohen Anzahl an Supportern aus aller Welt vor dem Laptop – das Essen in der Wechselzone und der Sonnenaufgang, doch zwischen 17:00 Uhr und 08:00 Uhr waren nahezu keine wärmenden Strahlen zu spüren. Ich wusste, wir müssen für unsere Familien und alle Supporter da draußen durchhalten und bis zur letzten Sekunde kämpfen. Die Rückendeckung von meiner Frau, meiner Familie, den Freunden und Bekannten war überwältigend. Die letzte Runde auf der Strecke wurde über unseren Livestream schließlich von mehr als 100.000 Zuschauern live verfolgt.

Bewusstlos im Wasser

Als ich mit meinem Teampartner mitten in der Nacht eines von insgesamt 350 Hindernissen überwinden wollte, stellte ich fest, dass Yannick kurzzeitig bewusstlos neben mir im Wasser lag. Er kroch nicht tief genug durch ein Wasserloch, so berührte er mit seinem Rücken die unter Starkstrom gesetzte Litze und war für einige Sekunden zum Schlaf gezwungen. Er konnte aber ohne nennenswerte Schmerzen das Rennen fortführen.

Mir ging es bei einem der zahlreichen Wasserhindernisse ähnlich. Als ich unter verschiedenen Rohren hindurchtauchte und meinen Kopf bei einem hervorragenden Balken anstieß, verlor ich ebenfalls kurzzeitig das Bewusstsein, wurde jedoch von meinem aufmerksamen Mitstreiter wieder über Wasser gehalten.

Über 210 km durch die Wüste zurückgelegt! Foto: Stephan Schüppel

Über 210 km durch die Wüste zurückgelegt! Foto: Stephan Schüppel

Im Verlauf des Rennens hat jeder mit Tiefpunkten zu kämpfen. Krämpfe, Bauchschmerzen, Schüttelfrost, Schürfwunden und Prellungen. Aber an Aufgeben ist nicht zu denken. Teamwork ist angesagt. Jeder hat Stärken und Schwächen, die gegenseitig ausgeglichen werden. Auch wenn ab und zu nur ein Tritt in den Hintern hilft, um den Partner wieder daran zu erinnern, was er zu tun hat und wofür er sich die letzten Monate Tag für Tag geschunden hat.

Harte Grenzerfahrung!

Wir sind zufrieden mit unserer Leistung, wobei jetzt, nach dem einige Tage vergangen sind, die Fehler, Schwächen und Umstände hier und da negativ aufstoßen. Es ist eine sehr harte Grenzerfahrung! Für mich geht es hier nicht nur um sportliche Ziele, sondern darum, sich noch besser kennenzulernen und alles, was man hat, noch besser schätzen zu lernen. Obwohl ich im Sport sehr ehrgeizig bin, kommt es im Leben nicht immer darauf an, der Beste zu sein. Es kommt meistens darauf an, wieviel man einstecken kann und trotzdem weitermacht, um seine Träume und Ziele zu verfolgen. Hier schöpfe ich sehr viel Kraft aus meinem
Glauben zu Gott und daraus, andere zu motivieren, dies auch zu tun.

Über 210 km zurückgelegt

Ich konnte mit meinem Team inkl. Strafrunden schließlich über 210 km zurücklegen. Nach einigen Tagen Erholung geht es mir nun schon viel besser. Einzig die Gelenke schmerzen noch etwas. Nun ist erstmal viel Ruhe angesagt. Jetzt freue ich mich, als Supporter am 02.12.2017 in Rudolstadt (Thüringen) beim härtesten Hindernislauf Europas „GETTINGTOUGH THE RACE“ an der 25 km langen Strecke zu stehen und die Teilnehmer anzufeuern und sie ins Ziel zu peitschen. Wer hier „extreme Luft“ schnuppern möchte kann sich gerne online informieren und anmelden. Wer uns weiterhin verfolgen möchte, kann dies gerne auf Facebook tun.

Keep on Training!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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