Landtagspräsidentin Barbara Stamm, bay. Gesundheitsministerin Melanie Huml & die Initiatoren. Foto: Michael Reinhard / Prostata Hilfe Deutschland
Landtagspräsidentin Barbara Stamm, bay. Gesundheitsministerin Melanie Huml & die Initiatoren. Foto: Michael Reinhard / Prostata Hilfe Deutschland

Hilfe bei Prostatakrebs

Die Prostata Hilfe Deutschland mit Sitz in Würzburg startet mit einem innovativen Konzept im Internet – Ein Gespräch mit den drei Gründern Dr. Knut Müller, Dr. Frank Schiefelbein und Michael Reinhard.

Regelmäßige Prostatavorsorge

Rund 65.000 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland an Prostatakrebs. Die meisten leiden darüber hinaus irgendwann an einer Prostatavergrößerung. Dennoch sind Männer regelrechte Mediziner-Meider. Aus Scham, aber auch aus Unkenntnis und Zeitmangel machen sie gerne einen großen Bogen um Arztpraxen. Nur jeder Vierte ab 45 Jahre zur Vorsorge. „Wir möchten mit unserem neuen Informationsangebot unter anderem dazu beitragen, dass sich das ändert“, sagt Knut Müller, einer der Gründer der Prostata Hilfe Deutschland.

Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Würzburg ist seit ein paar Tagen mit seinem Internet-Auftritt online. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml hat gemeinsam mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Webseite offiziell freigeschaltet. Wir haben mit den drei Würzburger Initiatoren Dr. Knut Müller, Dr. Frank Schiefelbein und Michael Reinhard über ihr Projekt gesprochen.

Wie kam es zu der Idee, die Prostata Hilfe Deutschland zu gründen?

Dr. Müller: Michael Reinhard und ich sind beide Betroffene. Und wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach der Diagnose Prostatakrebs haben wir natürlich erst mal gegoogelt. Doch selbst für einen Medienprofi ist es bei über einer Million Seiten zu diesem Thema nahezu unmöglich, eine begehbare Schneise in diesen Informationsdschungel zu schlagen. 

Von diesem Tag an hat mich die Frage umgetrieben, wie man das ändern kann. Nach dem Verlassen des Krankenbetts habe ich beschlossen, mich mit Michael Reinhard gemeinsam auf die Suche nach Gleichgesinnten zu begeben, um mit ihnen gemeinsam eine Plattform zu schaffen, die den Anspruch erfüllt, ohne Internet-Odyssee alle wesentlichen Informationen aus einer Hand zu bekommen.

Was ist Ihr Hauptziel?

Reinhard: Wir möchten vor allem Orientierung bieten und Hilfestellung geben. Beispielsweise bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Behandlung. Wir möchten Tabus beseitigen. Und wir wollen den Ratsuchenden zur Seite stehen bei ihren zahlreichen Fragen rund um ihren Körper, ihre Psyche und ihre soziale Situation. Denn wir wissen, dass die Diagnose einer Prostataerkrankung oder allein schon der Verdacht viele Männer psychisch und emotional überfordert. Unser Ziel ist es, die Situation von Betroffenen zu verbessern.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Dr. Schiefelbein: Neben dem Patienten sprechen wir mit unseren Informationen auch seine Angehörigen und Freunde an. Wir sind der Überzeugung, dass gut informierte Menschen aus dem nahen Umfeld des Patienten ihm beim der Bewältigung seiner Krankheit besser helfen können. Unser Streben ist es, medizinisch korrekte Inhalte in verständlicher Sprache zu transportieren und so hochqualitative und aktuelle Informationen bereitzustellen. Wir ersetzen aber nicht das Gespräch mit dem Arzt und seine Beratung, sondern wollen im Gegenteil das Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und seinem Arzt fördern.

Reinhard: Außerdem richten wir uns mit unseren Inhalten natürlich auch an behandelnde Hausärzte. Denn sie sind für viele Erkrankte der erste Kontakt.

Was genau bieten Sie den Nutzern?

Dr. Müller: Wir richten unsere Inhalte am Patienten und  seiner Erfahrungskurve aus. Diese reicht von der Vorsorge bis zum Leben mit Krebs. Somit garantieren wir eine größtmögliche Patientennähe. Unser inhaltliches Konzept ruht auf drei Säulen: Neben allen wichtigen Informationen zum Thema Prostata-Erkrankungen bieten wir in Video-Clips Gespräche mit Experten und Betroffenen. Dazu gehören auch Video-Beiträge von Dr. Schiefelbein. Schließlich bieten wir in unserem Newsfeed Aktuelles rund um das Thema Prostatakrebs, kuratiert aus seriösen Internet-Quellen. Dies garantiert eine hohe Aktualität des Angebots. Alle unsere Informationen zum Thema Prostata-Erkrankungen werden übrigens von einem Ärzteteam fachlich geprüft. 

Reinhard: Wichtig ist uns, die Inhalte zum Thema „Prostata“ mit neuester Technologie zur Verfügung zu stellen. Den Start haben wir jetzt zunächst mit der Webseite gemacht. Diese werden wir Zug um Zug weiterentwickeln und ausbauen. Daneben konzipieren wir eine App mit innovativen Funktionen. Dabei wollen wir sowohl die Möglichkeit schaffen, dass der Patient per Webinar direkt mit dem Arzt kommunizieren kann, als auch mit künstlicher Intelligenz einen Chat-Bot integrieren. Diesem kann man jederzeit Fragen stellen und erhält automatisch informative und individuelle Antworten. Dadurch ist es möglich, sich rund um die Uhr von jedem Ort aus notwendige Informationen zu besorgen, ohne lange in Texten oder anderen Quellen  suchen zu müssen.

Dr. Schiefelbein: Mit Hilfe von Webinaren können Patienten während eines Live-Vortrags außerdem direkt Fragen per Textnachricht an einen referierenden Arzt stellen und so unmittelbar eine fachliche Auskunft bekommen.

Das alles kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Dr. Müller: Richtig. Auch noch so großes ehrenamtliches Engagement reicht nicht, um alle Dienstleistungen und sonstigen Arbeiten selbst zu erbringen, die für unser Angebot erforderlich sind. Ziel ist es,  die entstehenden Kosten mithilfe finanzieller Unterstützung durch Spender, Sponsoren und Fördereinrichtungen zu decken. Alle unsere wirtschaftlichen Maßnahmen stellen aber ganz klar darauf ab, unsere Informationsangebote unbeeinflusst von den Interessen Dritter zur Verfügung zu stellen. Wir freuen uns deshalb ganz besonders über Förderer, die mit ihrer finanziellen Unterstützung helfen, auch die Unabhängigkeit unseres Arbeitens für alle Ratsuchenden zu gewährleisten.

Haben Sie eine medizinische Vision, die Sie mit dem Projekt verfolgen?

Dr. Schiefelbein: Wir wollen mit dem Angebot der Prostata Hilfe Deutschland vor allem die Betroffenen und ihre Angehörigen optimal mit allen erforderlichen Informationen rund um Prostata-Erkrankungen versorgen. Das ist uns allen ein großes Anliegen. Dafür nutzen wir modernste Technologie. Persönlich erwarte ich für die Zukunft eine Entwicklung in Richtung einer personalisierten Medizin, in der eine für den Patienten optimierte, individuell seinem Erkrankungsrisiko entsprechende Diagnostik und Therapie angeboten wird.

Für die Prostata Hilfe Deutschland bedeutet diese Vision, dass auch wir uns weiterentwickeln, um beim Eintreten dieser Entwicklung den Betroffenen durch die sie betreuenden Ärzte eine Entscheidungsfindung für weitere diagnostische und therapeutische Schritte zu erleichtern. 

Wer helfen möchte:

  • Kontoinhaber: Prostata Hilfe e. V.
  • Kontoinstitut: Sparkasse Mainfranken
  • IBAN: DE 34 7905 0000 0048 3547 08
  • Verwendungszweck: Spende Prostata Hilfe Deutschland
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