Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

IHK veröffentlicht Gründeratlas Mainfranken 2017

Mehr Unternehmen – weniger Gründungen

Es scheint, als sei Licht am Horizont in Sachen Unternehmertum in Mainfranken erkennbar: Der Gründungssaldo – die Differenz zwischen Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen – beträgt für das Jahr 2016 +424. Er liegt damit deutlich über dem Vorjahreswert von +272. Für 2016 stehen 6.745 Anmeldungen 6.321 Abmeldungen gegenüber. Aber trotz der guten Entwicklung zeigt der Blick ins Detail: Es bleibt noch viel zu tun für eine neue Gründungskultur. Dies zeigt der neue Gründeratlas Mainfranken der IHK.

Insgesamt rückläufige Anzahl an Neugründungen

„Die Gewerbeanmeldungen haben im vergangenen Jahr mit insgesamt 6.745 einen Tiefpunkt innerhalb der letzten zehn Jahre erreicht. Es sind so wenig neue Gewerbebetriebe hinzugekommen, wie lange nicht.“, stellt Dr. Sascha Genders, IHK Bereichsleiter für Existenzgründung, Unternehmensförderung sowie Standortpolitik fest. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit einem Wert von 7.048 bedeutet dies ein Minus von 4,3 Prozent. Der ansteigende Gewerbesaldo ist auf eine stabilere Entwicklung der bestehenden Betriebe zurückzuführen – die Anzahl der Gewerbeabmeldungen lag 2016 bei insgesamt 6.321, ein Minus von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (6.776).

Firmenbestand wächst weiter

Analog zum Gewerbebestand ist 2016 auch der Firmenbestand – die Anzahl derjenigen Gewerbebetriebe, die im Handelsregister eingetragen sind – in 2016, insgesamt um +366 gewachsen. Er liegt somit so hoch wie zuletzt 2011 – und hat sich deutlich von seinem Tiefpunkt im Jahr 2013 (+91) erholt. Entgegen der Gewerbeneugründungen zeigt sich aber bei den Firmenneugründungen ein Zuwachs. 2016 liegen diese bei einem Wert von +1.111, ein Plus von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (+985). 2016 sind zugleich 745 Abmeldungen zu verzeichnen, 2015 waren es noch 777 Abmeldungen. Beliebt sind nach wie vor die Rechtsformen GmbH, UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH & Co. KG.

Deutliche Unterschiede je Region…

Der Blick in die einzelnen Regionen zeigt deutliche Unterscheide in Sachen Gründertum: Während der Gründungssaldo in den Landkreisen Rhön-Grabfeld (+119) sowie Kitzingen (+71) im Vergleich zum Vorjahr (+27 / +44) anstieg, sind in den Landkreisen Haßberge (+37), Main-Spessart (+33) Rückgänge gegenüber dem Vorjahr (+59 / +43) zu verzeichnen. Im Landkreis Bad Kissingen ist der Saldo sogar negativ (-33) nach einem Zuwachs im Vorjahr (+33).

…und Branche

Im Landkreis Schweinfurt hat sich der positive Saldo abgeschwächt (+111), im Landkreis Würzburg verbessert (+70). In der Stadt Schweinfurt ist der Saldo 2016 mit einem Wert von +2 auf geringem Vorjahresniveau (+9), in der Stadt Würzburg liegt er 2016 bei +14 nach einem Rückgang im Vorjahr (-127). Ein Blick in die Branchen bestätigt den Trend der Vorjahre: Zuwächse zeigen sich im Dienstleistungsbereich insgesamt, ferner im Verarbeitenden Gewerbe. In den Branchen Bau, Gastronomie und Handel mit Handelsvermittlung schrumpft der Gewerbebestand wie im Vorjahr weiter.

Trend zum Nebenerwerb hält an

Entgegen des Gesamttrends nimmt die Anzahl an Nebenerwerbsgründungen weiter zu, auch 2016 lag die Anzahl der Neugründungen im Nebenerwerb (2.911) über der Anzahl im Vollerwerb (2.477). Bei den Nebenerwerbsgründungen sind die Branchen Dienstleistungen sowie Handel mit Handelsvermittlung überproportional stark vertreten.

Die Politik sollte handeln

Auch wenn der Gewerbebestand, der Firmenbestand und die Anzahl an Nebenerwerbsgründungen zulegt: De facto ist die Zahl der Neugründungen in Summe heute niedriger als in der Vergangenheit. „Diese Tendenz ist fatal, da jeder Nicht-Existenzgründer ein fehlender Mittelständler und Arbeitgeber von morgen ist.“, so Dr. Genders. Es bestehe nach wie vor großer Handlungsbedarf seitens der Politik, damit Selbstständigkeit wieder zur Selbstverständlichkeit und zu einer echten Alternative zur abhängigen Beschäftigung werde.

Es bleibt noch viel zu tun

Öffentliche Förderungen müssten deutlich vereinfacht, die Besteuerung weniger komplex gestaltet und der Zugang zu Eigenkapitalinvestoren deutlich verbessert werden, so Dr. Genders weiter. Neben der Bedeutung von Gründungen für Innovation und einen florierenden Wettbewerb verschärft die rückläufige Gründeranzahl auch das demografisch bedingte Risiko der Unternehmensnachfolge. „Wir sehen heute viele Betriebe, die schließen müssen, weil niemand das Steuer übernehmen möchte. Was dies für Ortschaften und ganze Regionen bedeuten kann, ist leider auch in Mainfranken schon vereinzelt absehbar“.

IHK bietet Hilfe für Gründer

Die IHK unterstützt mainfränkische Gründer, Start-ups und Unternehmensübernehmer durch ein umfassendes Maßnahmen-Paket. Hierfür bietet die Wirtschaftskammer bezuschusste Fachseminare und kostenfreie persönliche Beratungsgespräche an, um unternehmerischen Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Auch neue Service-Leistungen wie ein Mentoren-Programm oder
Informationen zu Themen wie Crowdfunding oder Social Entrepreneurship dienen diesem Zweck.

Gründeratlas Mainfranken 2017

Der „Gründeratlas Mainfranken 2017“ kann kostenfrei in Druckform in der IHK bezogen werden. Ansprechpartner: Katja Reichert, IHK, Tel. 0931 4194-311, E-Mail: katja.reichert@wuerzburg.ihk.de.

Ebenso steht die Publikation unter www.wuerzburg.ihk.de/schriftenreihe zum Download bereit.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der IHK.

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