Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann verstärkt das Vorgehen gegen Schaulustige an Unfallstellen. Foto: Autobahnmeisterei Fischbach
Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann verstärkt das Vorgehen gegen Schaulustige an Unfallstellen. Foto:

Sichtschutzwände gegen Gaffer: Pilotprojekt startet

Sichtschutzwände gegen Gaffer

NÜRNBERG. Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann verstärkt das Vorgehen gegen Schaulustige an Unfallstellen.

Ab sofort werden die Autobahnmeistereien Herrieden und Münchberg bei schweren Verkehrsunfällen auf den Autobahnen A 6 und A 9 spezielle Sichtschutzwände mit einer Länge von bis zu 100 Metern testen.

„Damit werden wir Gaffern den senationsgierigen Blick auf die Unfallstelle versperren“, kündigte der Minister an.

Das neuartige Sichtschutzkonzept soll laut Herrmann bis Ende 2018 ‚auf Herz und Nieren‘ geprüft werden, bevor der bayernweite Einsatz vorangetrieben wird.

„Dabei geht es uns insbesondere um die Stärken und Schwächen der technischen Ausstattung und der organisatorischen Rahmenbedingungen.“

Weniger Belästigungen oder Behinderungen

Von den neuen Sichtschutzwänden erhofft sich Herrmann einen besseren Verkehrsfluss an Unfallstellen sowie weniger Belästigungen oder gar Behinderungen durch Schaulustige.

Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann verstärkt das Vorgehen gegen Schaulustige an Unfallstellen. Foto: Autobahnmeisterei Fischbach

Autobahnmeisterei Fischbach

Auch geht Herrmann davon aus, dass Rettungskräfte hinter dem Sichtschutzzaum konzentrierter arbeiten können und sich auch sicherer fühlen.

Schaulustige zunehmend ein Problem

Wie Herrmann erläuterte, werden Schaulustige an Unfallstellen zunehmend ein Problem. Das habe nicht zuletzt auch der schwere Busunfall Anfang Juli 2017 auf der A9 im Landkreis Hof mit vielen Toten gezeigt.

„Vor allem behindern Gaffer die Rettungsarbeiten und schaffen durch ihre ungezügelte Neugier zusätzliche sowie völlig unnötige Unfallgefahren“, kritisierte der Minister.

Der ausgebrannte Reisebus in Münchberg auf der Autobahn A9. Foto: NEWS5 / Merzbach

Der ausgebrannte Reisebus in Münchberg auf der Autobahn A9. Foto: NEWS5 / Merzbach

Gerade auf Autobahnen komme es dann häufig zu Folgeunfällen, weil selbst auf der Gegenfahrspur Schaulustige lauern.

„Auch an die Würde der Unfallopfer scheinen die fotografierenden und filmenden Schaulustigen überhaupt nicht zu denken“, beklagte Herrmann.

Es sei bitter, dass hier bei vielen Menschen die Einsicht fehle und die Sensationsgier offenbar den Verstand ausschalte.

Nur bei größeren Unfällen

Nach Herrmanns Worten ist geplant, die Sichtschutzwände nur bei größeren Unfällen einzusetzen.

Grundsätzlich erfolge der Aufbau der Sichtschutzwände, wenn eine Sperrdauer der Autobahn von mehr als drei Stunden zu erwarten ist.

„Denn die Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es bis zu 90 Minuten dauern kann, bis der Sichtschutz steht“, erläuterte der Minister.

Die im Pilotbetrieb eingesetzen Sichtschutzwände wurden von der Autobahndirektion Nordbayern zusammen mit einer mittelfränkischen Fachfirma entwickelt.

„Unser System zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es von einem Bediensteten der Autobahnmeisterei allein aufgebaut werden kann“, so Herrmann.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Foto: Pascal Höfig

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Foto: Pascal Höfig

„Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen reicht uns ein Transporter als Zugfahrzeug für den Anhänger mit den Sichtschutzelementen.“

Hierdurch werde auch das Befahren der Rettungsgasse deutlich einfacher, da sich kein schwerer Lkw durch den Stau nach vorne arbeiten müsse.

Zusammenarbeit mit THW

Wie Herrmann ergänzte, wird in der Pilot-Autobahnmeisterei Münchberg zusätzlich auch die Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) erprobt:

„Wenn unsere Autobahnmeisterei aufgrund des Unfallgeschehens nicht selbst die Sichtschutzwände aufstellen kann, kooperieren wir mit dem THW, das dann den Aufbau übernehmen wird.“

Dafür stelle der Freistaat eine zusätzliche technische Ausrüstung für den Pilotversuch zur Verfügung.

Filmen aus reiner Sensationsgier geht gar nicht

Abschließend machte Herrmann nochmals deutlich: „Das bewusste Anhalten und Filmen des Unfallgeschehens aus reiner Sensationsgier geht gar nicht. Wenn dabei zusätzlich Rettungskräfte behindert werden, müssen diese uneinsichtigen Zeitgenossen die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen!“

Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe

Der Minister kündigte deshalb an, den kürzlich in Kraft getretenen verschärften Straftatbestand gegen Gaffer entschlossen anzuwenden.

„Die Bayerische Polizei wird solche Fälle konsequent zur Anzeige bringen“, so Herrmann.

Den Gaffern drohe eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe, wenn sie Unfallretter behindern.

Herrmann appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, bei Unfällen auf der Autobahn sofort eine Rettungsgasse zu bilden, sich weiter auf den Verkehr zu konzentrieren und sich insbesondere nicht durch Unfälle ablenken zu lassen.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr.

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