Uni Würzburg. Symbolfoto: Pascal Höfig
Die JMU am Sanderring. Foto: Pascal Höfig

Konkordatslehrstühle: Soll Kirche über Lehrstuhlbesetzung entscheiden?

Zeitgemäße Institution?

Am Mittwoch, 14. Juni, lädt die Grüne Hochschulgruppe zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Konkordatslehrstühle ein. Es soll mit verschiedenen Teilnehmern, unter anderem Verena Osgyan (MdL, Bündnis 90/Grüne) und Burkard Hose (Hochschulpfarrer der KHG), darüber diskutiert werden, wieso es die sogenannten Konkordatsprofessuren noch gibt und inwiefern sie unserem aktuellen Verständnis von einem säkularen Staat entsprechen.

Ein Thema, bei dem viele Studenten wahrscheinlich überhaupt nicht wissen, worum es eigentlich geht. Die Grüne Hochschulgruppe übt bereits im Vorfeld der Diskussion Kritik an dieser Institution, doch was sind denn überhaupt Konkordatslehrstühle?

Was sind Konkordatslehrstühle?

Konkordatslehrstühle sind Lehrstühle außerhalb der theologischen Fakultät, bei deren Besetzung die katholische Kirche ein Mitbestimmungsrecht hat. Meistens handelt es sich dabei um Lehrstühle für Philosophie, Gesellschaftswissenschaften oder Pädagogik. Diese Regelung geht zurück auf Verträge zwischen Staat und Kirche (Konkordate), die das Verhältnis zwischen Staat und Kirche regeln. In Bayern wurde dieser Vertrag 1924 zwischen dem Freistaat Bayern und dem Vatikan geschlossen. Er regelt unter anderem den Rückzug der Kirche aus der Lehrerausbildung. Im Gegenzug dazu wurde ihr das Mitbestimmungsrecht bei der Besetzung von Lehrstühlen eingeräumt, die im weitesten Sinne zur Lehrerausbildung beitragen, wodurch der Kirche ein indirekter Einfluss zukommt.

Drei in Würzburg

Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg unterhält zur Zeit insgesamt drei dieser Konkordatslehrstühle. Das sind die Lehrstühle von Prof. Dr. Hans-Joachim Lauth (Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft und Systemlehre, ansässig am Wittelsbacher Platz), Prof. Dr. Karl Mertens (Lehrstuhl für Praktische Philosophie, ansässig in der Residenz) und Prof. Dr. Erhard Fischer (Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV, ansässig am Wittelsbacher Platz).

Bei der Besetzung der Lehrstühle für Praktische Philosophie, Vergleichende Politikwissenschaften und Sonderpädagogik IV hat die Kirche seit 1924 ein Vetorecht. Das heißt, sie könnte bei der Vergabe dieser drei Lehrstühle prinzipiell Einspruch erheben. Andere bayerische Hochschulen mit Konkordatslehrstühlen sind Augsburg, Erlangen-Nürnberg, München, Passau und Regensburg, sowie die Gesamthochschule Bamberg. Außerhalb Bayerns sind Konkordatslehrstühle in Freiburg und Mainz zu finden.

Auf Anfrage der Redaktion, was die betroffenen Lehrstuhlinhaber in Würzburg von den Konkordatslehrstühlen halten, erklärte Prof. Dr. Lauth, dass er die Einrichtung von Konkordatslehrstühlen nicht mehr als zeitgemäß empfindet. Diese Einrichtung entspreche, seiner Meinung nach, nicht dem bestehenden Wissenschaftsverständnis. Eine gewisse Sonderrolle würde er lediglich der Katholischen Theologie zubilligen.

Prof. Dr. Mertens erklärte, dass der Konkordatsvermerk bei Lehrstühlen der nicht-theologischen Fakultäten historische Gründe hat und nicht mehr zeitgemäß sei. Deswegen sei es zu begrüßen, dass die katholische Kirche derzeit auf ihr Einspruchsrecht verzichtet und die Frage zwischen Staat und Kirche geklärt wird. Fakultäten seien klug beraten, wenn sie weiterhin bei Berufungsangelegenheiten die Konfessionsfrage als nachgeordnet betrachten.

Prof. Dr. Fischer wollte sich als direkt Betroffener nicht dazu äußern.

Verträge noch rechtskräftig

Die Bischofskonferenz verzichtet seit dem Jahr 2013 auf ihr Vetorecht. Die dieses Recht grundsätzlich garantierenden Verträge sind aber nach wie vor rechtskräftig. Aus der Bischofskonferenz selbst hieß es dazu im selben Jahr, das Konstrukt der Konkordatslehrstühle sei nicht mehr zeitgemäß.

„Seit 2013 verzichten die deutschen Bischöfe auf ihr Vetorecht bei der Neubesetzung der sogenannten Konkordatslehrstühle, also von Lehrstühlen an einer staatlichen Universität, die nicht in einer theologischen Fakultät angesiedelt sind, bei deren Besetzung die Katholische Kirche aber ein staatskirchenrechtlich zugesichertes Einspruchsrecht hat. Damit haben sie ein Zeichen gesetzt, dass es der Kirche nicht um das Festhalten von Privilegien in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft geht, “ so Domdekan Prälat Günter Putz, Hochschulreferent der Diözese Würzburg.

Kritik der GHG

Die Grüne Hochschulgruppe (GHG) übt jedoch genau an diesem Punkt, dass die bestehenden Verträge noch immer rechtskräftig sind, Kritik. „Unsere Kritik an Konkordatslehrstühlen bezieht sich vor allem auf Art. 33 (3) GG, in dem es heißt, dass das religiöse Bekenntnis einer Person deren Chancen bei der Zulassung zu öffentlichen Ämtern nicht mindern darf. Alleine die Möglichkeit, dass ein strittiger Kandidat oder eine strittige Kandidatin blockiert werden könnte, könnte bei manchen Lehrstuhlbesetzungen dazu führen, sich für einen andere Kandidaten zu entscheiden,“ so die GHG in einer Pressemitteilung.

Osgyan: „Vehikel aus dem letzten Jahrhundert“

Verena Osgyan, MdL und Sprecherin für Hochschule und Wissenschaft von Bündnis 90/ Die Grünen im Bayerischen Landtag wird unter anderem neben Thomas Neumann (Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster) sowie Dr. Thomas Goppel (MdL, CSU), an der Podiumsdiskussion am 14. Juni teilnehmen.

Sie erklärt: „Konkordatslehrstühle an Universitäten sind ein Vehikel aus dem letzten Jahrhundert. [… ] Die Katholische Kirche hat hier fachfremd […] ein Einspruchsrecht bei der Besetzung der Lehrstühle. Dass diese Praxis nicht mehr zeitgemäß ist, hat auch die Freisinger Bischofskonferenz eingesehen und 2013 erklärt, auf ihr Einspruchsrecht zu verzichten. Diesen Verzicht begrüßen wir ausdrücklich. Wir sind aber auch der Auffassung, dass die bestehenden Konkordatslehrstühle zum nächstmöglichen Zeitpunkt in normale Lehrstühle überführt werden müssen.“

Verhältnis von Kirche und Staat

Auch Burkard Hose, Hochschulpfarrer der KHG, ist Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Auf Anfrage erklärte er seinen Standpunkt: „Ich begrüße die Diskussion zum Thema Konkordatslehrstühle. Aus meiner Sicht gibt es wenig Konfliktstoff um die konkrete Frage der Mitwirkung der Bischöfe bei der Besetzung von sogenannten Konkordatslehrstühlen. Seit 2013 verzichten die Bischöfe nach einer Entscheidung der Bayerischen Bischofskonferenz faktisch auf ihr Vetorecht bei der Besetzung der Lehrstühle. Der größere Kontext, in dem es das Thema nach meiner Überzeugung zu diskutieren gilt, ist das Verhältnis von Kirche und Staat in der Bundesrepublik Deutschland.

In einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft muss offen darüber gesprochen werden, worauf sich der Dialog und auch die Zusammenarbeit von öffentlichen Einrichtungen und Religionsgemeinschaften gründet. Das Festhalten an Privilegien ist dabei sicher nur eine unzureichende Strategie des Übergangs. Mittelfristig wird sich das Verhältnis über gemeinsame Anliegen und Werte definieren müssen. Die Forderung nach einer totalen Trennung von Staat und gesellschaftlichen Gruppen, wie den Kirchen, die ja Teil des Staates sind, halte ich für künstlich und letztlich auch für wenig demokratisch.“

Von CDU-Politiker Dr. Thomas Goppel und von Thomas Neumann (Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster), liegt der Redaktion bisher keine Rückmeldung vor.

Podiumsdiskussion

Mehr zu diesem umstrittenen Thema „Konkordatsprofessuren“ wird in der Podiumsdiskussion der Grünen Hochschulgruppe am Mittwoch, 14. Juni um 20 Uhr im Festsaal über der Burse diskutiert. Der Eintritt ist frei.

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