Zentimeter für Zentimeter schweben die beiden Männer nach unten, während ein dritter Mann aus dem Turmfenster heraus die Rettung überwacht. Foto: Pascal Höfig
Zentimeter für Zentimeter schweben die beiden Männer nach unten, während ein dritter Mann aus dem Turmfenster heraus die Rettung überwacht. Foto: Pascal Höfig

Rettung zwischen Himmel und Erde: Die Höhenretter

Übung der Berufsfeuerwehr am Kiliansdom und Neumünster

WÜRZBURG. Vom hinteren Turm des Kiliansdoms hängt an zwei Seilen ein Mann im roten Overall. Auf dem Kopf trägt er einen Schutzhelm, mit den Händen hält er eine orangefarbene Bahre im Gleichgewicht.

Über dem Rand der Bahre ist ein weiterer behelmter Kopf zu sehen. Zentimeter für Zentimeter schweben die beiden Männer nach unten, während ein dritter Mann aus dem Turmfenster heraus die Rettung überwacht.

Beeindruckende Szenen

Eine Gruppe Jugendlicher beobachtet fasziniert das Spektakel in rund 40 Metern Höhe. „Da liegt ein Mensch drin! Ein echter Mensch!“, ruft ein Junge und zeigt nach oben.

Die spektakuläre Aktion ist Teil der Höhenrettungsübung der Berufsfeuerwehr Würzburg.

Rettungsübung am „seidenen Faden“

13 Mitglieder der nach den Worten von Pressesprecher Florian Fastner insgesamt 30 Mann starken Höhenrettungsgruppe übten am Mittwoch, die Rettung von Verletzten innerhalb der Türme sowie über die Fassade von Kiliansdom und Neumünster.

Das Übungsszenario könnte sich jederzeit auch in der Realität ereignen: Ein Arbeiter hat sich bei Wartungsarbeiten im hinteren Turm des Doms verletzt und kann nicht mehr alleine absteigen.

Speziellen Seiltechnik

Die Höhenretter versorgen den Mann zunächst medizinisch und lassen ihn anschließend mit einer speziellen Seiltechnik in einer Bahre außen am Turm herab.

Die ersten Meter überwinden der Höhenretter und sein „Patient“ problemlos. Ein weiterer Höhenretter wacht im Turmfenster über die beiden Seile, an denen Retter und Bahre hängen.

Doch weiter unten versperren zwei Dächer den geraden Weg nach unten. Der Höhenretter greift einen Rucksack, an dem ein weiteres Seil hängt, und wirft ihn in einem weiten Bogen nach unten.

Mit einem satten Knall prallt der Rucksack auf den Boden.

Ein dritter Höhenretter befestigt das Seil an einem Feuerwehrauto. Gleichmäßig zieht er das Seil weg vom Turm, damit die Bahre nicht gegen die Turmwände prallt.

Bei jedem Schwanken der Bahre ist aus der Gruppe der jugendlichen Zuschauer ein lautes „Oh mein Gott!“ zu hören.

Mit den Fußspitzen über das Dach

Der Höhenretter hangelt sich mittlerweile mit den Fußspitzen vorsichtig über ein gewölbtes Dach.

Putzstückchen rieseln zu Boden. Der Kamerad am Boden hat Unterstützung bekommen, zu zweit ziehen sie das Seil kräftig zu sich hin. Vorsichtig steigt der Höhenretter über die Kante des Dachs und bugsiert dann die Bahre über den Rand. Die Zuschauer halten die Luft an.

Patient sicher am Boden

Der Rest sieht dann wie ein Kinderspiel aus. In weniger als einer Minute überwinden er und sein „Patient“ die letzten Meter und landen sicher auf dem Boden.

Der Mann in der Bahre befreit sich selbst von seinen Sicherungsgurten und auch von einer Arm- und einer Beinschiene, die seine Kameraden ihm im Rahmen der Übung angelegt haben, bevor er heruntergelassen wurde. Die Jugendlichen applaudieren.

„Eine Rettung gestaltet sich hier sehr schwierig.“

Bernd Erlenbach, Leiter der Höhenrettungsgruppe, ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der Übung und auch mit den Übungskulissen.

„Der Dom und das Neumünster sind sehr alte Gebäude mit sehr engen Verhältnissen. Eine Rettung gestaltet sich hier sehr schwierig. Man muss sehen, dass man den Patienten waagerecht hält und nirgendwo anstößt“, erklärt er.

„In 80 Metern Höhe ist es immer windig“

Innerhalb der Türme sei es sehr eng, teilweise gehe es nur über Holzleitern nach oben. Auch an den Fassaden mit ihren vielen Vorsprüngen und Dächern lauert auf die Höhenretter manche Gefahr, beispielsweise durch scharfe Kanten.

Und auch wenn es am Boden windstill ist – „in 80 Metern Höhe ist es immer windig“, erklärt Erlenbach. Eine starke Böe könne die Retter durchaus um mehrere Meter versetzen.

Vor jeder Übung werde deshalb eine Gefahrenanalyse gemacht, außerdem gebe es eine Nachbesprechung.

Tolle Zusammenarbeit

„Die Retter müssen das Beste aus der Situation machen“, ergänzt Pressesprecher Fastner. Erlenbach lobt auch die Zusammenarbeit mit der Dompfarrei: „Alle waren sehr offen.“

Die Höhenretter der Berufsfeuerwehr sind speziell für Einsätze in extremen Höhen und Tiefen ausgebildet. Die Anforderungen sind hoch.

„Man muss Respekt haben.“

Zu den Grundvoraussetzungen gehören absolute Schwindelfreiheit, eine sehr gute körperliche Verfassung, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, zählt Erlenbach auf.

Die Höhenretter absolvieren eine 14-tägige Grundausbildung. Im Anschluss nehmen sie regelmäßig an Fortbildungen teil, darunter zwei Übungswochen im Jahr, erklärt Fastner.

Übung der Höhenretter am Grafeneckart 2016:

Auf Windrad in 120 Metern Höhe

In dieser Woche trainieren die Höhenretter – neben dem Kiliansdom und dem Neumünster – unter anderem in einem Müllheizkraftwerk, an einem Freileitungsmast, im Klettersteig bei Karlstadt und auf der Festung Marienberg.

Das höchste Übungsobjekt sei bislang ein Windrad mit 120 Metern Höhe gewesen, sagt Erlenbach. Wichtig sei vor allem eines: „Man muss Respekt haben.“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bistum Würzburg.

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