Das Würzburger Vis Moot Team: Julia Thiesen, Heiko Hanusch, Wulf Bott, Rüdiger Morbach (Coach), Kora Philipp, Mareike Brack, Waldemar Kosirew (v.l.n.r.) Foto: Katia Rener/Mareike Brack
Das Würzburger Vis Moot Team. Foto: Katia Rener/Mareike Brack

Würzburger Jura-Studenten erfolgreich bei Internationalem Wettbewerb

Würzburger Jura-Studenten beim Vis Moot in Wien

Im April nahmen sechs Jurastudenten aus Würzburg erfolgreich am weltweit größten Wettbewerb im Wirtschaftsrecht teil, dem renommierten Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot.
Dabei nehmen angehende Juristen die Rolle von Anwälten ein und vertreten Parteien in einem fiktiven Schiedsverfahren. Der Vis Moot ist einer der ältesten juristischen Wettbewerbe und mit ungefähr 2000 Teilnehmern von über 340 Universitäten eine der größten Veranstaltungen weltweit.

Verhandlungen vor Schiedsgerichten

Die Schiedsgerichtsbarkeit ist eine Methode der alternativen Streitbeilegung, bei der sich die Vertragsparteien mittels einer sog. Schiedsvereinbarung der Rechtsprechung nichtstaatlicher Schiedsgerichte unterwerfen. Schiedsgerichte sind „private Gerichte“. Diese bringen für Unternehmen viele Vorteile mit sich: Oftmals können Schiedsverfahren schneller und kostengünstiger abgewickelt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Schiedsrichter mit spezieller Branchenkenntnis zu benennen. Schließlich ist die Schiedsgerichtsbarkeit im internationalen Kontext attraktiv, da bei grenzüberschreitenden Transaktionen das Schiedsgericht ein neutrales Forum sein kann, sodass keine Partei einen „Heimvorteil“ hat. Aus diesen Gründen kommt dieser Art der Streitbeilegung in der Praxis eine überragende Bedeutung zu. Dementsprechend lohnt es sich für angehende Juristen, einen Blick über den Tellerrand der deutschen Juristenausbildung zu werfen.

Schriftliche und mündliche Aufgaben

Die Universität Würzburg nimmt seit 2009 regelmäßig an dem Wettbewerb teil. Das Projekt beginnt jedes Jahr im September und endet mit dem großen Finale an Ostern in Wien. In der ersten Phase des Wettbewerbs erstellen die teilnehmenden Teams Schriftsätze für die Parteien, in der zweiten Phase bereiten sie sich auf die mündlichen Verhandlungen vor.

Das Bewerbungsverfahren an der Universität Würzburg findet in der Mitte des Sommersemesters statt, sodass vor Beginn der Semesterferien feststeht, wer die Universität im folgenden Jahr vertreten wird.
Die diesjährige Aufgabenstellung umfasste circa 60 Seiten, auf denen ein Kläger und ein Beklagter um verfahrensrechtliche Finessen ihrer Streitbeilegungsklausel und – für Nichtjuristen sicherlich leichter nachzuvollziehen – um die Zahlung des Kaufpreises stritten.

Die besten Wochen des Studiums

Beim Verfassen der Schriftsätze geht es – anders als im gewöhnlichen Jurastudium, in dem der Student Gutachten verfasst – nicht um die Abwägung von Argumenten, sondern darum, die Interessen einer Partei zu vertreten. Dies tut man zunächst aus der Sicht des Klägers und nach etwa 7 Wochen aus der Sicht des Beklagten.
Ende Januar beginnt die mündliche Phase, in welcher sich die Teams auf die Verhandlungen in Wien, die sog. Pleadings, vorbereiten.
Die folgenden Wochen sind für viele Teilnehmer die anstrengendsten, lehrreichsten aber auch besten im Studium – nicht zuletzt wegen vieler Kanzleibesuche und Reisen.

Erste Anwaltserfahrungen gewinnen

Bei einem Pleading sitzen sich zwei Teams gegenüber und vertreten vor einem dreiköpfigen Tribunal die Streitparteien. Hierbei ist neben der fachlichen Richtigkeit auch eine bestimmte Etikette zu wahren, wie etwa die Zusammenarbeit mit dem Teampartner, das Einhalten von formalem Englisch oder das Tragen von Business Attire.

An diesem Gesamtpaket wird in den nächsten Wochen gearbeitet. Großkanzleien laden Teams zu sich ein und veranstalten Übungstermine. Dabei agieren die Profis als Schiedsrichter und geben wertvolle Tipps für den Inhalt der Plädoyers sowie für das anwaltliche Auftreten.

Finale in Wien

Der Vis Moot findet zwar in Österreichs Hauptstadt statt, doch es gibt im Vorfeld zahlreiche „Pre-Moots“, die der Übung für Wien dienen. Das Würzburger Team fuhr in diesem Jahr zu Veranstaltungen in Amsterdam, Madrid, Prag und Belgrad. Natürlich warteten neben den Pleadings auch immer ein Rahmenprogramm, Dinner, Sightseeing und Parties!
Richtung Wien geht es immer in der Woche vor Ostern. Nach einer Eröffnungsfeier im Wiener Konzerthaus werden in vier Vorrunden die besten 64 Teams ermittelt. Diese treten dann in K.o.-Runden an bis die zwei besten Teams feststehen. Das Finale findet schließlich in der Messe Wien statt, wo auch andere Preise und Auszeichnungen bekannt gegeben werden.
Besonders durfte sich das Würzburger Team in diesem Jahr darüber freuen, dass eine Studentin, Kora Philipp, mit einer „Honourable Mention“ für ihre herausragenden Leistungen bei den Verhandlungen in Wien ausgezeichnet wurde und damit zu den besten Teilnehmern des Wettbewerbs gehört.

Mehr als nur ein Wettbewerb

Doch der Vis Moot ist mehr als ein Wettbewerb um Platzierungen und Preise:
Der Vis Moot vermittelt Teamspirit, Belastbarkeit und bringt sicheres Auftreten in Stresssituationen bei. Er beinhaltet eine rhetorische Ausbildung und gewährt einen tiefen Einblick in das internationale Recht. Außerdem wird man zum ersten Mal in die Rolle eines Anwaltes gezwungen und lernt aus einer verloren geglaubten Position das Beste herauszuholen um seinen Mandanten erfolgreich zu vertreten. Nicht zuletzt trifft man neue Freunde, darf mit renommierten Anwälten fachsimpeln und viel reisen.

Interesse geweckt?

Die Universität Würzburg wird im Jahr 2018 am 25. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot teilnehmen und sucht nach interessierten Studenten. Ihr benötigt kein spezifisches Vorwissen, solltet aber Interesse, Teamfähigkeit und gute Englischkenntnisse mitbringen. Da neben der Teilnahme am Vis Moot kein geregeltes Studium möglich ist, gibt es eine Freischussverlängerung. Die Teilnahme wird durch Sponsorengeldern finanziert.
Zu guter Letzt gilt der Dank des Teams allen Unterstützern: Die Teilnahme am Vis Moot ist mit enormen Kosten verbunden und kann nur durch Sie, liebe Sponsoren, realisiert werden. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Sponsoren bedanken, dass sie diese Erfahrung ermöglicht haben!

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