Das Odeon-Theater. Postkarte: Archiv Willi Dürrnagel
Das Odeon-Theater. Postkarte: Archiv Willi Dürrnagel

Das Varieté-Theater „Odeon“

Augustinerstraße 18

In der Augustinerstraße unter der Hausnummer 18 war das „Varieté-Theater Odeon“ zu finden. Ein Neubau von 1896, in dem wochenlang verschiedenste Varietéprogramme liefen. Der Besitzer und Direktor, Hans Hammerbacher war ein schwerer, schnauzbärtiger Mann, der nie anders als in braunen oder schwarzen Gehröcken gesehen wurde.

Aus der neubarocken Fassade trat ein kräftiger Erker, der mit einer Zwiebelhaube aus Schiefer gekrönt war. Es war der witzigste neubarocke Erker der Stadt; mit flügelspreizendem Adler am zweiten Stock und der koketten Dachzwiebel, die aussah als wär´ sie, wie früher Damenroben, mit raffiniert verteiltem Fischbein ausgesteift.

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Sie hat vor dem Zweiten Weltkrieg, als solche Baukapricen der Vergangenheit noch als undiskutabel geschmacklos galten, den Maler Carl Grossberg in Sommerhausen zu einem seiner besten Dächerbilder angeregt.

Namensgeber

Den Namen Odeon hatte man von den antiken Stätten für musikalische oder deklamatorische Aufführungen übernommen, wie etwa dem „Odeion“, des Herodes Atticus in Athen.

Für den Besitzer Herrn Hammerbacher galt nur die leichte und unterhaltende Muse etwas, die aber nur bis zehn Uhr abends walten durfte, um die verehrten Besucher nicht um ihren Schlaf zu bringen. Damit auch Familien und ältere Herrschaften nicht um den Kunstgenuss kamen, wurde am Sonntag sogar eine Nachmittagsvorstellung ab zwei Uhr vor die Abendvorstellung gelegt, die dann um sechs Uhr begann.

Programm

Wie man den Ankündigungen entnehmen konnte, war das Programm recht bunt, z.B. die Liedersängerin Irma Dolozel, die sich nicht nur durch hübschen Vortrag ihrer Gesänge, sondern auch durch dezentes Auftreten und stets geschmackvolle Toilette auszeichnete, Trapeztruppen, ein Athletenpaar, Mr. Leeb mit seinen Affen usw. traten im Odeon auf. Die einmalige Pause zwischen den Aufführungen wurde durch die Darstellung von Lichtbildern verkürzt, die zum Teil Ansichten hervorragender Bauwerke, zum Teil Reklame hiesiger Firmen, aber auch den Prinzregenten in Hubertusordensrittertracht zeigten.

Jedes Jahr am 1. Mai begannen im Odeon die „internationalen Ringkämpfe“ – die Sehnsucht jedes Buben. Aber es kostete Geld, hineinzukommen und Geld war damals knapp. Also stellte man sich stundenlang vor die großen Plakate und betrachtete die Herkulesse in ihren schreiend roten und gelben Trikots, studierte haargenau die aufs Papier gebrachten Griffe ihrer Athletenarme und für die nächsten Wochen gab es nichts anderes als „Ringkämpferlesmach“, so heißt es in einem Bericht von Maya Gaßner.

Umbau zum Kino

Krieg und Inflation setzten dem Odeon zu, da kam der Film 1923 als Retter. Das Haus wurde zum Odeon-Lichtspieltheater, kurz „O-Li“, umgebaut.

Es war damals das 5. Lichtspieltheater der Stadt und in den 30er Jahren das zweitgrößte Tonfilm-Theater in Würzburg. Im Juli und August 1933 wurde es vollständig modernisiert und vergrößert. Es hatte weit über 600 Sitzplätze. Doch das in Rot und Gold prangende Haus brannte am 16. März 1945 leider aus.

Vor dem Krieg war im Haus übrigens auch noch die „Münchner Weißbierstube“ untergebracht.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg war dann zuerst wieder ein Kino im Gebäude, das sich schließlich zum Tanzlokal „Odeon 2000“ „verwandelte“ und letztendlich wieder zu einem Kino.

Das O-Li (Odeon-Lichtspiele) wurde am 25. Dezember 1949 nach der Zerstörung wiedereröffnet. Hier lief unter anderem auch der Film „Sie tanzte nur einen Sommer“ mit Ulla Jacobsson. Die Hauptdarstellerin war damals sogar persönlich anwesend.

Der Artikel beruht auf Informationen von Willi Dürrnagel.

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