Frisches Obst. Symboldbild: Pascal Höfig
Frisches Obst. Symboldbild: Pascal Höfig

Global denken – lokal handeln: Nachhaltigkeit in allen Lebenslagen

Nachhaltiger Konsum für lebenswerte Zukunft

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im Rahmen eines umweltbewussten Verhaltens eine wichtige Rolle. Der Begriff zeigt, dass es beim Umwelt- und Naturschutz nicht immer nur um Verzicht oder Einschränkung geht. Vielmehr kann durch nachhaltigen Konsum jeder einen aktiven Beitrag für eine lebenswertere Zukunft leisten. Wie das genau aussehen kann zeigen die verschiedensten Beispiele aus allen möglichen Lebensbereichen.

Wichtige Ressourcen

Dabei geht es nicht nur um einen verantwortungsvollen Umgang mit wichtigen Ressourcen, sondern auch um soziale Aspekte wie faire Löhne oder fairen Handel. In Würzburg engagieren sich dazu seit langem zahllose private Gruppierungen. Aber auch die Stadt trägt mit einzelnen Arbeitskreisen im Rahmen der lokalen Agenda 21 dazu bei, die Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen zu stärken.

Nachhaltiger Konsum

Jeder Mensch hat durch die Art und Weise seines Konsumverhaltens einen Einfluss auf das Warenangebot, welches sich in den Supermärkten oder lokalen Geschäften wiederfindet. Dabei tragen die verschiedensten Kriterien dazu bei, ob ein Produkt als nachhaltig eingestuft werden kann oder nicht. Allerdings sind die Grenzen hierbei fließend.

Ökologischer Fußabdruck

Ebenfalls gilt, dass eine Beschränkung auf ausschließlich ökologisch und sozial verträglich hergestellte Waren stets mit gewissen Einschränkungen verbunden ist. In der heutigen komplexen und hoch technologisierten Welt ist es oftmals kaum möglich, sich verschiedenen Produkten zu entziehen, die einen enormen ökologischen Fußabdruck mit sich tragen.

Dennoch geht es darum, über verschiedene Anhaltspunkte Bescheid zu wissen, die dabei helfen können, nachhaltige Waren zu erkennen:

  • Tansportwege minimieren: Viele Waren haben bevor sie im Supermarkt landen eine weite Reise hinter sich. Günstigere Produktionsbedingungen, niedrigere Löhne oder auch ein anderes Klima sind hierfür oft ausschlaggebend. Ein komplexes System aus Subventionen, welches die Transporte rund um den Globus günstiger macht sorgt dafür, dass trotz der weiten Wege und des zusätzlichen Aufwands die Waren hier bezahlbar bleiben.
    Zum nachhaltigen Konsum gehört es, hier unnötige Transportwege zu vermeiden und wenn möglich auf regionale Angebote und Alternativen zurückzugreifen.
  • Jahreszeitliches Angebot beachten: Auch dieser Aspekt spielt in dem Zusammenhang eine Rolle. Viele Supermärkte versuchen heute ihren Kunden rund um das Jahr die ganze Vielfalt an möglichen Produkten vor allem im Lebensmittelbereich zur Auswahl zu stellen. So können inzwischen vielerorts Erdbeeren oder Spargel auch im Winter gekauft werden. Dass die Produkte dabei von weither kommen und oftmals unter einem enormen Einsatz an Ressourcen wie Wasser hergestellt wurden, spielt dabei keine Rolle. Wer auf Nachhaltigkeit Wert legt, sollte diese Angebote vermeiden und auf heimische Lebensmittel, welche die jeweilige Jahreszeit bietet zurückgreifen.
  • Nachhaltige Herstellung unterstützen: Zur nachhaltigen Herstellung zählt sowohl eine gewisse Umweltverträglichkeit bei der Produktion mit einem sinnvollen Einsatz von Ressourcen, als auch eine auf Langlebigkeit ausgelegte Konstruktionsweise. Elektrogeräte beispielsweise werden heutzutage oftmals mit einem fest verschweißten Gehäuse konzipiert, welches ein Öffnen zum Reparieren unmöglich macht. Meist zahlt sich eine höhere Investition am Ende aus, weil das Produkt länger funktionsfähig bleibt.
  • Energiesparende Produkte bevorzugen: Einige Elektrogeräte müssen heute laut EU Verordnung mit einem Label zur Energieeffizienz versehen sein. Dieses dient bei einer Neuanschaffung als Orientierungshilfe. Aber auch bei der Beleuchtung kann auf energiesparende LED-Glühbirnen zurückgegriffen werden.
  • Fairen Handel fördern: Dieser Punkt ist für den Endkunden meist am schwierigsten zu berücksichtigen. In der heutigen komplexen Welt der globalen Handelsbeziehungen ist es oftmals kaum möglich, ausreichend Informationen über die Herstellungsbedingungen zu bekommen. Ein Fairtrade-Label gibt auch hier Auskunft über nachhaltige und faire Zusammenarbeit mit den Produzenten. Allerdings sind bisher nur wenige Produkte mit einem derartigen Label ausgezeichnet. Beim Kauf lokaler Produkte ist es deshalb insgesamt einfacher, an Informationen zu den Produktionsbedingungen zu kommen. Zudem entfallen lange Transportkosten.

Beispiel Mode

Seit den negativen Schlagzeilen in Zusammenhang mit katastrophalen Bedingungen in der Bekleidungsindustrie in den asiatischen Ländern, haben viele Menschen begonnen, sich mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Die Schnelllebigkeit der Modewelt sorgt mit immer neuen Trends dafür, dass ständig neue Kleidungsstücke gefragt sind.

Ein günstiger Preis ist dabei zunehmend wichtiger geworden und die nachhaltige Produktion oder langlebige Verarbeitung in den Hintergrund geraten.

Wieder im Trend

Manchmal sind jedoch verschiedene angesagte Stücke aus der letzten Saison auch im kommenden Jahr wieder im Trend. Besondere Materialien oder Muster überdauern eine Saison und sorgen beispielsweise durch neue Kombinationen für frischen Wind. Zudem hat sich gezeigt, dass verschiedene modische Strömungen immer wieder zurückkehren.

Das Revival der 70er, 80er 90er: Wer hier von früher noch einige Stücke aufbewahrt hat, kann mit den Vintage-Klamotten aus der Originalzeit oftmals punkten. Ohnehin kann jeder durch den Kauf von Second-Hand Kleidung ein Stück zur Nachhaltigkeit im Bereich der Mode beitragen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Kleidung gut verarbeitet ist. Stücke, die nach kurzer Zeit schon die Form verlieren oder sich Nähte auflösen, können dann nicht mehr weiterverwendet werden.

Würzburger Fashion Flohmarkt

In Würzburg kann beispielsweise beim Fashion Flohmarkt nach gebrauchter Mode gesucht werden. In der Posthalle kann jeder Schätze aus seinem Kleiderschrank weiterverkaufen. Seit 2015 findet er regelmäßig einmal im Monat statt.

Zudem gibt es seit einiger Zeit eine weitere Anlaufstelle. Der Eco Concept Store „Another Love“ bietet „Mode mit Verantwortung“ – so der Slogan im Schaufenster – an. Ausschließlich Stücke von verschiedenen Eco Fashion Labels werden hier verkauft. Der Endkunde kann sich dabei sicher sein, dass die Kleidung nachhaltig produziert wurde.

Umgang mit Energieressourcen

Auch beim Thema Energie können wir als Verbraucher mit unserem Verhalten für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie zur Nachhaltigkeit beitragen. Die Nutzung von energieeffizienten Geräten ist hier eine Maßnahme, eine Paradebeispiel ist hier der Energiesparshop der WVV, in dem stromsparende Geräte eingekauft werden können. Aber auch durch die Auswahl des Stromanbieters und der Entscheidung, hier auf erneuerbare Energien zu setzen kann hier mitwirken.

Ein großer Teil an Energie verbrauchen wir im Bereich Mobilität und Heizen. Bei ersterem wirkt sich die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch dem Rad für kurze Strecken positiv auf die persönliche Energiebilanz aus. Zur Einsparung von Energie, die zum Heizen verwendet wird, hilft eine gute Dämmung der Wohnungen und Häuser. Hier hat der Staat verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen, um Eigentümer bei den oft hohen Investitionen zu entlasten.

Maßnahmen der Lokalpolitik

Die Stadt Würzburg hat verschiedene Arbeitskreise und -gruppen ins Leben gerufen, die sich mit verschiedenen Aspekten des täglichen Lebens beschäftigen und individuelle Lösungen für unsere Region erarbeiten. Sie leistet so einen wichtigen Beitrag auf politischer Ebene um die Stadt auch in Zukunft lebenswert zu gestalten.
Beziehen sich viele private Initiativen auf Bereiche, die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betreffen, steht neben dem Thema des nachhaltigen Konsums vor allem das Feld der Mobilität im Mittelpunkt.

Mobilitätsentwicklung in und um Würzburg

Dieses komplexe Thema beinhaltet eine Vielzahl an Kriterien, welche die Entwicklung unserer Mobilität in der Zukunft beeinflussen werden. Hierzu wurden zuletzt verschiedene Anstrengungen unternommen, um den Zustand der Würzburger Verkehrsinfrastruktur zu untersuchen und zu bewerten. Neben einer Online-Umfrage zum Mobilitätsverhalten der Bürger fand im Oktober 2016 ein Kongress in diesem Zusammenhang statt.

Das Auto liegt zwar in Punkto Flexibilität immer noch an vorderster Stelle, verliert jedoch als Statussymbol zunehmend an Bedeutung. Der große Platzbedarf sowohl bei Straßen als auch zum Parken wird vor allem in Städten und Ballungszentren zunehmend problematisch. Auch der Treibstoffverbrauch spielt angesichts der ständig steigenden Ölpreise eine Rolle. Verschiedene Alternativen sollen deshalb zukünftig stärker gefördert werden:

  • ÖPNV: Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes ist ein Aspekt, um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen. Daneben sollen Maßnahmen wie ein überarbeiteter Fahrplan für die Straßenbahnen für eine größere Akzeptanz sorgen. Der Ausbau verschiedener Bus- und Bahnlinien, wie etwa der Linie 6, soll vorhandene Lücken auch in der Peripherie und im Umland schließen.
  • Elektromobilität: Im Bereich der Elektromobilität hat die Stadt Würzburg verschiedene Fördermöglichkeiten geschaffen, die einen Umstieg erleichtern sollen. Neben der staatlichen Unterstützung hat auch die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH ein Förderprogramm ausgearbeitet. Des Weiteren wird der Ausbau von öffentlich zugänglichen Ladestationen vorangetrieben.
    Die Stadtverwaltung selbst verfügt inzwischen über einen Fuhrpark von fünf Elektroautos und geht hier mit gutem Beispiel voran. Interessierte können sich im Rathaus auch umfassend beraten lassen. Pedelecs und E-Bikes spielen bei den Konzepten zur Elektromobilität ebenso eine wichtige Rolle. Auch hier ist die Erweiterung des Ladenetzwerks ein Faktor, der sich unter anderem im Bereich des Tourismus förderlich auswirken kann.
  • Carsharing: Das Teilen eines Autos anstelle eines eigenen Fahrzeugs ist eine weitere Alternative um den zunehmenden Platzbedarf von Kraftfahrzeugen einzudämmen. Dabei stehen in und um Würzburg bereits mehrere Angebote zur Verfügung. Der Arbeitskreis der Stadt möchte diese Möglichkeit gezielt bekannter machen und die Bürger über die spezifischen Vor- und Nachteile aufklären.
  • Radverkehr: Um die Innenstädte vom KFZ-Verkehr zu entlasten kann das Fahrrad als gute Alternative dienen. Würzburg hat hier bereits einige positive Gesichtspunkte zu bieten. So kann beispielsweise ein kostenloser Fahrradverleih in Anspruch genommen werden. Auch verschiedene Maßnahmen im Straßenverkehr, wie etwa geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung, sorgen für ein schnelles Vorankommen in der Stadt. Allerdings gibt es auch einige negative Punkte, die zum Teil mit geringen Investitionen zugunsten der Radfahrer geändert werden könnten. Die Instandhaltung und Reinigung der Radwege oder eine veränderte Ampelschaltung könnte den Anteil der Radler auf Würzburgs Straßen noch vergrößern. Wie in vielen Gemeinden ist die Akzeptanz der Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ein Problem. Hier setzen verschiedene Initiativen der Stadt an, um diese Art der Fortbewegung attraktiver zu machen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit unserem externen Redakteur Ludwig Hammerl.

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