Deutscher Professor auf Chinas Bestsellerliste

Verkaufsschlager

Vor über zehn Jahren schrieb Professor Dieter Kuhn ein Buch über die Song-Dynastie im späten chinesischen Mittelalter. 2016 erschien die chinesische Übersetzung in Peking – und wurde zum Verkaufsschlager.

Autoren aus dem Ausland auf der chinesischen Bestsellerliste – das kommt nicht so häufig vor. Professor Dieter Kuhn hat es geschafft: er ist einer der wenigen. Mit der sechsbändigen Reihe History of Imperial China, die 2009 von der Harvard University Press veröffentlicht wurde, schafften es der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Philologie des Fernen Ostens an der Universität Würzburg und seine fünf Co-Autoren auf Platz 28.

100.000 verkaufte Ausgaben

Bereits im Sommer 2004 kontaktierte Herausgeber Timothy Brook Professor Kuhn und fragte, ob er den vierten Band der Reihe zur Song-Dynastie und den Fremddynastien im späten chinesischen Mittelalter verfassen würde. Fünf Jahre nach der Zusage erschien das 364-seitige Buch unter dem Titel The Age of Confucian Rule. The Song Transformation of China.

Die Harvard University Press plante von Anfang an, das Buch in weitere Sprachen übersetzen zu lassen. Im Jahr 2015 erschien die koreanische Version in Seoul, 2016 die chinesische in Peking. Womit niemand gerechnet hatte: bis zum Ende des Jahres verkaufte sich die Reihe etwa 100.000 Mal in China. „Das hatten wir überhaupt nicht für möglich gehalten“, so Kuhn.

International erfolgreich

Denn dass ausländische wissenschaftliche Werke zum vormodernen China so einen Erfolg hätten, sei äußerst ungewöhnlich, so der Professor. Einer der Gründe dafür sei die finanziell und kulturell erstarkte Mittelschicht, die sich im vergangenen Jahrzehnt in China gebildet habe. Weiter erklärt der Sinologe: „Aufgrund der zunehmenden Öffnung des Landes interessieren sich immer mehr Chinesen für die Perspektive ausländischer Historiker.“

Auch in Amerika konnte die Buchreihe große Erfolge verbuchen: inzwischen zähle sie zur Grundlagenliteratur bei der Ausbildung von Historikern und Sinologen an amerikanischen Colleges und Universitäten, berichtet Kuhn.

Gesellschaftlicher Aufstieg

„Das Buch erklärt, wie in der Song-Dynastie ab dem Jahr 960 die konfuzianische Ideologie die neue Klasse von Beamten-Gelehrten prägte und wie ein strenges leistungsbezogenes Prüfungssystem aufgebaut wurde, das bis zum Ende der Kaiserzeit 1905 existierte.

Das Bildungs- und Prüfungssystem erlaubte nun auch talentierten Männern aus bescheidenen Verhältnissen den gesellschaftlichen Aufstieg“, erklärt Dieter Kuhn. Doch nicht nur auf die Gesellschaft hätten sich die Transformationsprozesse ausgewirkt, auch auf alle anderen Gebiete des Lebens, so der Wissenschaftler.

Weitreichende Neuerungen

„Die neue Klasse von Beamten-Gelehrten interpretierte philosophische Ideen auf ihre eigene Art und Weise. Sie stellte brauchbare Regeln für das Zusammenleben in Familie und Gesellschaft auf, liberalisierte die Wirtschaft, führte Steuerreformen durch und revolutionierte das Geldwesen durch die Einführung von Papiergeld“, weiß der Sinologe.

Die Folgen seien weitreichende Neuerungen auf verschiedenen Gebieten gewesen: im Buchdruck, in den technischen Bereichen, wie bei der Herstellung von Feuerwaffen und im Schiffsbau, in der Textilmanufaktur, der Landwirtschaft und im Bergbau. Laut Kuhn ebenfalls neu: „Die Beamten hielten ihre naturwissenschaftlichen und technischen Beobachtungen in Malerei und Schriften fest.“

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT