Lyrikerin Katharina Gareis. Archiv: Kunschtschätzeverlag
Lyrikerin Katharina Gareis. Archiv: Kunschtschätzeverlag

Lyrikerin Katharina Gareis-Zwicker zum 16. März

Trauerspiel

Mittlerweile ist die verheerende Bombennacht vom 16. März 1945 über 70 Jahre her. Die Stadt glich einem Ruinenfeld und war kaum wieder zu erkennen. Zahlreiche Bilder erinnern noch an diese traurige Zeit in der Geschichte der Stadt. Anlässlich der Bombennacht haben wir das Leben der Lyrikerin Katharina Zwicker, die viele Gedichte über diese Zeit verfasst hat, aufgegriffen.

Katharina Gareis-Zwicker

Geboren wurde Katharina Gareis (verheiratete Zwicker) am 3. November des Jahres 1920 in Versbach. Ab 2002 lebte sie dann in der Ordens- und Wohngemeinschaft der Augustinus Schwestern am „Zwickerleinshof“ / Heuchelhof, einer Drittordens-Gemeinschaft von verheirateten und unverheirateten Frauen. Sie verstarb im hohen Alter von 95 Jahren am 6. Februar 2016 in Würzburg.

Kindheit und Jugend

Die Eltern von Katharina Gareis (-Zwicker) betrieben die Versbacher Dorf-Bäckerei „Gareis“ mit einer angegliederten Poststelle. Diese wurde von ihrer Mutter mit allen amtlichen Aufgaben wie Paketdienste, Postbank-Geschäften und telegraphischen Postanweisungen betrieben. Die Familie war im Jahr 1925 das erste Unternehmen des Dorfes mit einem eigenen Telefon. Dadurch war es Katharina Gareis (-Zwicker) möglich, die postamtlichen Geschäftsvorgänge sowie die technischen Neuerungen der 20er-Jahre kennenzulernen.

Schulzeit und Studium

Nach der Grundschulzeit in Versbach besuchte Katharina Gareis(-Zwicker) das Mädchengymnasium der Ursulinen in Würzburg. Danach begab sie sich in das Internat am Lehrerinnenbildungs-Seminar in Aschaffenburg. Als junges Mädchen trat sie außerdem dem Bund der deutschen Mädchen und Arbeitsdienst bei. Von 1941 bis 1945 begann sie während der Kriegszeit ihr Studium der Germanistik, Geographie und Geschichte in München, Würzburg und Tübingen. Sie begann bereits im Jahr 1944 ihre Doktorarbeit über ein Hölderlin-Thema. Diese verlor sich jedoch mit der Zerstörung der Universität 1945 und ihrer Heirat mit dem Berufsfotografen Eberhard Zwicker im Jahr 1947 im „Später… bis Irgendwann… – dann nicht mehr…“.

Kriegszeit

Nachdem es in der Sowjetischen Besatzungszone für Katharina und Eberhard Zwicker keinerlei Berufsaussichten gab, flüchteten sie gemeinsam im Jahr 1948/49 in die westliche amerikanische Besatzungszone, in das Bäckerei-Elternhaus nach Versbach. Dort blieben sie bis zur Geburt des dritten Kindes 1953, dann konnte (mit elterlicher Hilfe) eine kleine 2,5-Zimmer-Wohnung in Würzburg bezogen werden.

Gedichte

Als ihre jüngere Schwester im Jahr 1942/ 43 ihren Bräutigam zwei Wochen vor der angesetzten Hochzeit in den damaligen Kriegsereignissen verliert, versucht Katharina ihrer Schwester durch Gedichte Trost zu spenden. Von da an, bis über das 90. Lebensjahr hinaus, verschriftlichte sie ihre Gedanken und Eindrücke zu Krieg, Liebe, Leben, Frieden in Form von Gedichten. Später kamen die Themen Haus, Garten, Familie, Kinder, Transzendenz/ Glaube, Religiosität hinzu. Zudem standen Liebe und Harmonie stark im Fokus der Lyrikerin. Das Lebensthema der Katharina Zwicker war die Schönheit:

„Eines lieb ich am meisten
DAS SCHÖNE
ich kann es nicht aushalten
ich kann mich nicht zurückhalten
ich gerate in
GOTTESFURCHT“

Einen kleinen Teil ihres Werkes fasste sie im Jahr 1990 im Gedichtband „Eine Frau sein“ zusammen und veröffentlichte diesen im Selbstverlag. Ihre Arbeit wurde vor ca. 10-15 Jahren in mehreren internationalen Literatur-Wettbewerben gewürdigt. Ein weiteres Werk „Ein Augenblick fasst die Erinnerung“ umfasst eine Auswahl aus 50 Jahren Lyrik und Prosa der Katharina Zwicker, publiziert 2008. In einem 6. zeiligen Werk der Sammlung teilt Katharina Gareis-Zwicker ihre Gedanken zum Krieg.

Ich  frag
Wird  Frieden  jemals  sein?

Ich frag den Traum
Das Echo rufet  – – ein
Der Sturm fährt um die Burg
und heult durch Nacht und Hof und Bein.

Leider holte auch sie das Alter ein und so verlor sie gegen Ende ihres Lebens die Fähigkeit zur Sprache und erkrankte an Altersdemenz.

 

 

 

Würzburg – sechzehnter März 1945
Dresden – sechzehnter Februar

Vom 18. – 20. März 45 als 24-Jährige gedacht und geschrieben von Käthe Gareis
O Stadt, die starb im Feuerregen dieser Nacht
verbrannt verkohlt
zu Asche all dein Hab und Gut geworden
ich lieb dich immer noch
lieb dich an fremden Orten.
In jedem Atemzug haucht deine Seele aus
in meiner Adern Glut nehm‘ ich dein Brennen auf
und auf der Zunge klebt dein Gaumen mir
in jedem Bissen Brot schmeck ich fortan den Rauch
den Rauch von heut und hier
der uns ersticken macht, den Rauch so beißend grell,
daß selbst das Eingeweide seinen Dienst versagt.
O Stadt, die starb
ich lieb dich noch so sehr,
ohn Augenlicht, ohn Arm und Bein
liegst du im schwarzen Dom in vielen Toten da.
Wo wird ein Morgen sein ?
Zu glühendem Gebirg dein Häusermeer
es steht um mich als neue Erde da.
Wohin ? Wohin ?
Die Flucht ins Frankenland
tritt jede Bibliothek, tritt jeglicher Faszikel an.
Hinauf in heiße Luft
reißt‘s Blatt und Brief und Recht und jedes Meßgewand.
Hinab fließt Glockenerz
und schmelzt Monstranzen klein.
Wohin denn ich ?
Das soll ein Opfer sein?
O Stadt am Main, o Elbstadt meilenweit !
Brandopfer du von tausend vollen Jahren !
Wer gab dich hin ?
Wem bist du aufgefahren ?
Ich lege meine Hand auf diesen heißen Boden
wie auf Den ALTAR dieser Zeit
und ALLER ihrer Toten.
von Käthe Gareis (später verheiratete Zwicker, *1920 – 6. Febr. 2016)

Der Artikel beruht auf Informationen des KunstSCHÄTZEverlages; (Frau Zwicker-Berberich ist eine Tochter der Lyrikerin Käthe Gareis-Zwicker).

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