Der Kardinal-Faulhaber-Platz. Foto: Pascal Höfig
Der Kardinal-Faulhaber-Platz. Foto: Pascal Höfig

Neue Diskussionen um Kardinal-Faulhaber-Platz

WümS und Handelsverband

Schon längere Zeit wird über die Neugestaltung und vor allem Neuordnung am Kardinal-Faulhaber-Platz gegenüber des Theaters diskutiert. Jetzt haben das Stadtmarketing „WümS“ und der Handelsverband Bayern eine gemeinsame Stellungnahme dazu abgegeben. Sie wollen eine teilweise Bebauung mit einer Tiefgarage, aber auch Grünflächen. Damit würde ein passender Abschluss für die neugestaltete Fußgängerzone Eichhorn-/Spiegelstraße geschaffen werden, heißt es in der Stellungnahme. Für diese Variante ist auch ein großer Teil des Stadtrates.

Bürgerentscheid?

Nur das Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ fordert eine komplette Begrünung des Platzes. Es wurden bisher rund 6.000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt. Diese werden am morgigen Freitag im Rathaus vorgelegt. Somit könnte es durchaus möglich sein, dass die Würzburger Bürger, ähnlich wie beim Mozartareal, über die Zukunft des Kardinal-Faulhaber-Platzes entscheiden dürfen.

Lebendig und urban

Stadtmarketing und Handelsverband Bayern gaben folgende Stellungnahme ab:

Die von der Stadtbildkommission favorisierte Gestaltungsvariante beinhaltet einen lebendigen und urbanen Platz, der sowohl den wirtschaftlichen Interessen, als auch dem Wunsch nach Begrünung und Verweilen nachkommt. Durch die Einbeziehung der im vorderen Bereich gelegenen Straße wird die „bespielbare“ Fläche sogar größer, als es mit der Nutzung des Kardinal-Faulhaber-Platzes allein möglich wäre. Die zurückhaltende Bebauung im hinteren Bereich lässt es zu, den Platzcharakter in direktem Anschluss an die Spiegel- und die Theaterstraße zu entwickeln. Damit wird ein richtiger und vor allem auch konsensfähiger Weg eingeschlagen.

Präferierte Variante

Diese auch von uns präferierte Planungsvariante kann der ursprünglichen und weiterhin sinnvollen Strategiesetzung zur neuen Fußgängerzone gerecht werden. Der Erfolg der Neugestaltung des Quartiers Eichhorn-/Spiegelstraße hängt in hohem Maße davon ab, wie die Endpunkte der Einkaufsstraßen gestaltet sind. Hier sind lebendige und zumindest anteilig wirtschaftsorientierte Schlusspunkte notwendig, um die für die ansässigen Unternehmen erforderlichen Kundenbesuchszahlen sicherzustellen.

Mischung nötig

Einkaufsstraßen ohne geeigneten Abschluss kämpfen häufig mit nicht ausreichenden Frequenzen, da Passanten einen Durchgang schneller abbrechen, wenn sie erwarten, dass am Ende einer Straße „nichts mehr los“ ist. Eine durchmischte Nutzung aus Handel und Gastronomie, ergänzt durch Hotellerie und/oder Dienstleistungen, Arztpraxen etc. auf dem Kardinal- Faulhaber-Platz, kann für den Endpunkt passend sein. Eine reine Parkanlage jedoch stellt den gewünschten Abschluss des Quartiers Eichhorn-/Spiegelstraße in keinem Fall dar.

Tiefgarage richtige Entscheidung

V.a. angesichts der aktuellen Umwälzungen durch Digitalisierung, Onlinehandel und periphere Handelsangebote, ist es zentrale Aufgabe einer Stadt, ihre Erreichbarkeit gleichberechtigt für alle Verkehrsteilnehmer (Rad, Auto, ÖPNV und Fußgänger) konzeptionell zu verbessern, um sich selbst am Leben zu erhalten und unschöne Leerstände zu minimieren. Die Schaffung einer ausreichend dimensionierten Tiefgarage unter Einbettung in das städtische Parkraummanagement ist somit eine richtige und vorausschauende Planung, um Verkehrsströme effizient und sinnvoll zu organisieren. Dabei werden zwei Belange berücksichtigt:

Die Tiefgarage ist sowohl dazu geeignet, die Erreichbarkeit der Innenstadt zu erhalten und zu fördern, wie auch den automobilen Verkehr zügig aufzunehmen und somit den Park-Such-Verkehr im Umfeld zu reduzieren. Darüber hinaus ergeben sich für die fortgesetzte Verkehrsplanung im Umfeld des Kardinal-Faulhaber-Platzes z.B. bzgl. ÖPNV, Carsharing und Bikesharing verkehrsentlastende Gestaltungsalternativen, ohne einen der wichtigsten Standortfaktoren der Stadt beschneiden zu müssen.

Großteil auf individuelle Anreise angewiesen

Tendenzen, den Individualverkehr nicht mehr willkommen zu heißen, sind gerade für ein Oberzentrum wie Würzburg gefährlich, da die Menschen und damit die Wirtschaftskraft überwiegend aus dem Umland stammen. Dies zeigt u.a. das Würzburger Handelsgutachten, das ein Marktgebiet mit rund 875.000 Einwohnern ausweist. Rund 85 Prozent der Menschen kommen nicht aus dem Stadtgebiet und sind überwiegend auf die individuelle Anreise bzw. den ÖPNV angewiesen.

Daran wird sich auch durch den ökologisch sinnvollen Umstieg auf die e-Mobilität kaum etwas ändern – auch strombetriebene Fahrzeuge wollen innerstädtisch, am besten unterirdisch, geparkt werden. Somit müssen Individualverkehr und Parkraumkonzept auch in Zukunft ein wichtiger Teil der Überlegungen bleiben, um die Funktionen einer Stadt wie Würzburg mit überregionaler Ausstrahlung und überregionalen Aufgaben weiterhin erfüllen zu können.

Für Initiativen offen

Selbstverständlich stehen die Würzburger Unternehmen sinnvollen Initiativen, die auch verkehrsberuhigend und -entlastend wirken, offen und aktiv gegenüber. Beispiel aus dem Umgriff des Kardinal-Faulhaber-Platzes ist die Initiative der Unternehmer, die Eichhorn- und Spiegelstraße früher als vorgesehen verkehrsfrei zu halten. Aktuell setzen sich Geschäftsleute aus der Theaterstraße für eine Verkehrsberuhigung und für die Reduzierung des Durchgangsverkehrs ein.

Wir sind daher nicht der Meinung, dass Würzburg „kurzsichtige verkehrspolitische autofixierte Kriterien“ vollzieht, wie eine Bürgerinitiative behauptet, sondern auf einen sinnvollen Ausgleich der Interessen setzt. Dieser Ausgleich ist für eine funktionsfähige und attraktive Würzburger Innenstadt als wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Mittelpunkt von zentraler Bedeutung.

Punkte verbesserungswürdig

Natürlich lassen sich auch aus unserer Sicht einige Punkte verbessern, zu denen z.B. der Ausbau der Park&Ride-Angebote, die Überarbeitung des Verkehrsleitsystems und die Überwachung der Verkehrseinschränkungen am Stadtring zählen. Deren Optimierung kann nach unserer Überzeugung ebenso eine Verkehrsentlastung bedeuten, ohne einen wichtigen Verkehrsteilnehmer auszugrenzen.

Ökologisch und ökonomisch

Durch eine Platzgestaltung am Kardinal-Faulhaber-Platz mit maßvoller Bebauung, Tiefgarage und eingebundener Begrünung lassen sich ökologische und ökonomische Ziele miteinander verknüpfen und in Einklang bringen. Die Fokussierung auf das Wachstum im Herzen Würzburgs ist von erheblicher Bedeutung, um den momentan noch bestehenden attraktiven Mix aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung – jeweils mit einem hohen Anteil an inhabergeführten und hier ansässigen Unternehmen – für die Zukunft unserer lebenswerten, liebenswürdigen und lebendigen Innenstadt zu erhalten und zu fördern.

Artikel beruht auf Informationen des Stadtmarketings „Würzburg macht Spaß“ e.V. und des Handelsverbands Bayern – Bezirk Unterfranken.

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