Susanne Waldmann von Unverpackt Würzburg. Foto: Jessica Wille
Susanne Waldmann von Unverpackt Würzburg. Foto: Jessica Wille

5 Fragen an Unverpackt Würzburg

Eröffnung am Donnerstag

Morgen ist es soweit: Würzburgs erster verpackungsfreier Supermarkt eröffnet in der Sanderstraße. Wir haben dem Team um Inhaberin Susanne Waldmann vorab 5 Fragen rund um Hintergründe, Philosophie und Umsetzung gestellt.

Würzburg erleben (WE): Wird es bei Euch im Schnitt teurer oder günstiger als im Supermarkt?

Susanne: Weder noch. Die Produkte werden etwa gleich viel kosten wie im Biomarkt. Natürlich gibt es Produkte, die teurer sind, aber auch genügend, die unter den durchschnittlichen Bio-Preisen liegen. Das liegt zum einen daran, dass der Verpackungspreis wegfällt und zum anderen, dass wir unsere Produkte auf kürzestem Wege vom Produzenten beziehen. Günstiger wird zum Beispiel Getreide, einfach weil wir das ohne Zwischenhändler vom Landwirt beziehen.

Mir ist im Großen und Ganzen wichtig, dass unser Angebot aus der Nähe kommt! Und natürlich sind wir auch Bio-zertifiziert: Bei uns ist also bio drin, wo bio draufsteht.

Regionale Zulieferer, kurze Wege

WE: Und woher kommen die Produkte genau?

Susanne: Wir arbeiten mit vielen Landwirten und Produzenten aus nächster Nähe zusammen. Unser Gemüse kommt beispielsweise vom Bioland-Hof Kraus-Egbers in Oberaltertheim und das Brot wird in Versbach gebacken, in der Bio-Bäckerei Thyen. Natürlich sind wir zusätzlich auf Großhändler angewiesen, aber auch bei denen achten wir auf möglichst kurze Wege.

Auch Kaffee und Kakao haben wir im Sortiment, den Kakao sogar direkt aus Würzburg von Perú Puro. Das ist eine wunderbare kleine Firma, die direkt in Kontakt mit den Kakaobauern in Peru stehen. Bei Unverpackt kann man dann nicht nur herkömmlichen Kakao kaufen, sondern zum Beispiel auch ungeröstete Bohnen zum Kauen – die empfehle ich immer Studenten in der Prüfungsphase, da sind ganz viele Antioxidantien drin, die machen richtig glücklich!

Würzburgs erster Supermarkt ohne Verpackungen

Alles in allem finde ich: Je weiter weg der Produzent, desto undurchschaubarer wird der gesamte Prozess, deswegen legen wir großen Wert auf regionale Zulieferer und kurze Wege. Wenn wir etwas lokal beziehen können, warum es dann von woanders holen?

Behälter aus nachwachsenden Rohstoffen

WE: Angenommen, man hat nicht genug Behälter zum Einkaufen zu Hause: Kann man bei Euch welche kaufen?

Susanne: Klar! Darauf sind wir natürlich vorbereitet. Wir haben ganz simple Einmachgläser hier im Laden und auch noch wiederverwendbare Boxen aus ökologischem Material: Das sind die Naturboxen von ajaa, die sind besonders leicht und werden aus den Fasern hergestellt, die bei der Zuckergewinnung entstehen – also komplett aus nachwachsenden Rohstoffen. Die haben wir in mehreren Größen, es ist also für jeden die richtige dabei.

WE: Was wird es außer dem Verkauf noch geben? Welche Ideen habt Ihr für die Zukunft?

Susanne: Wir haben natürlich noch ganz viele andere Pläne, werden uns aber zunächst auf den Verkauf konzentrieren. Eine Sache, die es allerdings von Anfang an geben wird, ist unser Kunde-zu-Kunde-Regal. Hier können Kunden beispielsweise Behälter reinstellen, die sie nicht mehr benötigen, sodass ein anderer diese nehmen kann. Oder auch Bücher und andere Dinge, die der Unverpackt-Idee entsprechen, Rezepte zum Beispiel.

Ansonsten möchten wir in Zukunft gerne Veranstaltungen anbieten, um Interessierte beispielsweise über Anbau und Fairtrade aufzuklären. Und – das ist aber wirklich noch Zukunftsmusik – ich fände es super, wenn man irgendwann bei uns solidarisch einkaufen könnte. In frühestens zwei Jahren wird das hoffentlich so sein, dass wir an bestimmten Tagen Produkte zu vergünstigten Preisen abgeben. Dabei ist es mir egal, ob davon ein Hartz-IV-Empfänger profitiert, ein Student oder eine alleinerziehende Mutter – dieses Angebot ist für alle da, bei denen es gerade knapp in der Kasse ist.

WE: Was wird der Renner im Laden? 

Susanne: Haferflocken! Die hat man ja eh immer zu Hause und da werden ganz viele Leute froh sein, wenn sie die ohne unnötigen Verpackungsmüll bekommen. Außerdem auch Nudeln und eben alles, was man auch so im Supermarkt kaufen würde – nur hier eben unverpackt.

Eine kleine Einkaufsanleitung…

… wird pünktlich zur Eröffnung als Plakat an der Wand hängen. Es ist aber denkbar einfach: Zuerst wird der mitgebrachte oder bei uns gekaufte Behälter gewogen, damit an der Kasse wirklich nur das Gewicht des Produkts abgezogen wird. Dann füllt man seine Behälter mit allem, was man eben möchte und geht zur Kasse. So einfach ist das!

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