Um den Witz der Sprache auf der Bühne und nicht nur die groben Inhalte mitverfolgen zu können, blendete Annika Semmler für das Publikum deutsche Übertitel ein. Foto: FHWS / Klein
Um den Witz der Sprache auf der Bühne und nicht nur die groben Inhalte mitverfolgen zu können, blendete Annika Semmler für das Publikum deutsche Übertitel ein. Foto: FHWS / Klein

Italienisches Theater mit deutschen Übertiteln

„La Locandiera“

In der Komödie „La Locandiera“ („Die Wirtin“) von Carlo Goldoni, aufgeführt im Würzburger Theater Chambinzky vom internationalen Ensemble des „Teatro In Cerca“, geht es um die intelligente und hübsche Wirtin Mirandolina, die in ihrem Florentiner Gasthaus den reichen Conte von Albafiorita und den armen Marchese di Forlipopoli beherbergt. Beide rivalisieren nicht nur um die Gunst der stolzen und unverheirateten Wirtin, sondern auch um ihr Geschäft. Die Handlungen auf der Bühne können alle Theatergäste mitverfolgen, vermutlich jedoch nicht immer jeden Sprachwitz.

Komplette deutsche Übertitelung

Wenn die Italienisch-Kenntnisse gerade noch abends im Restaurant ausreichen, man aber die Sprache so gern hört, kann man trotzdem eine Eintrittskarte erwerben: Annika Semmler, Masterabsolventin des Studiengangs Fach- und Medienübersetzen an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, hat sich in ihrer Masterarbeit „Übertitelung des Theaterstücks La Locandiera – Versuch und Analyse“ nicht nur theoretisch mit der Übertragung von Theaterstücken auseinandergesetzt, sondern eine komplette Übertitelung des Theaterstückes angefertigt.

Live-Einblendung

Mehrere hundert Textzeilen werden als Power-Point-Datei auf eine schwarze Blende über der Bühne projiziert und ermöglichen auch Zuschauern ohne umfangreiche Italienischkenntnisse, alle Pointen mitzubekommen. Mit der Übersetzung und der Aufteilung des Textes auf die einzelnen Übertitel war die Arbeit nicht getan: Die Studentin blendet bei jeder Aufführung die Übertitel live ein, denn die Schauspieler sprechen mal schneller und mal langsamer – und alle Übertitel müssen exakt synchron zu dem auf der Bühne gesprochenen Text und den Handlungen passen.

Publikum wird befragt

Annika Semmler liebt das Theater und kam so auf die Idee zu ihrer Masterarbeit. Ihr war es darüber hinaus wichtig, ein Projekt zu bearbeiten, das auch einen „praktischen“ Wert hat und nicht nur als ein weiteres Werk in die Bibliothek eingestellt wird. Daher befragt sie bei jeder Aufführung das Publikum, inwieweit ihre Übertitelungen erfolgreich sind zum besseren Sprachverständnis des Stückes. Sie wird die Ergebnisse auswerten und einfließen lassen in ihre Abschlussarbeit, die Professorin Dr. Heike Jüngst und Professorin Dr. Maike Hansen betreuen. Bis jetzt, so Semmler, fielen die Ergebnisse sehr positiv aus. 

Weitere Informationen unter www.chambinzky.com.

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