Führung durch die Neubaustraße am Tag des offenen Denkmals. Foto: Dr. Johannes Sander
Führung durch die Neubaustraße am Tag des offenen Denkmals. Foto: Dr. Johannes Sander

Kritik an Umgestaltung der Neubaustraße

Stadträtin und Polizeigewerkschaft

Wie bereits berichtet, soll die Neubaustraße einer Umgestaltung unterzogen werden. Neben der Verringerung der Fahrbahnbreite und mehr Grünflächen, ist auch die Regelung einer Einbahnstraße Richtung Main zwischen Augustiner- und Peterstraße Gegenstand der Diskussion. In die Gegenrichtung sollen nur noch Radfahrer und, wenn nötig, Polizeieinsatzfahrzeuge mit Martinshorn und Blaulicht fahren dürfen. Und genau diesen Umstand kritisieren jetzt die Gewerkschaft der Polizei und Stadträtin Charlotte Schloßareck.

Einbahnstraße birgt Sicherheitsrisiken

Die Kreisgruppe Würzburg der Gewerkschaft der Polizei (GdP) übt heftige Kritik an den Plänen, die Neubaustraße in Würzburg zu einer Einbahnstraße umzugestalten. „Eine Einbahnstraßenregelung führt zu Verzögerungen im Einsatzfall und erhöht deutlich das Sicherheitsrisiko“, so der GdP-Vorsitzende Christian Schulz in einer Pressemitteilung.

Bis zu 300 Beamte

„In der Eile zählt jede Sekunde“

Die Polizeiinspektion Würzburg-Stadt, welche für das gesamte Stadtgebiet zuständig ist, wird in wenigen Wochen das generalsanierte Dienstgebäude in der Augustinerstraße beziehen. Bis zu 300 Beamte werden dort ihren Dienst verrichten – entsprechend hoch wird auch das Einsatzaufkommen sein. Mehrmals täglich werden die Einsatzkräfte von der Dienststelle aus mit Blaulicht und Einsatzhorn zu besonders dringenden Einsätzen ausrücken. „In der Eile zählt jede Sekunde – die Beamten müssen möglichst auf direktem Wege zu den jeweiligen Ereignisorten gelangen können“, so Schulz in der Pressemitteilung der Polizeigewerkschaft.

Deutliche Warnung

Vor dem Vorschlag, die Beamten könnten doch im Einsatzfall mit Blaulicht und Einsatzhorn die Einbahnstraße entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren, warnt Schulz sehr deutlich: „Ein derartiges Befahren birgt ein hohes Gefährdungsrisiko für andere Verkehrsteilnehmer sowie Streifenwagenbesatzung und wird in der Realität tunlichst von den Beamten vermieden – es sei denn, die Einsatzstelle befindet sich in der Einbahnstraße“, heißt es in der Pressmitteilung.

Statement des Stadtbaurates

Zudem müssten die Beamten für die gesamte Fahrdauer entgegen der Einbahnstraße dauerhaft das laute Einsatzhorn einschalten, was tagsüber den Lehrbetrieb an den anliegenden Schulen und nachts die Hotelgäste sowie Anwohner deutlich stören dürfte.

Umweg zum Einsatzort

Folglich müssten die Polizisten im Fall „Einbahnstraße Neubaustraße“ insbesondere die nord-östlich gelegenen Stadtteile über Umwege anfahren. „Um von der Augustinerstraße zur Residenz gelangen zu können, würde sich die Fahrtdauer von vier auf mindestens acht Minuten verdoppeln und die Fahrtstrecke um mehr als 1 km verlängern“ rechnet Schulz in einer Pressemitteilung vor. Ungeachtet dessen befinden sich auf der Strecke des Umweges, wie z. B. am Sanderring, auch viele stark frequentierte Kreuzungen und Mischverkehr mit Bussen sowie Straßenbahnen.

„Bayerns größte Polizeidienststelle würde somit vom Würzburger Stadtgebiet nahezu abgenabelt werden“ warnt der Vorsitzende Schulz. Die GdP hofft daher, dass die vorgelegte Konzeptstudie bald eingestampft wird – zumindest was die Einbahnstraßenregelung angeht.

Charlotte Schloßareck kritisiert

Auch Stadträtin Charlotte Schloßareck vom Bürgerforum ist gegen eine Einbahnregelung in der Neubaustraße und brachte dies in einer schriftlichen Anfrage an den Oberbürgermeister zum Ausdruck. Bereits in der Sitzung am 17. Januar hatte sie gegen die Pläne der Verwaltung zur Umgestaltung der Neubaustraße gestimmt.

„Pläne zur Aufwertung von Straßenzügen sind grundsätzlich immer begrüßenswert. Im Fall der Neubaustraße wurde allerdings nicht nur ich davon völlig überrascht. Weder wurde das Thema vorab im Ältestenrat besprochen, noch wurden die Anwohner im Vorfeld eingebunden. Diese mussten, genau wie ich, durch die Medien von den geplanten Umbau- und Umgestaltungsplänen vor ihrer Tür erfahren“, hieß es in einer Pressemitteilung der Stadträtin.

Parkplatzwegfall und Polizeiarbeit

Ein Grund, die Konzeptstudie der Verwaltung abzulehnen, war für Schloßareck der nicht zu akzeptierende ersatzlose Wegfall der 28 Parkplätze. Völlig unklar sind für die Stadträtin zudem auch die mit einer Umgestaltung verbundenen Auswirkungen auf die Arbeit der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt. Diese haben in der bisherigen Diskussion noch keine Rolle gespielt. Dabei wird die Polizeiinspektion, wenn sie nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen in Kürze wieder ihren Standort in der Augustinerstraße bezieht, von den Umgestaltungsplänen massiv betroffen sein.

Weg abschneiden

Dazu Schloßareck in einer Pressemitteilung: „Die Beamtinnen und Beamten unserer Polizei können ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie ihre Einsatzorte ohne Umwege und Verzögerungen erreichen können. Eine Einbahnstraße in der Neubaustraße Richtung Main würde allerdings den direkten Weg vom Standort der Polizeiinspektion in der Augustinerstraße ins Frauenland und den Osten der Stadt abschneiden.“

Anfrage im Stadtrat

Ob und wie diese Problematik im Vorfeld mit den Verantwortlichen der Polizeiinspektion Würzburg- Stadt thematisiert wurde, will Schloßareck mit einer schriftlichen Anfrage im Stadtrat klären: „Zunächst geht es darum zu erfahren, ob die Stadt die Polizeiinspektion überhaupt um eine Stellungnahme zu den Umgestaltungsplänen der Neubaustraße gebeten hat und wenn ja, ob darin die mit einer Einbahnstraße in der Neubaustraße verbundenen Probleme thematisiert wurde. Ein Vorgang, der aus meiner Sicht zwingend erforderlich gewesen wäre.“

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