Eine Ausstellung zur Laubhütte von Mendel Rosenthal - Foto: Kathrin Heyer
Eine Ausstellung zur Laubhütte von Mendel Rosenthal - Foto: Kathrin Heyer

Einblicke in die Zeller Laubhütte

Bedeutende jüdische Persönlichkeit

Mendel Rosenbaum (1783-1868) war eine bedeutende Persönlichkeit für die unterfränkischen Juden. Geboren 1783 bei Werneck, lebte er mit seiner Familie dort bis 1822. Im Zuge der gewalttätigen Hep-Hep Unruhen, die sich ab 1819 von Würzburg aus nach ganz Deutschland ausbreiteten, war das Leben für die Juden schwierig geworden.

Mendel Rosenbaum

Christliche Bürger beklagten sich immer wieder über die drohende wirtschaftliche Konkurrenz durch die Juden, die ab 1813 zögerlich Bürgerrechte erhielten. 1822 zog Rosenbaum nach Unterzell, nachdem die Ziege der Familie im Stall getötet und an einem Stock aufgehängt wurde. 1827 erhielt Mendel Rosenbaum das Bürgerrecht in Zell.

Dort lebte er mit seiner Ehefrau Mendle und den neun Kindern im „Judenhof“, dem ehemaligen Propstei- und Wirtschaftshof des säkularisierten Unterzeller Frauenklosters. Hier installierte er den ersten Zeller Kaufladen und handelte mit koscheren Lebensmitteln, Mehl, Gewürzen, Eisen, Leder, Schnittwaren, Seilen, Nägeln, Zigarren, Esswaren, Stoffen.

Sein jüngster Sohn Jona übernahm das Geschäft und eröffnete 1871 in der Würzburger Augustinerstraße 18 eine Konditorei und Feinbäckerei. Mendel Rosenbaums ältester Sohn Moses übernahm die Nagelschmiede im heutigen Anwesen Judenhof 13 und durfte jüdische Lehrlinge ausbilden. Sohn Elias Raphael saß im Konsistorium der Würzburger Israelitischen Lehrerbildungsanstalt.

Umzug nach Memmingen

Mitte der 1870er Jahre zog Moses Rosenbaum nach Memmingen, blieb aber Beisitzer im Zeller Turnverein. Im Anwesen der Rosenbaums in Zell befanden sich ein Betraum und die bis heute gut erhaltene Laubhütte. Hier feierte die Familie jedes Jahr das Laubhüttenfest. Darüber hinaus unterhielten Mendel und seine Söhne eine Talmudschule, die von zwei Söhnen weitergeführt wurde.

Der „Judenbischof von Zell“ genannte Mendel Rosenbaum machte sich besonders einen Namen als politischer Sprecher der fränkischen Juden in den 1850er-Jahren. Rosenbaum bat beim bayerischen König Maximilian II. auf Aufhebung der Handelsbeschränkungen für die Israeliten und konnte dies nach mehreren Verhandlungen erreichen. 1861 fiel dieser Paragraf.

Historische Laubhütte

Die historische Laubhütte der Familie Rosenbaum befindet sich heute im Besitz der Marktgemeinde Zell am Main und wird nach Abschluss der Sanierungsarbeiten als Kulturdenkmal öffentlich zugänglich werden. Während der Planungs- und Bauarbeiten ist die Laubhütte nicht zu besichtigen. Der Freundeskreis der Zeller Laubhütte brachte daher die Wanderausstellung auf den Weg.

Beeindruckende Aufnahmen der Fotografin Katrin Heyer aus Veitshöchheim zeigen den heutigen Zustand der Laubhütte im Innern und im Detail. Texte der Kulturwissenschaftlerin Annette Taigel aus Zell a. Main erklären die Laubhütte und werfen Licht auf das Leben und Wirken des Reb Mendel Rosenbaum (1783-1868) zur Emanzipationszeit als Kopf einer kleinen jüdischen Gemeinde in Zell und als namhafter Fürsprecher der Juden in Unterfranken. Die Gestaltung der Texte übernahm der Würzburger Graphikdesigner Ulli Hantke. www.zellerlaubhuette.de.

Ausstellung im Rathaus

Die Wanderausstellung „Einblicke in die Zeller Laubhütte“ wird am Donnerstag, 9. Februar 2017, um 17 Uhr im Oberen Foyer des Rathauses der Stadt Würzburg eröffnet und wird zu sehen sein bis 24. Februar 2017.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

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