Uni Würzburg. Symbolfoto: Pascal Höfig
Uni Würzburg. Symbolfoto: Pascal Höfig

Lehramt: 572 Studierende erhielten Abschlusszeugnis

Differenz und Kreativität

Können Kinder mit und ohne Behinderung tatsächlich in einer Klasse unterrichtet werden? „Ja natürlich!“, ist Christoph Ratz von der Universität Würzburg überzeugt. Voraussetzung sei, dass Lehrerinnen und Lehrer Mut zur Differenz sowie Kreativität mitbringen, legte der Geistigbehindertenpädagoge in seiner Festrede bei der akademischen Abschlussfeier aller Lehramtsstudiengänge dar. „Haben sie keine Angst vor Inklusion!“, lautete der Appell des Forschers.

Bestnoten

572 angehende Lehrerinnen und Lehrer haben im Wintersemester 2016/17 an der Würzburger Universität erfolgreich ihr erstes Staatsexamen abgelegt. Für sie richtete das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZfL) am Donnerstag, 19. Januar, in der Neubaukirche eine akademische Abschlussfeier aus. Dabei ehrte Professor Thomas Trefzger, Vorstand des ZfL, auch die fünf Prüfungsbesten.

Unter 259 angehenden Gymnasiallehrern schloss Maximilian Queck sein Studium als Bester ab. 60 junge Leute qualifizierten sich für das Lehramt an Realschulen. Das beste Staatsexamen schaffte Maximilian Wagner. Beste unter 27 angehenden Hauptschullehrerinnen und Hauptschullehrern ist Laura Rubin, bester unter 108 Grundschullehrern Janek Fontaine. 118 Studierende traten zum Staatsexamen im Bereich Sonderpädagogik an. Die besten Noten erzielte Julia Graf.

Inklusion umsetzen

In seinem Festvortrag zeigte Christoph Ratz Möglichkeiten auf, wie die aus der UN-Behindertenrechtskonvention resultierende Verpflichtung zur Inklusion in der Schule umgesetzt werden kann. Lehrkräfte, die in inklusiven Klassen eingesetzt werden, sollten auf gute Rahmenbedingungen achten.

Das betrifft zum Beispiel die Fachlichkeit. Neben zu großen Klassen sind Ratz zufolge auch Helfer als Unterstützer beim inklusiven Unterrichten abzulehnen, die nicht fachlich qualifiziert sind. Auch sollten sich die Pädagogen für Professionalisierung stark machen. „Bestehen Sie auf Fortbildungen und lernen Sie, Ihre eigenen Grenzen zu erkennen“, so Ratz.

Fehler gehören zum Alltag

Bedeutsam für den Unterricht in inklusiven Klassen sei es schließlich, die Ressourcen von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung zu entdecken und ihre Lerneigenheiten zu verstehen. „Schauen Sie den Kindern beim Lernen zu, das ist ausgesprochen spannend“, versicherte Ratz.

Darüber hinaus ist es dem Sonderpädagogen wichtig, zu vermitteln, dass Fehler, ganz unabhängig vom „Thema“ Inklusion, zum Schulalltag dazugehören. Nach seiner Wahrnehmung werden Fehler in deutschen Schulen pädagogisch noch immer falsch eingeschätzt. Dabei seien sie etwas durch und durch Positives: „Nur aus Fehlern entsteht Erkenntnis.“

Keine Angst vor Inklusion

Ausführlich ging Ratz in seiner Festrede auf die Ängste von Pädagogen aber auch Eltern vor Inklusion ein. So fragen sich viele Lehrerinnen und Lehrer, ob ihre Mühe beim gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung am Ende mit einem deutlich schlechteren „Output“ im Vergleich zu homogenen Klassen quittiert wird.

Aus ähnlichen Gründen lehnen viele Eltern den gemeinsamen Unterricht ab. „Doch die Leistung der Schüler leidet nicht unter Inklusion“, betonte der Bildungsexperte. Dies sei das bisher einzig gesicherte Ergebnis der Inklusionsforschung.

Nicht nur Pädagogen

Inklusion stellt allerdings in jedem Fall eine pädagogische, didaktische und organisatorische Herausforderung dar. Sie bedeutet, Schule und Bildung neu zu verstehen und sie neu zu gestalten. Inklusion macht es damit erforderlich, größer zu denken – weit über den Lehrplan und die Schulfamilie hinaus.

„Lassen Sie sich nicht ins System zwängen“, ermutigte Ratz die frischgebackenen Lehrerinnen und Lehrer. Lehrkräfte seien mehr als Pädagogen. Sie müssten, wenn sie gut sein und etwas bewirken wollten, auch Gestalter und Erneuerer sein.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg.

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