Symbolbild Wohnen. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Wohnen. Foto: Pascal Höfig

Aufgeklärt – die 8 größten Wohnmythen

Irrtümer rund um die vier Wände

In gedämmten Häusern blüht der Schimmel in jeder Ecke. Nachtspeicheröfen haben nur Nachteile. Wenn es schneit, muss Salz gestreut werden. Wer bei diesen Sätzen zustimmend nickt, ist bereits drei hartnäckigen aber nicht minder falschen Irrtümern aufgesessen. Um mit diesen und einer ganzen Reihe ähnlicher häuslicher Un- und Halbwahrheiten aufzuräumen, listet der folgende Artikel sie nicht nur, sondern zeigt auch die richtige Vorgehensweise.

1. Bei Schnee ist Salzstreuen Pflicht

Es ist erst wenige Tage her, da warnten wir noch vor einer Glättemeldung des Deutschen Wetterdienstes für den Bereich Würzburg. Und auch danach kamen immer wieder Schneeflocken und Graupel vom Himmel. Klar, dass sich daraufhin die meisten Einwohner bereithalten, um mit Räumschaufel und jeder Menge Streusalz die Glätte auf dem Gehsteig zu beseitigen und so der ihrer Räumpflicht nachzukommen – man will ja kein Gesetz übertreten.
Räumpflicht. Das bedeutet, bei Glätte muss zunächst mit „abstumpfenden“ Mitteln gestreut werden, also etwa Split. Salz ist nur in Ausnahmefällen, etwa an steilen Wegen erlaubt und in der Nähe von „Straßenbegleitgrün“ generell verboten. Der Salzsack sollte also im Zweifelsfall geschlossen bleiben.

2. Der Vermieter muss regelmäßig das Bad renovieren

In Lengfeld entsteht derzeit ein neues Wohngebiet und dabei auch die eine oder andere Mietwohnung. Erstbezieher freuen sich sicher über moderne Architektur und Einrichtung – auch im Bad. Doch denken wir mal 20 Jahre weiter. Dann werden die gleichen Fliesen in etwa den „Charme“ versprühen, den man heute beim Anblick von blauen, rosafarbenen oder gar braunen 70er-Jahre-Fliesen verspürt. Und die meisten Mieter glauben, dass sie beim Hausbesitzer dann darauf pochen können, eine zeitgemäße Badeinrichtung zu bekommen.

Ob die Lengsfeld-Mieter des Jahres 2037 das dürfen, steht in den Gesetzes-Sternen – 2017 aber gibt es weder in Würzburg noch sonstwo in Deutschland einen Rechtsanspruch darauf, aus reinen Optikgründen ein Bad vom Vermieter saniert zu bekommen. Wasserhähne, Toiletten, Abflüsse müssen ordnungsgemäß funktionieren und dicht sein – das ist alles. Selbst wenn Fliesen und Co. noch so hässlich sind, gibt es keine Pflicht zum Austausch – und durch den Mieter ist dieser auch nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Vermieters erlaubt.

3. Je Dämmung desto Schimmel

Immer mehr Häuser in Würzburg, die neugebaut oder saniert werden, verschwinden hinter einer dicken Schicht von Dämmplatten, weil Vater Staat durch seine Energiegesetze den Verbrauch einschränken möchte. Hausbesitzer und Mieter fluchen darüber, denn der Glaube, dass diese Dämmung das Gebäude auch praktisch luftdicht mache und so dem Schimmel Tür und Tor öffne, ist allgegenwärtig.

Doch nur weil ein Mythos weitverbreitet ist, macht ihn das nicht wahrer. Und in diesem Fall ist es einfach physikalische Tatsache, dass das Schimmelrisiko sinkt, je besser eine Außenwand gedämmt ist. Das liegt daran, dass Luftfeuchtigkeit, also die Wurzeln allen Schimmel-Übels, zwingend Kälte benötigt, um daran zu kondensieren – eine kalte Wasserflasche im Sommer, ein Atemhauch an einer winterlichen Autoscheibe oder eben eine nicht gedämmten Außenwand. Durch eine Dämmung bleiben die Innenseiten der Hauswände wärmer – und Feuchtigkeit kann viel schlechter kondensieren und zu Schimmel führen. Befördert man dann noch die mehreren Liter Wasser, die man täglich ausatmet, per Stoßlüften (und nicht energieverschwendendem Dauerlüften) aus dem Haus, ist das Schimmelrisiko gänzlich gebannt.

4. Nachtspeicheröfen haben nur Nachteile

Wer das Los gezogen hat, als Mieter oder Altbau-Besitzer Nachtspeicheröfen statt einer Zentralheizung zu haben, ärgert sich meistens – immerhin gehören die Stromheizungen zu den Systemen mit dem schlechtesten Wirkungsgrad überhaupt – und zudem gibt es seit dem geplanten und wieder abgesagten Verbotsversuch der Bundesregierung keine dauerhafte Rechtssicherheit.
Natürlich, wirklich modern sind Nachtspeicher tatsächlich nicht – aber zu sagen, sie hätten nur Nachteile, wäre schlicht unfair, denn:

  • Unter anderem die Stadtwerke Würzburg bieten einen vergünstigten Nachtstromtarif, mit dem sich die Heizung in der wichtigen Nachtphase billiger laden lässt.
  • Die Geräte sind vergleichsweise kompakt und benötigen keinen aufwendigen Wasseranschluss, sondern nur ein Stromkabel, um zu funktionieren
  • Nicht wenige Energieversorger und auch eine Menge Umweltschützer vertreten (letztere meist etwas zähneknirschend) die Meinung, dass Nachtspeicher in Zukunft als gigantische, dezentrale Energiespeicher für Überschüsse an Solar- und Windstrom fungieren könnten.

Vor allem letzteres könnte dem ungeliebten Nachtspeicher ein zweites Leben bescheren, denn den ganzen Prozess von Strom zu Wärme und wieder zurück wollen Forscher ab Frühjahr in Hamburg in einem riesigen unterirdischen Speicher erproben – bewährt sich das System, könnte es dereinst auch Nachtspeicher mit einbeziehen – von denen es ca. 1,5 Millionen deutschlandweit gibt.

5. Gut versteckt hilft gegen jeden Einbrecher

Viele Menschen sind durch die Einbruchwelle, die über die Region schwappt, verständlicherweise irritiert. Erst Ende November schnappte die Polizei eine Bande, die in Kitzingen sage und schreibe 60 Einbrüche verübt hat. Klar, dass dann viele neben besseren Türschlössern auch innen aufrüsten – da werden Bücher ausgehöhlt, DVD-Hüllen mit Bargeld gefüllt und bei einigen avanciert gar der Toiletten-Spülkasten zum „Tresor“ für einen wasserdicht verpackten Notgroschen.

Zwar sagt selbst die Kripo Würzburg, dass Maßnahmen wie verstärkte Fenster und umfangreiche Beleuchtungen Einbrecher abschrecken – aber es gilt auch, dass die kriminellen Profis meist jedes typische Versteck kennen und finden. Vermuten die Diebe Bargeld im Bücherregal, landet eben im Zweifelsfall jedes Werk auf dem Boden – der Trick mit dem hohlen Buch funktioniert nur bei Privatbibliotheken mit vierstelligen Bücherzahlen, wo allein die Dauer ein Durchsuchen unrentabel macht.

Das einzig wirklich sichere Versteck zuhause ist ein hochwertiger und vor allem verankerter Safe. Bei allem anderen, insbesondere Tricks aus Hollywoodstreifen, kann man sicher sein, dass sie bekannt und daher unbrauchbar sind.

6. LED-Glühlampen haben ein unangenehmes Licht

So mancher Hamsterer wacht noch neidisch über seine Bestände an 100-, 60- und sonstigen Wattzahl-Glühbirnen, die er sich vor dem jeweiligen Inkrafttreten einer EU-Glühlampen-Verbotsstufe zugelegt hat. Und die Gründe sind praktisch immer die gleichen:

  • Energiesparbirnen brauchen ewig, bis sie richtig hell sind und summen dann unangenehm
  • LED-Lampen strahlen ein grelles, kaltes Licht aus, das einfach nur ungemütlich ist und sind zudem noch unverschämt teuer

Ersteres ist richtig – zumindest teilweise – denn zu den Funktionsprinzipien einer Kompaktleuchtstofflampe (so der Fachbegriff für Energiesparlampen) gehört es, dass das darin vorhandene Gas einige Zeit braucht, bis es durch den Betrieb erwärmt wird und damit seine volle Helligkeit abgeben kann – und der benötigte Hochspannungstransformator kann (zumindest bei billigen Lampen) auch ein unangenehmes, hochfrequentes Summen abgeben.

Die LED-Kritik ist jedoch 2017 absolut nicht mehr zeitgemäß, denn Leuchtdioden gibt es nicht nur in einer großen Bandbreite an einzelnen Farben, sondern sie können auch gemischt werden, sodass praktisch jede nur gewünschte Farbtemperatur darstellbar ist – auch die gelblich warme der guten alten Glühbirne. Bloß musste dafür auch erst einmal ein Markt geschaffen werden – der Grund, warum es zunächst nur bläulich-kalte LED-Glühlampen gab. Jetzt ist das Spektrum weitaus vielfältiger. Gleichsam kostet eine LED-Lampe zwar viel im Vergleich zur Glühbirne, jedoch hält die Diode mit mehreren zehntausend bis hunderttausend Stunden um ein vielfaches länger und amortisiert sich deshalb rasch. Obendrein gehen LEDs nicht einfach kaputt, sondern werden mit der Zeit nur dunkler.

7. Laminat ist besser als Dielen

Kein Zweifel, nach vielen Jahren von Teppich und Fliesen kehren die Deutschen mit Macht zu hölzernen Böden zurück. Otto Normalverbrauchers liebste Wahl ist dabei das Laminat – immerhin kann das jeder nur Halbwegs talentierte Heimwerker in Eigenregie und mit wenig Werkzeug verlegen und wenn ein alter Teppichboden als Trittschalldämmung weiterleben darf – umso besser. Und mit diesen Vorteilen wird auch gegen Dielen argumentiert, die unbestreitbar schwieriger zu verlegen sind. Ein ebenso oft gehörter Vorwurf ist zudem der, dass Laminat ungleich robuster und pflegeleichter sei.
Dabei wird jedoch gleich mehreres oft übersehen:

  • Laminatböden sind prinzipiell nicht mehr als gepresste Kunststoff-, Span,- und Papierschichten – das hält selbst in hochwertiger Form durch Zersetzung der Kleber keine dutzenden Jahre.
  • Holz ist ein Naturstoff. Und durch die Dicke von Dielen sowie deren massiver Zusammensetzung sind diese dem Raumklima zuträglich – und isolieren den Boden sogar etwas nach unten.
  • Durch moderne, atmungsaktive Parkettlacke kann ein Dielenboden so hart versiegelt werden, dass er sich wie ein Fliesen- oder Laminatboden wischen lässt – und zudem keine Druckstellen von Möbeln bekommt.

Das vielleicht jedoch schlagkräftigste Argument, um die Aussage, Laminat sei besser als Dielen, zu entkräften, ist die Langlebigkeit. Ein Massivholzboden altert zwar ebenso wie jedes andere Material – im Gegensatz zu diesen braucht es jedoch nur eine Bodenschleifmaschine, um die Dielen wieder wie neu wirken zu lassen und sich so sämtlichen Stress und Kosten einer Neuverlegung zu entziehen – notfalls sogar hundert oder mehr Jahre, nachdem die Bretter verlegt wurden.

8. Von Hand spülen spart Energie gegenüber der Spülmaschine

Die Spülmaschine – obwohl sie in fast 70% aller deutschen Haushalte dazugehört, schalten sie viele doch nur mit einem mehr oder weniger schlechten Gewissen ein – komfortabel ist das Gerät ja, aber der Energie- und Wasserverbrauch sorgt doch immer für ein mieses Gefühl, wenn man den Schalter betätigt – viele stöpseln dann das Spülbecken zu und reinigen Teller und Co. per Hand – denn „das spart ja Energie“.

So gut gemeint diese Denkweise auch ist, sie könnte nicht falscher sein. Denn es gibt nur eine Situation, in der die Spülmaschine tatsächlich Energie und Wasser im Übermaß verbraucht, nämlich wenn sie nur halbvoll läuft. In allen anderen Fällen wird beim Handspülen wesentlich mehr Rohstoff verbraucht – bei einem Test mussten Probanden 140 Geschirrteile per Hand spülen und verbrauchten dabei im Schnitt 46 Liter Wasser – wo die Spülmaschine mit derer 15 auskommt. Damit gilt, solange sie nur ordentlich vollgeladen wird, ist die Spülmaschine in Sache Umwelt immer die bessere Alternative.

Fazit

Der Mensch ist eine Summe von Erfahrungen – so sagen es die Philosophen. Doch gerade dabei gilt auch, dass falsche Ansichten oft von Generation zu Generation vererbt werden. Deshalb sollte man nicht alles glauben, was Eltern, Freunde und Nachbarn als vermeintlich gegeben ansehen. Oft genug sind es nämlich nur typische Mythen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Philipp Neuser.

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