Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Vom Plattentellerwischer (mit etwas Glück) zum Millionär

Auflegen lernen vom Platten-Profi

Sie erobern die Clubs dieser Welt – DJs sind in unserer Zeit das, was Mozart im 18. Jahrhundert und Rock-Bands in den 80er- und 90er-Jahren verkörperten. Hardwell, Avicii, Skrillex heißen die Superstars von heute, die durchaus auch ein bisschen Frauenhelden, aber vor allem extrem erfolgreich sind. Kein Wunder also, dass DJing immer größeren Anklang findet, auch wenn dazu natürlich einiges mehr gehört, als ein paar Regler zu verschieben.

Unscheinbarer Meister seines Werks

Sebastian ist seit mehr als 19 Jahren Herr über die Plattenteller. Die Grundlagen für sein „Handwerk“ eignete er sich an, indem er einem Freund über die Schulter geschaut hatte. Heute unterrichtet Sebastian an der VibrA School of DJing in Würzburg. Würde man dem 38-Jährigen auf der Straße begegnen, so käme es einem wohl nicht unbedingt in den Sinn, dass man es mit einem DJ-Profi zu tun hat. Doch spätestens wenn er zu erzählen beginnt, merkt man, wie sehr der gebürtige Würzburger für seine Kunst brennt.

Schöne Scheibenwelt

Vom Mischpult bis zu den Boxen – in dem Raum in der Richard-Wagner-Straße ist alles aufgebaut, was zum DJing gehört. Doch auch wenn die Schule über das gesamte Grundequipment verfügt, darf jeder Schüler auch sehr gerne seine eigene Ausrüstung mit in den Unterricht bringen. Sowohl im Einzel- wie auch im Gruppenunterricht mit maximal drei Schülern kann man hier alles lernen, was man über das Thema DJing wissen möchte. Ob Hip Hop oder Electro, die Basis sei immer die gleiche, meint Sebastian.

Ein bisschen Rhythmusgefühl und Ahnung von Harmonien sollten die angehenden DJs bestenfalls mitbringen. Am wichtigsten aber sei es, Lust und Freude an der Beschäftigung mit Musik im weitesten Sinne zu haben. Interessierte vereinbaren am besten über die Homepage der Schule einen Termin zu einem persönlichen Infogespräch mit Sebastian. „Und keine Angst, das ist kein Nerd-Unterricht, sondern ganz normaler Musikschulunterricht, wie er von der Modern Music School auch für andere Instrumente angeboten wird“, versichert Sebastian.

Clubs, Bars und Filmmusik

„Drum and Bass“ ist Sebastians Spezialität, schließlich hat er zehn Jahre lang ausschließlich diese Musikrichtung aufgelegt – und das quer durch die Würzburger Clublandschaft, vom Noise Club im Airport bis zum Boot. Seinen Lauf nahm jedoch alles im Café Standard, wo er jeden Dienstag mit DJ-Kollegen hinter den Plattentellern stand. 2003 wanderte der Würzburger dann nach Köln aus, wo er Filme vertonte und an deren Postproduktion arbeitete, von Alles Atze bis SoKo Köln. Dort stand er auch regelmäßig am Mischpult, zum Beispiel im Camouflage oder in der Barracuda Bar. Und dort begann er auch, neben Drum and Bass verstärkt Tech- und Deephouse aufzulegen.

Gut aufgelegt

Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Berlin, wo er am SAE Institute Audio Engineering studiert hatte, zog ihn die Liebe dann wieder in seine Heimatstadt Würzburg. Hier unterrichtet er nun die Fächer DJing und Producing an der VibrA School of DJing, die es neben unserer schönen Mainmetropole in nahezu jeder großen Stadt Deutschlands gibt. Ursprünglich ist sie ein Ableger der Modern Music School und hieß früher Vestax DJ School. Mit über 70 Filialen gehört die Modern Music School zu den größten privaten Musikschulen Europas. Während in der ersten Filiale in Saarbrücken vor fast 30 Jahren unter dem Namen Modern Drum School nur das Fach Schlagzeug unterrichtet wurde, hat man sich mit der Umbenennung zur Modern Music School 1995 weiteren Instrumenten der Populärmusik geöffnet.

Professioneller Unterricht

„Wer glaubt, in diesen Schulen unterrichteten nur irgendwelche „DJ-Nerds“, der irrt gewaltig! Wir haben einen Lehrplan für unsere Kurse, einen Leitfaden und nehmen regelmäßig an pädagogischen Schulungen und Weiterbildungen teil. Unser Ziel ist es, das Musikverständnis der Schüler weiterzuentwickeln und Interesse zu wecken.“ Übrigens kann jeder DJ-Schüler auch ins Producing hineinschnuppern, das ebenfalls von Sebastian angeboten wird.

Spaß für Jung und Alt

Natürlich wollen wir wissen, ob der DJ-Unterricht der letzte Schrei unter den Teenagern ist. „Klar gibt es viele Jugendliche, die sich in diese Richtung mit Musik beschäftigen wollen. Doch die Begeisterung für DJing ist nicht auf diese Altersgruppe beschränkt. Die Bandbreite reicht bisher von 12 bis 64 Jahren – und das einzige, was Jung und Alt unterscheidet ist, die favorisierte Musikrichtung.“ Dass DJing auch wesentlich mehr sein kann als ein musikalischer Freizeitspaß, stellen einige Schüler von Sebastian unter Beweis, die mittlerweile immer wieder Gigs bekommen; auf dem Lehrplan der Schule stehen nämlich neben dem DJing selbst auch die Erstellung von Mixtapes sowie verschiedene Präsentations- und Vermarktungsmethoden.

DJ für jede House Party

Dass dabei auch die motorischen und koordinativen Fähigkeiten jedes einzelnen geschult würden, stelle einen weiteren positiven Nebeneffekt dar. Was auch immer man individuell plant – nach den ersten Schritten in der VibrA School könne man auf jeden Fall locker die nächste Geburtstagspartys bespielen. Ein Avicii könne fachlich laut Sebastian oft auch nicht viel mehr als mancher Schüler. Vieles sei eben Vermarktung, Management und – wie so oft – gehöre eben auch eine ordentliche Prise Glück dazu, wenn man sich irgendwann auf der Liste der großverdienenden DJs dieser Welt finden wolle.

The Beat goes on

Für die Zukunft sind bereits einige neue Projekte in der Pipeline. Sebastian ist momentan auf der Suche nach einer geeigneten Location, in der sich seine Schüler einmal pro Monat einem breiteren Publikum stellen dürfen, um direktes Feedback zu erhalten. Unabhängig davon würde er selbst wieder gerne regelmäßig auflegen, was vor allem Liebhaber elektronischer Musik freuen dürfte, die angesichts seines breiten Spektrums von House über Techno bis hin zu Drum and Bass bei Sebastian voll auf ihre Kosten kommen können.

Nicht nur Party

Wenn sich der Würzburger an seine Vergangenheit erinnert, dann erscheint ein verschmitztes Lächeln auf seinen Lippen. „Natürlich haben wir viele Afterhours gefeiert – und das Leben als DJ kann schon ganz schön wild werden. Doch wer mit DJing wirklich Geld verdienen will, muss die volle Leistung abrufen können und darf nicht betrunken durch den Club torkeln. Der Clubbetreiber zahlt dafür, dass man den Abend gestaltet – dementsprechend sollte man schon seine Grenzen kennen. Aber schließlich kommt neben dem Spaß mit dem Alter auch die Reife.“ (lacht)

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