Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Polyglott meets Wanderlust Gen

Die halbe Welt bereist

100 Länder bereist: Das können nicht viele Würzburger von sich behaupten. Stephan jedoch schon. Mittlerweile führt der 35-Jährige sogar seinen eigenen Blog und schreibt über Erfahrungen und Eindrücke seiner Reisen.

1. Stephan, du hast deinen eigenen Reiseblog – wie kam es dazu?

Ich reise seit etwa 10 Jahren wirklich sehr viel. Dieses Jahr im Sommer habe ich nun auch mein persönliches Ziel, den sog. „Travelers Century Club“ erreicht, der allerdings „nur“ 100 Destinationen fordert. Die offizielle 100 Länder-Marke habe ich letztes Jahr genau an meinem Geburtstag am 26. Dezember in Vietnam geknackt.

Irgendwann bekommen die Leute natürlich mit, dass man extrem viel auf Reisen ist. Es häuften sich dann Fragen wie „Woher hast du das Geld“, „Wie machst du das?“ etc. Ich dachte mir, wenn das Interesse so groß ist, dann kann ich meine Erfahrungen auch niederschreiben und sie für jeden zugänglich machen. So startete ich dann meinen Reiseblog „Polyglott meets Wanderlust Gen“. Mittlerweile bin ich auch auf Facebook und Instagram vertreten.

2. Kannst du von deinem Blog leben?

Nein, das ist momentan nur eine Leidenschaft von mir. Ich arbeite aber schon immer sehr international und natürlich würde ich auch gerne von meinem Hobby leben können, aber das ist leider nicht ganz so einfach.

3. Du hast dir das Ziel 100 Länder gesetzt, sowie 10 Weltsprachen zu erlernen – wieso gerade dieses Ziel?

Ich bin nicht immer so viel unterwegs gewesen. Vor meinem 21ten Lebensjahr habe ich fast keine größeren Reisen gemacht. Ich habe dual an der Berufsakademie studiert und von da ab, als ich mein eigenes Geld verdiente, habe ich dann angefangen, herumzureisen. Die 100 setzten sich viele als Ziel, ich kann auch gar nicht genau sagen, wieso ich mich direkt für die 100 entschieden habe, ich wollte wohl einfach ein höher geordnetes Ziel, was aber dennoch erreichbar ist.

Ich habe schon als Kind immer die verschiedenen Sprachen auf den Cornflakes Packungen verglichen, also war die Begeisterung für Sprachen schon immer da. Nach dem Gymnasium konnte ich drei Sprachen. Bei diesen drei ist es dann auch nach dem Studium geblieben. Nach Ende des Studiums war ich 24 und wollte mein Gehirn weiterhin beanspruchen. Deshalb habe ich angefangen, Sprachen zu lernen. Mittlerweile spreche ich neben Deutsch noch Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Portugiesisch, halbwegs Chinesisch und Schwedisch lerne ich gerade. Die zehnte Sprache, Kroatisch, habe ich noch im Dezember mit einem Intensivkurs in Dubrovnik abgegriffen.

4. Hast du schon nächste Ziele?

Ich habe mehrere Shortlists im Kopf. Eine davon beinhaltet die sieben Länder in Zentralamerika. Die andere wäre Lettland, Königsberg und Weißrussland. Dann noch ganz wichtig: Die „Stans“ in Zentralasien – die fünf Länder mit „stan“ als Endung. Das coole dort drüben: Es wird noch viel Russisch gesprochen, nur momentan ist es dort viel zu kalt.

5. Warum gerade diese Länder?

Ich habe keine Excel-Liste zuhause, sondern wähle meine Ziele eher spontan aus. Oft ist es auch so, dass ich einen Gedanken habe, buche abends den Flug, wache am nächsten Tag auf und frage mich, ob ich jetzt wirklich einen Flug gebucht habe. Grundsätzlich möchte ich in den Ländern Kultur sehen und interessante Storys hören.

6. Wie hast du dir die Reisen finanziert?

Ich habe mich für Couchsurfing als Baustein meiner Reisen entschieden, klappt fast immer. Die Hauptmotivation beim Couchsurfing sollte jedoch nicht Geld sparen sein, dass ist nur ein netter Nebeneffekt. Man lernt sehr nette Leute und deren Kultur kennen, indem man z.B. mit ihnen zusammen kocht, Musik macht und deren Freunde trifft.

Wenn man Couchsurfing macht, fällt schon mal der Punkt Übernachtung weg. Es reduziert sich dann auf den Flug, wobei es mittlerweile sehr viele Billigflüge gibt. Wenn man dann noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, wie die Einheimischen isst oder die Essenstände auf der Straße nutzt, ist man auch mit ein paar wenigen Euro dabei. Man muss sich der Kultur anpassen und dann spart man schon eine Menge.

Klar muss man, wenn man so viel reist wie ich, auch Abstriche machen. Ich habe kein Auto und spare dadurch natürlich einen Batzen Geld. Ich besitze auch keinen Fernseher, weil das für mich Zeitverschwendung ist und ich mich ohnehin lieber mit Freunden treffe.

7. Welche Probleme hattest du auf deinen Reisen?

Wenn man so viel reist, muss man einfach flexibel sein. Oft fallen Flüge, Busse oder Züge aus oder verspäten sich, oder man hat Probleme mit dem Hostel. Die meisten Probleme entstehen aber meiner Meinung nach eher, wenn man zu Zweit reist und sich nicht gut genug kennt und richtig abspricht. Deshalb bin ich fast immer allein unterwegs.

Ich bin sehr neugierig und deshalb auch mal unvorsichtig, weswegen ich oftmals in Situationen gekommen bin, die gefährlich hätten werden können. Aber mir ist bisher noch nie etwas wirklich Schlimmes passiert.

Gefährlich kann es aber auch werden, wenn man als Traveler Alkohol, vor allem offene Getränke oder gar Drogen konsumiert, deshalb trinke ich so gut wie nie Alkohol auf Reisen und behalte mein Glas immer im Auge.

8. Was waren die größten Freuden, die dir die Reisen bereitet haben?

Meistens sind es die kleinen Dinge. Wenn ich Einheimische treffe und man dann mit ihnen essen geht oder auf coole Events mitgenommen wird. Das Miteinander mit den Menschen vor Ort und tiefer in deren Kulturen eintauchen. Ich hatte auch noch nie Probleme als Deutscher. Ich wurde stets, egal in welchem Land, herzlich und mit offenen Armen aufgenommen.

Meine größten Highlights bisher waren Tauchen am „Great Barrier Reef“ und die Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, zu der ich mit der transsibirischen Eisenbahn gefahren bin

9. Was war bisher dein absoluter Favorite Place?

Ich teile das nach Kontinenten auf. In Europa ist es Russland, da ich die Kultur und die Leute sehr gerne mag. In Südamerika ist es Kolumbien, obwohl es mittlerweile im Mainstream angekommen ist. In Asien ist es Thailand, obwohl man sich hier Ecken raussuchen muss, die nicht von Touris überflutet sind. In Afrika wäre es Marokko.

10. Was war das Leckerste oder Ekligste, was du auf deinen Reisen gegessen hast?

Ganz oben unter den leckersten Dingen steht bei mir Thai Food und asiatische Küche. Ich esse seit ein paar Jahr auch kein Fleisch mehr, was im Iran zum Problem wurde. Die Gastgeber versorgen dich nur mit Fleisch und wenn man dann nicht isst, sind sie beleidigt. Da muss man dann einfach durch.

Zu den ekligsten Sachen die ich gegessen habe, zählen Schnecken und glitschige Miniaale. Wissentlich bin ich um Affe, Schlange, Hund und Meerschweinchen herumgekommen.

11. Hast du während deiner Reise etwas besonders vermisst und was machst du bei Heimweh?

Als Deutscher vermisst man Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und das alles funktioniert. Das Reisen hat mich gelehrt, Deutschland und unsere Standards zu schätzen. Allein, dass wir gut isolierte Wohnungen mit Heizung und warmem Wasser haben, ist für mich echter Luxus.

12. Was kann Würzburg von den Orten, die du besucht hast, lernen?

Ganz klar, die Franken müssen lockerer werden. In fast allen anderen Ländern spricht man sich oft direkt mit Vornamen an, Smalltalk ist gar kein Problem. Die Leute gehen offen und freundlich aufeinander zu.

13. Hast du Tipps für angehende Traveler?

Den einen Tipp habe ich nicht – viele kleine Tipps finden Reise-Neulinge aber auf meiner Webseite. Was ich aber immer wieder sage, weil es vielen einfach nicht bewusst ist, ist, dass man sich im Klaren darüber sein sollte, dass exzessives Reisen auch mit Abstrichen verbunden ist: Man kann nicht ein Standardleben in Deutschland leben und trotzdem so viel reisen.
Oftmals bedeutet es auch, mal Freunde und Familie im Stich lassen – ich war in meinen 20igern glaube ich genau zwei Mal an Weihnachten zuhause. Dafür bekommt man aber auch viel zurück und sammelt unglaubliche Erfahrungen.

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