Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

APG ServiceTaxi: Werden Studis benachteiligt?

Wer fährt?

Bestimmt hat jeder, der nicht in der Stadt wohnt, schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es oft nicht so leicht ist, in den Nachtstunden nach dem Kneipen- oder Discobesuch in Würzburg eine Gelegenheit zum Nachhausefahren zu bekommen. Wenn sich nicht einer dazu bereit erklärt, auf Alkohol zu verzichten und den Fahrer „spielt“, bleibt dann oft nur das Taxi, was aber, je nach Entfernung, auch schon mal ziemlich teuer werden kann.

APG ServiceTaxi

Allerdings gibt es jetzt nun schon seit einiger Zeit das APG ServiceTaxi des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg. Als Ergänzung des Buslinienverkehrs im Landkreis kommt in den Nachtstunden von Mitternacht bis 5 Uhr dieses Taxi zum Einsatz. Es fährt von Würzburg in alle Landkreisgemeinden und auch von dort zurück – zu einem vergünstigten Preis.

Zum 1. Dezember hat das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg jetzt seine Zuschüsse für das APG ServiceTaxi verdoppelt. Dabei werden Menschen, die eine Zeitkarte für den ÖPNV im Landkreis Würzburg besitzen, Teile ihrer Taxifahrt zwischen 0 und 5 Uhr erstattet, wenn sie ein solches APG ServiceTaxi nutzen. Für eine Taxifahrt, die zurzeit zwischen 16 und 20 Euro kostet, gibt es ab jetzt z.B. 7 Euro statt 3,50 Euro Zuschuss.

Grüne Jugend: „Studierende immens benachteiligt“

Für die Grüne Jugend Würzburg hat dieses Taxi allerdings einen Haken: „Studierende mit Semesterticket bleiben von diesem System, das die im Landkreis angebliche nicht finanzierbaren Nachtbusse ersetzen soll, weiterhin gänzlich ausgeschlossen,“ so heißt es in einer Pressemitteilung. Laut Grüne Jugend sind Studierende aufgrund der hohen Mietpreise und der Wohnungsnot in der Stadt immer öfter dazu gezwungen, in die Landkreisgemeinden zu ziehen.

Infos zu den Nachtbussen

„Die dortige ÖPNV-Anbindung lässt aber schon seit Jahren zu wünschen übrig. Während es in der Stadt Würzburg seit kurzem endlich ein gut funktionierendes Nachtbussystem gibt, fährt selbst in stadtnahe Gemeinden wie Waldbüttelbrunn oder Gerbrunn auch am Wochenende nach halb eins kein Bus mehr und unter der Woche wird der ÖPNV vielerorts schon um 22:30 Uhr eingestellt,“ heißt es in der Pressemitteilung.

„Dringend und umgehend ändern“

Die Grüne Jugend begrüße zwar die Zuschüsse für den Taxiservice, dies jedoch als großen Durchbruch oder Verbesserung für junge Leute zu feiern, halte sie allerdings für scheinheilig, solange Studierende von diesem Angebot ausgeschlossen seien, wird in der Pressemitteilung deutlich gemacht. Für die Grüne Jugend sei das Klientel, das den Nachttaxi-Service unter der Woche am meisten nutze, die Studierenden. „Wir fordern das Kommunalunternehmen daher auf, dies dringend und umgehend zu ändern! Auch Studierende im Landkreis haben ein Recht darauf, nachts einigermaßen preisgünstig nach Hause zu kommen!“ – so heißt es in der Pressemitteilung.

„Mobilität darf kein Luxusgut sein!“

Für die Grüne Jugend sei das System des APG ServiceTaxis sowieso nur eine Übergangslösung: „Aus Sicht der Grünen Jugend Würzburg muss es auch im Landkreis Würzburg einen flächendeckenden, kostengünstigen ÖPNV mit guter Taktung in den Abendstunden geben. Und auch für Nachtschwärmer/innen muss ein Angebot geschaffen werden, das allen Menschen – nicht nur den Inhaber/innen von Zeitkarten – ermöglicht, nach dem Feiern kostengünstig nach Hause zu kommen. Mobilität darf kein Luxusgut sein!“

Kommunalunternehmen: „Zielgruppe ist derzeit Personenkreis, der sich VVM-Fahrscheine kauft“

Auf die Pressemitteilung der Grünen Jugend hin, hat unsere Redaktion beim Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg nachgefragt und zum Sachverhalt, dass Studierende von den vergünstigten Fahrpreisen ausgeschlossen sind, um ein Statement gebeten. Eine Sprecherin des Kommunalunternehmens erklärt das ganze wie folgt: „Das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg ist mit der Durchführung und Planung der Verkehre beauftragt, die in die Landkreisgemeinden führen. Unsere Zielgruppe ist derzeit der Personenkreis, der sich VVM-Fahrscheine für die entsprechenden Strecken kauft. Mit dieser Finanzsumme kalkulieren wir auch unsere Angebote und können für unsere Abokunden und Schüler/Azubis diesen verbesserten Service anbieten.“

Von Seiten des Kommunalunternehmens heißt es, dass eine Ausweitung der Gültigkeit, also auch mit einem Semesterticket das APG-ServiceTaxi nutzen zu können, rechtlich und finanziell derzeit nicht möglich ist. Eine separate Vereinbarung wäre nötig und zwangsläufig auch eine Mitfinanzierung über die Einnahmen aus dem Semesterticket.

Komplett anders bei Studenten

Bei den Studenten verhält es sich nämlich komplett anders. Sie zahlen einen Pauschalbetrag von 62 Euro für 6 Monate und können im gesamten Netz fahren. „Die gesamte finanzielle Abwicklung der Semesterbeiträge aller Studenten werden mit der Würzburger Straßenbahn verhandelt und auch verteilt, weil die größte Nachfrage natürlich innerhalb der Stadt erfolgt,“ so die Sprecherin des Kommunalunternehmens.

Unmut bei zahlenden Schülern und Azubis

Die Einführung der Würzburger Nachtbuslinien habe nur nach intensiven Verhandlungen und langen Vorgesprächen zwischen Studentenwerk und Würzburger Straßenbahn und zusätzlicher Finanzierung erfolgen können, so das Kommunalunternehmen des Landkreises.

„Ganz nebenbei bemerkt produziert die netzweite Gültigkeit des Semestertickets und der finanzielle Beitrag der Studenten auch viel Unmut bei den zahlenden Schülern oder Azubis, die neben geringem oder gar keinem Einkommen für den normalen VVM-Schülertarif in der Stadt Würzburg (Großwabe) 35,95 Euro monatlich bezahlen müssen! Und diese Fahrkarte ist nur für eine festgelegte Strecke (Wohnort zum Schul/Arbeitsort) gültig. Ein Azubi aus Kürnach zahlt in einem Monat mit 56 Euro schon fast so viel wie ein Student für ein Semester und hat keine Netzwirkung wie bei dem Semesterticket der Studenten!“ – erklärt die Sprecherin des Kommunalunternehmens.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT