Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Frankenhalle gehört wieder auf die Tagesordnung

Architektonisches Kleinod

„Die Frankenhalle am Kulturspeicher ist ein architektonisches Kleinod, das seines gleichen sucht.“ begrüßte Georg Rosenthal, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Würzburg und SPD-Landtagsabgeordneter im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Denkmaltour durch Würzburg, an der unter anderem Reinhold Strobl, Mitglied im Bayerischen Landesdenkmalrat, Stadtheimatpfleger Dr. Steidle sowie namhafte Architekten und Stadtplaner wie die Professoren Bernhard Winking, Rebecca Chestnutt-Niess und Christiane Thalgott, langjährige Stadtbaurätin in München, teilnahmen.

Einzigartige Architektur

Begeistert von der einzigartigen Architektur der Trägerkonstruktion sowie einer überragenden Akustik des von einer Holzkonstruktion ganz ohne zusätzliche Stützen getragenen Raums reagierte Strobl mit Unverständnis auf den Bericht des Gastgebers Georg Rosenthal, dass sich – nachdem die Pläne für eine Sanierung nach einem Stimmungsbild im Stadtrat mit knapper Mehrheit im Mai 2013 abgelehnt wurden – nichts mehr getan hat. Umso wichtiger ist es seiner Meinung nach, dass die eindrucksvolle Halle wieder auf die Tagesordnung der Politik kommt.

Geschichte und Charme

Mit den 350 bis 790 Sitzplätzen ist die Veranstaltungshalle bestens geeignet, um die in Würzburg grassierende Lücke für einen mittelgroßen kulturellen Veranstaltungsort zu schließen.

„Das Orchester des Theaters und das Ballett waren von der hervorragenden Akustik, die es mit der des Neumarkter Reitstadel locker aufnehmen kann, und der dem Lichteinfall über einem verglasten Dachfirst geschuldeten besonderen Atmosphäre des Raums begeistert“, erinnert sich Rosenthal an den Vorschlag, hier eine Ausweichspielstätte für das Mainfranken-Theater zu errichten. Auch Prof. Wiking war der Ansicht, dass die Frankenhalle ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Würzburg sein sollte.

Die Frankenhalle sei nach dem Abriss des Luisengartens die einzige Halle, die aus der Vorkriegszeit erhalten ist – und zwar so, wie sie 1928 die Architekten geplant hatten. Die Stadt habe seither auf weitere Investitionen weitgehend verzichtet, erläuterte Stadtheimatpfleger Dr. Steidle den aktuellen Sachstand. „Ein Baudenkmal, das ohne Nutzung bleibt, ist jedoch dem sicheren Verfall ausgeliefert.“

 Planungen waren weit fortgeschritten

Die Planungen für die Frankenhalle waren bereits weit fortgeschritten: die Architekten Brückner & Brückner hatten einen durchgerechneten, durchdachten Entwurf vorgelegt. Auch baurechtlich stand dem Projekt nichts mehr im Weg. „Wir waren euphorisch und sind davon ausgegangen, dass es bald losgeht“, erinnerte sich Peter Wiegand von der Stadtverwaltung. Die Pläne verzichteten auf größere Eingriffe und sahen einen neuen Eingang über der Nordseite in das bis 1999 als Viehmarkthalle genutzte Gebäude vor.

Obwohl die Halle auf dem Immobilienmarkt zum Verkauf steht, tun sich kommerzielle Interessenten jedoch schwer, ein wirtschaftliches Konzept vorzulegen. „In Frage kommt nur eine öffentliche Nutzung“, ist Rosenthal davon überzeugt, dass das Konzept einer Veranstaltungshalle eine Wiedervorlage verdient.

Sitzung des Landesdenkmalrates

Deshalb setzt sich Rosenthal dafür ein, den Landesdenkmalrat zu einer Sitzung nach Würzburg einzuladen. Das Thema könnten die 1950er Jahre sein: „Für die Zeit des Wiederaufbaus ist das kriegszerstörte Würzburg ein Musterbeispiel“, so Rosenthal.

Mit dem von der Diözese vorbildlich sanierten St. Burkardushaus und der weiterhin umstrittenen Mozart-Schule standen weitere hochkarätige Zeugen der Wiederaufbaujahre auf dem Programm der Denkmalroute. „Die qualitätvollen Bauten der 1950er Jahre werden immer weniger. Die Mozart-Schule nimmt einen besonderen Rang ein. Sie sollte unbedingt einer neuen Nutzung zugeführt werden“, konstatierte der Hamburger Architekt Prof. Winking.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg. 

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