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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Statt im Müll: das kann die Brandstetter-Tüte

Jeden Abend eine Überraschung

Das Marktcafé Brandstetter hat seit dem 21. November der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt und ist bei der „Too Good To Go“ App am Start. Jeden Abend kann man sich eine „Überraschungstüte“ zum Schnäppchenpreis ordern, gefüllt mit leckeren Lebensmitteln, die ansonsten in der Tonne landen würden.

Mehr Infos zu „Too good to go“

Das Spannende: In jeder Tüte ist etwas anderes und laut Beschreibung ist alles möglich – vom Kuchenstück, bis zum belegten Brötchen – je nachdem was am Abend übrig bleibt. Wir haben die App mal getestet und den Inhalt einer Überraschungstüte unter die Lupe genommen.

Und so funktioniert’s

Das Prinzip ist simpel: App herunterladen, anmelden und schon kann es losgehen. Nachdem man den gewünschten Ort eingegeben hat, erscheinen die teilnehmenden Betriebe. In Würzburg gibt es momentan noch keine Auswahl. Das Marktcafé Brandstetter ist der erste hiesige Betrieb, der bei „Too Good To Go“ am Start ist.

Tipps zur Bestellung

Die ersten Tüten schaltet die Bäckerei um Mitternacht in der App frei. Je nachdem wie der Verkauf läuft, kann man Glück haben und es sind am Nachmittag nochmals Tüten verfügbar. Tipp: Gleich in der Nacht oder in aller Früh in die App schauen. Falls die Tüten schon ausverkauft sind, am besten am Nachmittag nochmal reinschauen. Eine Push-Meldung, wenn neue Tüten wieder verfügbar sind, wäre wünschenswert, ist aber derzeit noch nicht von den Betreibern der App programmiert.

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Die App zeigt genau an, wie viele Überraschungstüten aktuell verfügbar sind. Kauft man sich eine Tüte, bekommt man eine Quittung, die man bei der Abholung zwischen 17.30 und 18 Uhr im Laden vorzeigen muss. Daher wichtig: Handy nicht vergessen. Das Bargeld kann man allerdings getrost zuhause lassen, denn eine Bezahlung ist ausschließlich via PayPal oder Kreditkarte möglich.

Frisch vom Bäcker?

So weit, so gut. Aber können die Lebensmittel auch geschmacklich mithalten? Unser Geschmackstest sagt eindeutig ja. Auch wenn es die Reste des Tages sind, schmecken die Backwaren allesamt noch frisch. Damit nicht die Hälfte im heimischen Mülleimer landet, sollte man übrigens Kohldampf mitbringen. In unserer Überraschungstüte befanden sich ganze sieben Backwaren: unter anderem ein belegtes Hörnchen, ein Krapfen, eine Brezel und verschiedene Brötchen sowie ein kleines Laib Brot. Also WG einladen und ordentlich schlemmen.

Retten und sparen

Neben dem Aspekt, Lebensmittel vor der Tonne zu retten, schont man auch den Geldbeutel. Eine Tüte gibt es für 3,50 Euro. Außerhalb der App „Too Good To Go“ zahlt man für die Backwaren zusammengerechnet rund zwei bis drei Euro mehr.

Mehr Teilnehmer gewünscht

Die Food-Sharing App ist eine nette Plattform, von der alle Teilnehmer profitieren. Die Bäckerei kann den abendlichen Überschuss noch teilweise verkaufen und muss die Lebensmittel nicht wegwerfen. Schnäppchenjäger bekommen viele Backwaren zu einem günstigeren Preis.

Steuer-Irrsinn

Im übrigen können Bäcker ihre übrige Ware nicht bedingungslos zum Beispiel an eine Tafel spenden. Denn dann müssten sie auch hier die Umsatzsteuer der Herstellungskosten an das Finanzamt abführen. Das mag vielleicht irrsinnig erscheinen, entspricht aber den Tatsachen. Einziger Trick wäre womöglich die übrigen Backwaren für einen Euro zu verkaufen. Dann müsste man theoretisch nur der Verkaufswert in dieser Höhe versteuern.

Update: Allerdings einigten sich die Finanzministerien des Bundes und der Länder darauf, dass auf Warenspenden an Tafeln und sozialen Einrichtungen keine Mehrwertsteuer mehr erhoben wird. Die mehr oder weniger interne Lösung: Da die Lebensmittel nur begrenzt haltbar sind, geht man nach Ladenschluss von einem Wert von 0 Euro aus, was wiederum eine Mehrwertsteuer von ebenfalls 0 Euro zur Folge hat. Zudem erhält der Spender keine Bescheinigung. 

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