Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Theaterstück zum Mauerbau am MGG

Über Freiheit nachdenken …

Die frühen Abendstunden an der innerdeutschen Grenze: Aufmerksames Grenzpersonal im grell erleuchteten Schutzstreifen … wie immer! Jeder Flüchtende würde durch die verzwickten Repressionsmechanismen der unüberwindlichen Grenze entdeckt werden: Ein heimliches Fliehen? Unmöglich!

An jenem Tag aber war es anders: Schabowskis Worte hallten noch nach. Erste vorsichtige DDR-Bürger traten aus den dunklen Schatten ihres Daseins heraus und näherten sich der unbezwingbaren Grenze: Verwundert, neugierig – aber vorsichtig und langsam. 

Zuvor griff Schabowskis Hektik um sich; die journalistische Neugier fragte und er kramte: schnell, unsicher, nervös. Überfordert begann er: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Er schaute in die Runde … Die Penetranz des Auditoriums, jene Worte nicht verstehend, bohrte nach … Und er, der Totengräber des SED-Regimes, stotterte, hektischer, hilfloser: „Sofort und unverzüglich!“.

Sofort und unverzüglich … Diese Worte des SED-Regierungssprechers brachen hinaus; sie zerbrachen das Symbol der Diktatur der SED. Die ersten Bürger kamen … Es war der 9. November 1989. In einem Moment der Hoffnung auf der einen Seite, in einem Augenblick der Verzweiflung auf der anderen Seite ließ Harald Jäger, stellvertretender Leiter des DDR-Grenzüberganges Bornholmer Straße, den Schlagbaum hochfahren: Die Bürger schritten durch den Todesstreifen – und es fiel kein Schuss. 

Die Magie der Freiheit

Denkt man an jene geschichtsträchtige Zeit zurück, an jenen fast sakralen Moment, als die Mauer ihren fatalistischen Schrecken verloren hatte, dann bemerkt man das magische der Freiheit, wie sie sich Raum greift in dem Augenblick, in dem sie Fesseln aufsprengt, Gefängnisse zerstört und die Menschen atmen lässt. Aus Geschundenen, aus Unterdrückten, aus Entmündigten, aus Gefesselten werden Menschen; sie atmen nicht nur, sie stehen auf und ergreifen das, was sie Leben nennen. Sie werden sicht- und hörbar, fühlbar neu geboren: Solch ein Gefühl von zutiefst empfundener Menschlichkeit im Augenblick des Abschüttelns jener alten Strukturen, solch ein Gefühl lässt den Menschen unendliches Glück spüren und unbedingte Dankbarkeit empfinden.

Diktatur bis zum Schluss

Um den 9. November zu verstehen, muss man wissen, dass solch beschriebener Vorgang für Bürger der DDR bis dahin nicht selbstverständlich gewesen ist. Noch Tage zuvor wurde die Berliner Mauer akribisch bewacht, wurde jeder illegale Grenzübertritt verhindert, jeder Republikflüchtige gefasst, verurteilt – oder aber erschossen. Noch Tage zuvor war die Welt der Diktatur, die Welt von Harald Jäger, in Ordnung: Man verhinderte alle ungesetzlichen Grenzübertritte – auch blutig: Grenzverletzer seien festzunehmen oder zu vernichten … Noch Tage zuvor funktionierte die Diktatur an ihren Grenzen!

Morde für die Republik

Diejenigen, die schossen … Hat man ihnen gesagt, dass sie einen Menschen erschossen haben, einen, der sich lediglich ein Leben in Freiheit gewünscht hat? Einen Menschen!

Nein, man habe einen Feind der Republik vernichtet, man habe nichts Falsches getan … Man hat sie sogar belobigt!

Solches muss man sich immer wieder bewusstmachen: Diejenigen, die unter der DDR gelitten, die sich nach einem Leben in Freiheit gesehnt haben, diejenigen haben die Mauer gesehen und damit die Grenze ihres kümmerlichen Daseins wahrgenommen. Nicht mehr!

Beginn eines neuen Lebens

Wie viel haben sie erkennen dürfen, als man in jener Nacht die Grenze geöffnet hat? Wie viel haben sie sehen und hören, wie viel haben sie weinen und lachen, wie sehr haben sie ausbrechen und aufbrechen dürfen … Sie, die in jener Nacht über die Grenzübergänge gegangen sind, sie haben sich nicht nur frei gefühlt, sondern sind in ihr aufgegangen. Sie haben angefangen, zu leben! Einstmals Unterdrückte lassen das Drückende hinter sich, greifen nach den Dingen, die ihnen bis dahin verwehrt gewesen sind, und beginnen zu leben.

Freiheit wertschätzen

Heutzutage – so glaubt man – scheint der Wert der Freiheit in Vergessenheit zu geraten. Ein Zeitzeugen hat einmal gesagt, dass man die Freiheit nur dann verstehen, gar verteidigen könne, wenn man sich an die Tage erinnere, in denen die Freiheit gewünscht worden sei, aber nicht habe gelebt werden können. Freiheit verstehen, gar verteidigen: Es setzt voraus, dass man sich mit den dunklen Stunden der eigenen Geschichte auseinandersetzt, nicht nur darüber rede, sondern diese vielmehr erfahre, erspüre, fühle – und beweine.

Das Theaterstück

Folglich: Wer über Freiheit reflektieren, den Wert von Freiheit verstehen will, der sollte das Theaterstück „Ein grauer Tag im August“ besuchen: Es erinnert an den Mauerbau in der DDR vor 55 Jahren: Eine Mauer, die von da bis 1989 an als Symbol der Unterdrückung und der Repression, als Symbol des Unrechts gilt! Die Zuschauer begleiten an diesem Abend die fiktive Familie Müller durch Berlin vor dem Mauerbau. Man erlebt – tragisch! – das Scheitern jener Familie.

Ort und Zeit

Das Stück wird am Matthias-Grünewald-Gymnasium in Würzburg gespielt, jeweils am 18. und am 19. November, Beginn um 18.30 Uhr. Um Voranmeldung über den Verein (kontakt@aufarbeitung-wuerzburg.de) wird gebeten. 

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Vereins Aufarbeitung Würzburg.

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