Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Sie sind vieles, nur nicht lustig: Die Grusel Clowns!

Phänomen aus den USA

Der Clown-Trend kommt ursprünglich aus den USA – das Phänomen ist dort unter dem Namen „Creepy Clown“ bekannt und noch relativ neu.

Die ersten Horror-Clowns in Deutschland wurden im August 2016 gemeldet. Schon früher gab es in den USA und in Frankreich Clowns, die andere Menschen erschreckten und sogar mit Waffen bedrohten.

„DmPranksProductions“

Der YouTube-Kanal „DmPranksProductions“ dürfte eine Mitschuld am ersten Aufkommen des Phänomens im Jahr 2014 haben. Er hat ein Video produziert, worin ein Horror-Clown mit einem riesigen Hammer arglose Passanten erschreckt.

Horror-Clowns: Tipps der Polizei

Das Video wurde ein viraler Hit und löste eine Welle ähnlicher Clips aus, die vor allem in der Zeit um Halloween immer wieder entstehen.

Nicht lustig, sondern strafbar

Unsere Partner im Bereich Strafrecht, die Reitmaier Rechtsanwälte erklären, warum das Verhalten der Grusel-Clowns nicht nur unlustig, sondern unter Umständen auch strafbar sein kann.

Zunächst sollte man sich vor Augen führen, dass einem „Grusel-Clown“ die gleichen Konsequenzen drohen, wie einem Angreifer ohne Maske. Einen anderen Menschen zu erschrecken ist grundsätzlich nicht strafbar. Voraussetzung für eine Strafbarkeit ist nämlich eine körperliche Misshandlung oder eine Schädigung der Gesundheit. Eine körperliche Misshandlung ist nach dem Gesetz jede üble, unangemessene oder substanzverletzende Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden mehr als nur unerheblich beeinträchtigt.

Gesundheitsschädigung

Als Gesundheitsschädigung gilt das Hervorrufen oder Steigern eines, wenn auch nur vorübergehenden pathologischen, also vom normalen Funktionieren des Körpers abweichenden, Zustandes.

Wenn das Opfer also einen Schock oder sonst einen Gesundheitsschaden durch das Erschrecken erleidet, muss der Täter gerade in der aktuellen Lage mit harten Strafen rechnen.

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Je nach Schwere der Verletzung steht hierfür eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Einen anderen Menschen zu bedrohen wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet.

Voraussetzung ist die Bedrohung mit einem Verbrechen, also mit einem Delikt, was ein Mindestmaß an Freiheitsstrafe von einem Jahr vorsieht, vgl. § 12 Abs. 1 StGB.

Kettensäge, Baseballschläger und Messer

Das Vorzeigen eines Messers, das Schwingen eines Baseballschlägers, einer Schaufel oder das Hinterherlaufen mit einer Kettensäge kann nur so verstanden werden, dass der Aggressor mit einem Verbrechen droht.

Setzt der Täter unmittelbar an, kann ebenso eine versuchte gefährliche Körperverletzung oder eine versuchte Tötung im Raum stehen. Klar ist, dass bei einem Einsatz der Mittel eine Ahndung wegen gefährlicher Körperverletzung oder sogar einer versuchten oder vollendeten Tötung im Raum steht.

Dies gilt auch, wenn es sich nur um eine Attrappe handeln sollte, da es bei gefährlichen Werkzeugen immer auf die konkrete Art der Verwendung ankommt und nicht auf die tatsächliche objektive Gefährlichkeit bzw. die Waffeneigenschaft.

Gefährliche Situationen im Straßenverkehr

Es kam bereits vor, dass erschrockene Opfer in gefährliche Situationen im Straßenverkehr kamen. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber den Gerichten die Möglichkeit gäbe, auch dem Aggressor, also den „Horror Clown“ die Fahrerlaubnis zu entziehen, da solche Personen nicht verstanden haben, dass mit ihrem Verhalten ernsthafte Konsequenzen auch im fließenden Verkehr einher gehen können.

Der Entzug der Fahrerlaubnis wäre damit nicht nur gerecht, sondern auch für so manchen Clown im Straßenverkehr eine sinnvolle und wirksame Bestrafung.

Notwehr & Jedermann-Festnahmerecht

Sollte das Opfer durch den Angriff zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung genötigt werden, kommt der Tatbestand der Nötigung in Betracht. Man muss diese Attacken aber nicht einfach hinnehmen, sondern hat unter strengen Voraussetzungen ein Recht zur Notwehr und Nothilfe:

Wird man selbst von einem „Grusel-Clown“ attackiert, darf man sich zur Wehr setzten. Richtet sich der Angriff gegen jemand anderes, darf man diesem in seiner Not Hilfe leisten.

Dies gilt jedoch nur so lange der Angriff gegenwärtig besteht und es besteht die Pflicht, das mildeste Mittel zu wählen, um den Angriff zum sofortigen Erliegen zu bringen. Man darf also niemanden stärker verletzen als notwendig.

Nach dem sogenannten „Jedermann-Festnahmerecht“ hat jeder das Recht, den Angreifer in einer solchen Situation vorläufig festzunehmen, bis die Polizei eintrifft, vgl. § 127 Abs. 1 StPO.

Fazit:

Grusel-Clowns machen sich mit ihren Attacken unter Umständen strafbar und man hat als Opfer das Recht, sich dagegen zu wehren und sie bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Über „Reitmaier Rechtsanwälte“

Die Experten von „Reitmaier Rechtsanwälte“ beraten und vertreten auf dem Fachgebiet des Strafrechts / Compliance, Wirtschafts- und Arbeitsrechts und Veranstaltungsrechts. Ein Team von fünf Anwälten berät Unternehmen sowie Privatpersonen im Krisenfall zu rechtlichen Belangen.

Artikelquelle: Rechtsanwälte Reitmaier.

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