Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Begeisterung in Florenz für eine Leihgabe aus Würzburg

Großer Schatz

Ihrem Museum sei ein „gigantischer Coup“ gelungen, sagt Cecilie Hollberg, seit einem Jahr Direktorin eines der bedeutendsten Museen der Welt, der Galleria dell’Accademia in Florenz: „Normalerweise würde man es kaum wagen, um die Ausleihe eines solchen Werkes zu bitten, weil es einfach zu wertvoll ist.“ Die Rede ist von einem der großen Schätze des Martin von Wagner Museums, das sich seit einigen Monaten in Florenz befindet und dort auf den klingenden Namen „Trittico di Würzburg“ getauft wurde.

Einmaliger Glücksfall

Das „Würzburger Triptychon“ ist damit an den Ort seiner Entstehung zurückgekehrt: Gherardo Starnina (ca. 1360–1413) hat es vermutlich kurz nach 1400 in Florenz gemalt. Der Meister war gerade von Aufenthalten an diversen spanischen Höfen zurückgekehrt und vereinte nun die modernsten Tendenzen der internationalen Gotik mit einem neuen, typisch florentinischen Wirklichkeitssinn.

Dass dieses Werk während der Sanierung der Gemäldegalerie des Universitätsmuseums in Florenz zwischengelagert wurde, erwies sich in mehrfacher Hinsicht als einmaliger Glücksfall.

Studientag für das Würzburger Triptychon

In der, nach Ansicht von Experten, renommiertesten Restaurierungswerkstatt Europas, dem Opificio delle Pietre Dure, sind die drei Tafeln zunächst umfangreichen technologischen Untersuchungen unterzogen worden. Jetzt kamen Kunsthistoriker und Restauratoren in der Galleria dell’Accademia zusammen, um die Ergebnisse bei einem eigens anberaumten Studientag zu diskutieren.

Technische Perfektion

Dafür wurde das Triptychon „an einem der erlauchtesten Orte der italienischen Kultur“ aufgebaut – wie Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg, sagt: auf der Schwelle zwischen der Galleria degli Prigioni, wo die größte Sammlung von Skulpturen Michelangelos versammelt ist, und der Rotunde um den „David“, eines der Wahrzeichen von Florenz.

In den Vorträgen seien immer wieder die technische Perfektion Starninas und der außerordentliche Erhaltungszustand des Würzburger Triptychons hervorgehoben, so Dombrowski.

Extrem guter Erhaltungszustand

Dieser Ausnahmecharakter ist der Grund, warum der Studientag überhaupt anberaumt wurde. „Unter Zuhilfenahme von neu angefertigten Infrarot-Reflektographien und Röntgenaufnahmen lässt dieses Werk mustergültig die Entstehung eines Gemäldes im frühen 15. Jahrhundert ablesen, von der Vorbereitung des Malgrundes über die minutiös ausgeführte Unterzeichnung bis zu den Glanzlichtern auf Augen oder glänzenden Gefäßen“, erklärt Dombrowski.

Die Frische der Tafeln habe selbst erfahrenen Restauratoren die Sprache verschlagen: „Es ist alles andere als gewöhnlich, auf ein so gut erhaltenes Werk zu stoßen“, bemerkte Marco Ciatti, Direktor des Opificio delle Pietre Dure: „Man könnte glauben, es sei gerade gereinigt worden – aber das ist es eben nicht.“ Vielmehr erwecke es den Eindruck, als wäre es erst gestern vollendet worden, so Cecilie Hollberg.

Und Angelo Tartuferi, der für die ältere Malerei zuständige Konservator der Accademia, ergänzte launisch: „Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich dieses Werk aufgrund seines Zustands für eine Fälschung halten.“

Vorschläge zur Rekonstruktion

Neben den konservatorischen Aspekten kam auch das ehemalige Aussehen des Triptychons zur Sprache. Denn auch dieses Werk war ursprünglich einem großen Retabel integriert – was bedeutet, dass eine Altararchitektur zahlreiche weitere Bilder aufgenommen hat. Für den Studientag in Florenz wurde das Rahmensystem jetzt so weit wie möglich rekonstruiert, wobei auch etliche Fragmente identifiziert wurden, die einst zu der Bilderwand gehörten.

„Leider sind diese Fragmente über die ganze Welt verstreut, doch immerhin: Das Wissen über das Werk und seine Kontexte ist durch die neuen Forschungen um ein Vielfaches erweitert worden – bis hin zu den Engeln am Thron der Madonna“, sagt Damian Dombrowski.

Musizierende Engel

Engel mit Instrumenten habe es schon früher gegeben, erläuterte die Musikwissenschaftlerin Arianna Soldani, aber im Würzburger Triptychon seien zum ersten Mal musizierende Engel dargestellt worden. So war es nur folgerichtig, dass ein Konzert mit Musik aus dem 15. Jahrhundert den Studientag ausklingen ließ. Das „Virgine bella“ von Bartolomeo Tromboncino, das direkt der Madonna des Würzburger Triptychons dargebracht wurde, musste als Zugabe noch einmal gesungen werden.

Highlight der Ausstellung in Florenz

Eine Ausstellung, die ab 22. November in Florenz zu sehen sein wird, ist der Grund, weshalb das Martin von Wagner Museum Starninas Werk auf die Reise geschickt hat. Im Mittelpunkt steht dann der Maler Giovanni dal Ponte (1385–1437). Am Anfang der Ausstellung wird das Würzburger Triptychon zusammen mit Werken weiterer Protagonisten der Kunst in Florenz am Anfang des 15. Jahrhunderts – Uccello, Masaccio, Ghiberti – die künstlerische Situation vergegenwärtigen, in die sich der bisher nur mäßig bekannte dal Ponte hineingestellt sah.

Zunächst hatten die Kuratoren geplant, das Würzburger Triptychon dem Eingang direkt gegenüberzustellen – ein Gedanke, der aus einem bemerkenswerten Grund wieder verworfen wurde: „Niemand hätte mehr die übrigen Bilder angeschaut“, erklärt Tartuferi.

Ehrenplatz für Trittico di Würzburg

Für das Martin von Wagner Museum hat sich die Leihgabe also mehr als gelohnt. „Die universitäre Kunstsammlung konnte auf großem Parkett seinen internationalen Rang unter Beweis stellen“, so Dombrowski. Zugleich sei der Erkenntnisgewinn durch den Studientag enorm und sicherlich nicht ohne Folgen für die künftige Präsentation des Werks.

„Wenn die derzeit geschlossene Gemäldegalerie im Frühjahr 2018 wiedereröffnet wird, ist für das ‚Trittico di Würzburg‘ ein Ehrenplatz reserviert“, verspricht der Direktor.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilians Universität.

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