Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Psychologie-Masterplätze: Ministerium antwortet

Massiver öffentlicher Druck

Nachdem von Seiten der Öffentlichkeit massiver politischer Druck ausgeübt wurde, konnte die Kürzung der Masterstudienplätze im Fach Psychologie an der Universität Würzburg mittlerweile verhindert werden. Die Universitätsleitung spricht von einem „internen Versehen“. Um die tatsächlichen Gründe für die Verringerung des Angebots an Studienplätzen in Erfahrung zu bringen, hat der Würzburger SPD-Abgeordnete Georg Rosenthal in der letzten Woche eine Anfrage an das Plenum des bayerischen Landtags gestellt.

Vermeintlicher Irrtum

Nun liegen die Ergebnisse dieser Anfrage vor. Darin spricht das Kultusministerium davon, dass die Universität Würzburg „im Rahmen ihrer Autonomie intern anderweitige Festlegungen hinsichtlich des Einsatzes verfügbarer Ressourcen getroffen, diese teilweise in andere Bereiche umgeschichtet und zum Teil aus Versehen nicht in die Kapazitätsberechnung einbezogen hat“. Gehandelt hätte die Universität zudem erst, nachdem sie vom Staatsministerium dazu aufgefordert wurde.

 

„Es ist Wahnsinn, mit welcher Leichtigkeit die Universität über die Perspektiven junger Menschen hinwegsieht“, kommentiert Rosenthal den vermeintlichen Irrtum und fügt hinzu: „Ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass ein solcher Fehler bereits zum zweiten Mal nur in Würzburg auftritt und von der Universitätsleitung nicht bemerkt wird, bis es zu öffentlichen Protesten der Studierenden kommt.“

Gelder für andere Bereiche

Wie die Studierenden, die am vergangenen Donnerstag in der Würzburger Innenstadt für ein ausreichendes Angebot an Masterstudienplätzen demonstriert haben, vermutet auch der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister hinter den Kürzungen den Versuch, zur Verfügung stehende Gelder auf Kosten der Psychologie-Bachelorabsolventen in andere Fachbereiche und Projekte fließen zu lassen.

Sicherung der Zukunftsperspektive

Gerade im Studienfach Psychologie ist der Masterabschluss zwingende Voraussetzung für die meisten Berufe. Und so hält Rosenthal an seiner Initiative im Landtag fest: „Wir müssen den Studierenden eine verlässliche Zukunftsperspektive sichern. Deshalb kann die Anzahl der Masterstudienplätze nicht von Jahr zu Jahr von den Entscheidungen der Hochschule abhängen. Dafür muss der Wissenschaftsausschuss noch verlässliche Bedingungen für die Universitäten schaffen.“

Entwicklung der Zulassungszahlen

Die Zulassungszahlen im 1. Fachsemester des Masterstudiengangs Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg haben sich seit dem Vergabetermin 2012/2013 (Wintersemester 2012/2013 und Sommersemester 2013) wie folgt entwickelt:

  • 2012/2013: 95 (Wintersemester 2012/13: 30, Sommersemester 2013: 65)
  • 2013/2014: 121 (Wintersemester 2013/14: 65, Sommersemester 2014: 56)
  • 2014/2015: 136 (Wintersemester 2014/15: 75, Sommersemester 2015: 61)
  • 2015/2016: 151 (Wintersemester 2015/16: 84, Sommersemester 2016: 67)
  • 2016/2017: 86 (Wintersemester 2016/17: 50, Sommersemester 2017: 36)

Umplanung und Pannen

Die Verringerung der Kapazität im Vergabetermin 2016/2017 im Vergleich zum Vergabetermin 2015/2016 ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die Julius- Maximilians-Universität Würzburg im Rahmen ihrer Autonomie intern anderweitige Festlegungen hinsichtlich des Einsatzes verfügbarer Ressourcen getroffen, diese teilweise in andere Bereiche umgeschichtet und zum Teil aus Versehen nicht in die Kapazitätsberechnung einbezogen hat, mit Konsequenzen im Zulassungsverfahren zum Master Psychologie, die von der Universität offenbar nicht rechtzeitig erkannt worden sind und nicht beabsichtigt waren. Zum anderen hat die Universität von der Ansetzung eines erneuten „Masterpeaks“ abgesehen.

Sofortige Prüfung

Unmittelbar nach Eingang erster Hinweise zu Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe von Masterstudienplätzen im zum WS 2016/17 laufenden Zulassungsverfahren, wurde die Universität durch das Staatsministerium um Überprüfung des Sachverhalts ersucht und sodann in der vergangenen Woche vom Staatsministerium gebeten, die Entscheidung, Stellen aus der Psychologie abzuziehen und teils in andere Bereiche umzuschichten, rückgängig zu machen und den status quo ante wieder herzustellen, es sei denn, dem stünden zwingende Hinderungsgründe entgegen.

Zusätzliche Plätze

Dieser Bitte des Staatsministeriums wurde zwischenzeitlich dadurch entsprochen, dass die Universitätsleitung eine Änderungssatzung zur Zulassungszahlsatzung vorgelegt und mitgeteilt hat, dass sie zusätzlich verfügbare Stellen in die Kapazitätsberechnung einbeziehen wird, die aus einem bedauerlichen internen Versehen in der Ausgangsberechnung nicht berücksichtigt worden waren.

Damit können zum WS 2016/17 zusätzlich 28 Masterplätze, zum SS 2017 zusätzlich 26 Masterplätze in der Psychologie ausgewiesen werden. Die Änderungssatzung liegt dem Staatsministerium aktuell zur Genehmigung vor. Diese wird unverzüglich erteilt, sodass noch zum WS 2016/17 weitere 28 Bewerber zeitnah in den Masterstudiengang Psychologie eingeschrieben werden können.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Abgeordnetenbüros Georg Rosenthal.

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