Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Josef Laredo – vom türkischen Basar zum Kunstgewerbehaus

Erinnerung an jüdische Mitbürger

Am 28. September 2016 wurde eine Stele zur Erinnerung an jüdische Mitbürger in der Kaiserstraße vorgestellt, die von Matthias Braun und Juhani Karaka entworfen wurde. Sie wird aber erst nach Fertigstellung der Sanierung der Kaiserstraße aufgestellt.

Die an der Stele aufgezeigten jüdischen Mitbürger hatten dort in der Kaiserstraße z.B. ihren Betrieb oder Rechtsanwaltskanzlei. Besonders beliebt und bekannt war das kunstgewerbliche Kaufhaus Josef Laredo, Reiseartikel, Luxus- und Lederwaren sowie Beleuchtungskörper, in der Kaiserstraße 5 und 7.

Josef Laredo

Der am 12. September 1845 im marokkanischen Tanger als Sohn eines Rabbiners geborene Josef Laredo hat nach seiner Ankunft in Würzburg 1874 zunächst mit einem „türkischen Basar“ die Messen und Märkte der Umgebung bereist, aber schon fünf Jahre später eine Galanteriewarenhandlung („Kaiser-Bazar“), später Kunstgewerbliches Kaufhaus Josef Laredo, eröffnet, das der Sohn Oskar Laredo 1907 als „Luxus- und Galanteriewarenhandel“ übernimmt.

Der verdienstvolle Josef Laredo starb am 29. Januar 1907 und wurde auf dem Israelitischen Friedhof an der Werner-von-Siemens-Straße in Würzburg bestattet.

Oskar Laredo führte nach dem Tode seines Vaters ab 1907 das vornehme Geschäft, in der Kaiserstraße , später 5-7, das auch Schmuck- und Luxusgegenstände, Lampen und kunstgewerbliche Artikel offerierte, fort. Unter Oskar Laredo wurde die Firma auf 700 Quadratmeter erweitert.

Einsatz für die Kunst

Er war ein sehr kunstinteressierter Mann, der sich zu Beginn der 20er Jahre entschieden für die zeitgenössische Kunst einsetzte. Mit viel Gespür richtete er innerhalb seines Geschäftes einen separaten Ausstellungsraum, das sogenannte „Graphische Kabinett“ ein, das mit seinem ästhetischen Ambiente und seinem anspruchsvollen Programm im Würzburger Kunstleben etwas bewegen sollte.

Es war ein mutiger Versuch mit Gleichgesinnten, der in Würzburg jedoch keine angemessene Beachtung fand. Dieser Umstand wurde auch in einer Rezession aufgegriffen: „Es hat eine merkwürdige Bewandtnis mit dem Kunstinteresse in Würzburg. Einerseits hört man so häufig das Bedauern darüber äußern, dass man hier so wenig Gelegenheit hätte, sich in Bezug auf Schaffen der Gegenwart auf dem Laufenden zu halten. Bietet sich aber dann diese Gelegenheit, so nehmen die Wenigsten davon Notiz.“

1894 bekam Josef oder Joseph Laredo das Bürger- und Heimatrecht.

Graphisches Kabinett

In der Firma mit zeitweise 20 Angestellten wird das „Graphische Kabinett“ ein wichtiges Ausstellungsforum für zeitgenössische Graphik und Malerei, das Laredo zum führenden Kunsthändler Nordbayerns macht. Nach dem Tod des Vaters bringt Oskar Laredo Werke von Chagall, Nolde und Kokoschka nach Würzburg, er veranstaltet Sonderausstellungen zum Thema „Neue Sachlichkeit“ (Dix, Grosz) ebenso wie zum 65. Geburtstag von Käthe Kollwitz; in Vortragszyklen führen Experten in das künstlerische Schaffen der Gegenwart ein.

Zeitgenössische Kunst

In einer Frühjahrsausstellung vom 23. April bis 23. Mai 1924 zeigte Oskar Laredo erstmalig das graphische Werk von Erich Heckel. Am 18. November 1924 eröffnete Gertraud Rostosky mit einem Vortrag über „Moderne Malerei“ eine Ausstellung von auf der „Neuen Welt“ entstandenen Arbeiten. Im Kunstsalon Laredo fand Gertraud Rostosky, konträr zu den Ausstellungen des Kunstvereins, ein geeignetes Forum für ihre Malerei und ihre Ideen. In Würzburg war und blieb dies der einzige Ort, an dem der Interessierte zeitgenössische Kunst sehen konnten.

Erstes Flachdachhaus

Als Oskar Laredo 1929 das erste Flachdachhaus Würzburgs in der Keesburgstraße 29, das auch heute noch steht, bezieht, waren die Bürger zunächst entsetzt, dann aber begeistert von der für die damalige Zeit mutigen Architektur. Der „General-Anzeiger“ spricht von einem „neuen Stilgefühl“ und das Architekten-Organ „Der Baumeister“ widmet dem Gebäude einen zehnseitigen Artikel. Der kunstsinnige Laredo lässt auch seine Wohnung nach Entwürfen des in Sommerhausen lebenden Malers Carl Grossberg ausgestalten.

Der Artikel beruht auf einem Artikel von Willi Dürrnagel. 

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