Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Nationalismus, Rassismus und Sexismus? – Demo gegen „Germanenfete“

Grüne Jugend demonstriert

Die Studentenverbindungen gehören zu Würzburg wie die Festung und das Käppele. Den meisten Bürgern und wahrscheinlich so gut wie allen Studenten dürften die Burschenschaften, Corps oder Landsmannschaften und ihre Verbindungshäuser bekannt sein – zumindest vom Namen her. Eine der wohl bekanntesten Würzburger Verbindungen ist die Burschenschaft Germania zu Würzburg. Sie ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung mit „Hauptsitz“ am Nikolausberg.

Legendär sind seit Jahren die Parties, die regelmäßig zu Semesterbeginn auf dem Haus unterhalb des Käppeles statt finden. Am 25. Oktober ist es nun wieder soweit, es soll gefeiert werden. Die Grüne Jugend Würzburg hat dieses Mal allerdings etwas dagegen und ruft zu einer Demonstration gegen die „Germanenfete“ auf.

Vorwurf: Nationalismus, Rassismus und Sexismus

In einer öffentlichen Pressemitteilung der Grünen Jugend Würzburg heißt es, dass zu einer Demonstration „Keine rechten Umtriebe unter unpolitischem Party-Deckmantel“ aufgerufen wird. Diese Demo soll laut Pressemitteilung aufgrund bestimmter Vorkommnisse in der Vergangenheit durchgeführt werden.

Die Grüne Jugend schreibt: „Während sich viele Verbindungen in Würzburg unpolitisch geben und größtenteils auch nicht ins politische ‚Tagesgeschäft‘ eingreifen, haben sich verschiedene Würzburger Burschenschaften und deren Mitglieder in den letzten Monaten mit Aktionen hervorgetan, die klar werden lassen, welche politischen Überzeugungen Burschenschaften und ihre Mitglieder zumeist vertreten: Nationalismus, Rassismus und Sexismus.“

Grüne: „Burschenschaft beherbergt Neo-Faschisten“

Als Beweis hierfür behauptet die Grüne Jugend: „Schon während der Wügida-Demonstrationen zwischen Dezember 2014 und Oktober 2015 stammte ein beträchtlicher Teil der Demonstrierenden aus der Würzburger Burschenschaftsszene. Ebenfalls präsent sind Burschenschafter bei der AfD und ihrer Jugendorganisation sowie der nicht minder gefährlichen, neo-faschistischen ‚Identitären Bewegung‘ […]. In mindestens einem Fall trafen sich Mitglieder der ‚Identitären Bewegung‘ auch in den Räumlichkeiten der Germania.“

„Nationalistische Positionen“

In der Pressemitteilung der Grünen Jugend heißt es weiter: „Ebenfalls vertreten Germania und andere Burschenschaften in Würzburg nationalistische Positionen. Zwar versucht die Germania, sich auf ihrer Internetseite von Rechtsextremismus zu distanzieren. Wie unwichtig diese Abgrenzung dann allerdings in der Praxis zu sein scheint, zeigt schon die Tatsache, dass auf einer der letzten Germanenfeten mit Simon Kaupert, dem Gründer von Wügida, einer der führenden Köpfe der sogenannten ‚Neuen Rechten‘ geduldet wurde sowie die oben schon erwähnte Beherbergung der Identitären. Wer solche Faschist/innen in den eigenen Räumen einquartiert, unterstützt Rechtsextremismus!“ Neben diesen Behauptungen werden allerdings keine nachprüfbaren Beweise in der Pressemitteilung angeführt.

„Privates längst politisch!“

Als ein „Scharnier zwischen Bürgerlichen und Faschist/innen“ bezeichnet die Grüne Jugend die Burschenschaftszene im Allgemeinen: „Durch die Germanenfete wird versucht, dem Konstrukt aus Nationalismus, Sexismus und Rassismus einen unpolitischen Anstrich zu geben. Vor allem Studierende im ersten oder zweiten Semester gehören zur Zielgruppe der Germanenfete, um sich diesen als besonders jung und hip/weltoffen zu präsentieren.

Dass Burschenschaften allerdings in einem sehr viel umfassenderen Kontext betrachtet werden müssen, ist vielen dabei nicht bewusst. Die alljährliche Feier der Germania zu Würzburg reiht sich längst neben andere große Feierlichkeiten ein und gilt unter Studierenden mittlerweile als feste Größe. Doch das Private ist längst politisch! Wer scheinbar unpolitisch auf einem Gelände Party macht, auf dem sonst völkisches, sexistisches und rassistisches Gedankengut verbreitet wird, ebnet dem zunehmenden Hass auf Geflüchtete und Antifaschist/innen den Weg.“

Statement der Germania

Wir haben natürlich auch die in Angegriffenen selbst befragt. Die Burschenschaft Germania zu Würzburg äußert sich folgendermaßen zu den Vorwürfen der Grünen Jugend:

„Gemäß der Satzung sieht es die Burschenschaft Germania zu Würzburg als ihre Hauptaufgabe an, ihre Mitglieder zu freiheitlich-demokratischen Bürgern heranzubilden, die bereit sind, in Geist und Tat für die im Grundgesetz verankerten Rechte und Pflichten einzutreten. Wer sich davon persönlich überzeugen möchte, darf gerne eine von unseren Veranstaltungen besuchen. Diese werden öffentlich auf unserer Homepage oder auf Facebook beworben.

Sowohl im Winter-, als auch im Sommersemester richten wir als Veranstalter die besagte Germanenfete aus. Grundsätzlich richtet sich diese Feier an die Würzburger Studenten. Unsere Feier wird allerdings auch von der restlichen Bevölkerung im entsprechenden Alter gerne besucht. Bei der Germanenfete handelt es sich um eine Spaßveranstaltung. Sie verfolgt dementsprechend keinen politischen Zweck.

Unwahre Behauptung

Ob ein gewisser Herr Kaupert jemals Gast einer unserer Germanenfeten gewesen ist, wissen wir nicht. Für die Einlasskontrollen der Germanenfete ist eine Würzburger Sicherheitsfirma zuständig. Festzuhalten bleibt, dass Herr Kaupert noch nie von einem offiziellen Vertreter unsererseits persönlich eingeladen wurde. Ebenso weisen wir vehement die Anschuldigung zurück, jemals der ‚Identitären Bewegung‘ unsere Räumlichkeiten angeboten zu haben. Diese Behauptung ist haltlos und entspricht nicht der Wahrheit.

Wie in unserem Facebook-Beitrag vom 01. Februar 2015 möchten wir mit den Worten Richard von Weizsäckers schließen: Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, […], gegen Alternative oder gegen Konservative, gegen Schwarz oder gegen Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

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