Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Ausbildung macht „Elternstolz“

Eltern helfen bei Entscheidungsfindung

In den letzten Jahren wurde eine „Ausbildungsart“ in Deutschland zunehmend präferiert: Abi machen und dann ein Studium. Die Ausbildung als hervorragende Wahl um in die Berufswelt einzusteigen ist bei all dem Hype um Studienabschlüsse etwas zu kurz gekommen. Dass man es mit einer Ausbildung ganz weit in der Berufswelt schaffen kann, zeigt die Kampagne der IHK „Ausbildung macht Elternstolz“.

Die Eltern sind der Dreh- und Angelpunkt in der frühen Förderung ihrer Kinder. Sie haben das letzte Wort, in welche Schule der Sprössling geht und entscheiden mit, ob ihre Kinder eine Berufsausbildung beginnen oder ein Studium anstreben. Mit der Kampagne „Elternstolz“ machen das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, die bayerischen IHKs und die bayerischen Handwerkskammern erstmals gemeinsam darauf aufmerksam, dass auch eine „Karriere mit Lehre“ erstrebenswert ist und Eltern darauf stolz sein können, wenn ihre Kinder den dualen Berufsbildungsweg einschlagen. So wie die drei Eltern-Kind-Paare, die im Zuge der Kampagne „Elternstolz“ zeigen, wie Ausbildung funktionieren kann.

Brauen – Als Ein-Frau-Betrieb in einer Männerdomäne

Isabella Mereien lebt ihren Traumberuf in einer von Männer dominierten Branche aus. Sie hat in der Bierbrauerei ihres Vaters eine Ausbildung absolviert und leitet nun die kleine Brauerei bei Bamberg. Ihr Vater Hans-Ludwig Straub ist ebenfalls gelernter Brauer. Die junge Frau hat einige Berufe ausprobiert, bevor sie sich für eine Brauer-Ausbildung in Bayern entschied. In der Schule absolvierte sie mehrere Praktika, sogar eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau hatte sie schon hinter sich, als sie ihren Vater 2004 fragte, ob er ihr das alte Handwerk beibringen wolle. „Ich habe etwas gesucht, was mich ausfüllt und fordert“, sagt sie heute rückblickend. In ihrer Klasse an der Berufsschule gab es neben Isabella nur eine andere Frau und dafür rund 40 Männer. „Ich hatte aber nie das Gefühl, dass man mir deshalb weniger zugetraut hätte“, sagt sie.

Nur manchmal packt der Vater noch mit an, schleppt einen schweren Sack mit Braumalz für seine Tochter zur Schrotmühle oder rollt ein 30-Liter-Faß in die Gaststätte. Ansonsten ist die Brauerei ein Ein-Frau-Betrieb. „Ich brauche sie nicht zu kontrollieren“, sagt Straub. „Isabella arbeitet sowieso präziser und professioneller, als ich das früher getan habe.“ Während bei ihm das Augenmaß genügte, misst seine Tochter genau ab, wie viel Malz oder Hopfen sie in den Kessel schüttet und prüft während des Brauvorgangs regelmäßig die Temperatur und den Restzucker. Gemeinsam haben Vater und Tochter, dass sie gerne neue Sorten ausprobieren.

Flughafen-Feuerwehr: Gemeinsam löschen, retten und schützen

Seit drei Jahren sind Vater Rainer und Sohn Thomas Depta zusammen im Einsatz. Am Münchner Flughafen löschen, retten, bergen und schützen sie. Natürlich gemeinsam. Für beide der absolute Traumberuf. Schon als Jugendlicher hatte er sich in der freiwilligen Feuerwehr engagiert – genauso wie der Vater. „Ich bin damit über Jahre aufgewachsen“, erinnert sich der 26-Jährige. Jetzt ist er am Ziel – als Feuerwehrmann am Flughafen München, im Aufenthaltsraum der Feuerwache Süd. Und neben ihm sitzt Vater Rainer.

Thomas absolvierte wie schon sein Großvater eine Schreinerlehre. An das erste Möbelstück, das er eigenständig für einen Kunden anfertigen durfte, erinnert er sich gut: „Ein Spiegel mit Rahmen. Ich war stolz und erleichtert, als es dem Kunden gefiel.“ Das Wissen und die Erfahrung, wie man mit Werkzeug umgeht, nützt ihm nach wie vor – etwa wenn ein Fenster abgestützt oder ein Fahrzeug gesichert werden muss. „Vor allem aber habe ich in der Schreinerlehre gelernt, die Dinge logisch anzugehen. Davon zehre ich bis heute“, sagt er. 2012 fing er bei der Werksfeuerwehr des Flughafens an. Seitdem verrichten Vater und Sohn gemeinsam ihren Dienst, Seite an Seite. „Ich bin stolz, dass mein Sohn in meine Fußstapfen getreten ist“, sagt Rainer Depta.

Unter besonderer Beobachtung durch den Papa hat sich Thomas in der Arbeit nie gefühlt. Im Gegenteil, die beiden ergänzen sich gut. Vater Rainer ist froh, dass er den Junior auch einmal fragen kann, wie man die Wasserpumpe des Löschfahrzeugs am besten einstellt. „Die Technik ändert sich ja ständig und meine Ausbildung ist eben noch etwas frischer“, erklärt Thomas, rühmt aber zugleich die lange Erfahrung des Vaters: „Er kann manche Situation besser einschätzen. Und zu Hause diskutieren wir dann, was man besser hätte lösen können.“

Ausbildung nach Studium – Vorspeisen-Salate und Bettenmachen

Erfolgreich ein Studium abgeschlossen und dann noch eine Ausbildung? Hanna-Elise Feneberg entschied sich für einen Berufsalltag im Hotel und eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, weil sie später einmal das Gästehaus ihres Vaters Peter Feneberg übernehmen möchte. Die Allgäuerin studierte zunächst in München Betriebswirtschaft und begann nach dem Bachelor eine Hotelfachausbildung – das ist ungewöhnlich, aber umso unternehmerischer. Dabei hat sie bereits viel gelernt: Für die Grillstube hat sie Vorspeisen-Salate zubereitet, im Sterne-Restaurant bedient, an der Rezeption Gäste empfangen, als Zimmermädchen die Betten gemacht. „Ich will alles einmal ausprobieren, was zu einem Hotelbetrieb gehört“, sagt sie.

Ihre Eltern betreiben in Oberstdorf ein Boutique-Ferienhaus. „Es wäre mein Traum, das später einmal zu leiten“, sagt die junge Frau. Sehr zur Freude ihres Vaters: „Es macht einen stolz, wenn ein Kind das weiterführen will, was man aufgebaut hat. Sie muss sich nicht verpflichtet fühlen. Aber wenn es von innen heraus kommt, dann werden wir das auch ermöglichen.“

Ihre Familie hat sie also von Anfang an in ihrer Entscheidung bestärkt. Seit 2008 führt Mama Barbara mit ihrem Mann Peter das „Bergesgrün“, ein Ferienhaus mit fünf Wohnungen auf Fünf-Sterne-Niveau mit Spa, Swimming Pool und Fitnessraum. Hanna-Elise hat dort von Anfang an mit angepackt. Und wenn Vater und Tochter vom Arbeitsalltag im „Bergesgrün“ erzählen, klingen sie wie ein eingespieltes Team. „Am besten funktioniert es, wenn man die Aufgaben trennt“, sagt sie.

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