Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Königlicher Besuch im Rathaus

König mit Doppelleben

Viele Menschen haben gleich mehrere Titel auf ihrer Visitenkarte stehen, die Kombination von Céphas Bansah ist aber zweifelsfrei einmalig: „König von Hohoe Gbi Traditional Ghana“ sowie „Kfz-Meister und Landmaschinenmeister“ steht auf dem edlen schwarzen Kärtchen über einer Adresse in Ludwigshafen. Man kann sagen König Bansah führt ein Doppelleben. Aber nicht im Verborgenen – in zwei Ländern steht er immer wieder im Fokus der Aufmerksamkeit.

Seine rund 200.000 Untergebenen nutzen die Besuche in Ghana um „Seine Majestät“ zu feiern oder bei einer Audienz Sorgen und Nöte an ihn heranzutragen. In Deutschland wiederum ist König Bansah ein kleiner Medienstar. Am Sonntag war er noch in der NDR-Sendung „Kaum zu glauben“ zu sehen, auch das TV-Magazin Galileo und viele Zeitungen berichteten schon über den König, der auch mit 68 Jahren noch schraubend unter der Hebebühne seiner Werkstatt steht und von Montag bis Freitag seit Jahrzehnten einem ziemlich normalen Job nachgeht.

Besuch in Würzburg

Nun besuchte König Bansah auf Initiative seines Würzburgers Adjutanten Claus Winkelmann das Würzburger Rathaus und Bürgermeister Dr. Adolf Bauer. Der Geschäftsmann Winkelmann unterstützt den König seit Jahren durch einen extra für ihn kreierten Edelbrand. Die Erlöse aus dem Verkauf des Königsbrands gehen in die sozialen Projekte des Monarchen und davon gibt es sehr viele. „Ich habe Schulen gebaut, Brücken und aktuell baue ich ein Frauengefängnis“, erzählt Bansah und fügt gleich erklärend hinzu: „Es geht darum, die Haftbedingungen von Frauen zu verbessern. Bislang werden – fern der großen Städte – noch Männer und Frauen zusammen in Zellen gesperrt und nur nachts getrennt, so König Bansah gegenüber der Stadt Würzburg.“

Wohlstandsgefälle

Der König berichtet von einem großen Wohlstandsgefälle zwischen Accra, der Hauptstadt Ghanas, und der ländlichen Region, die sein Volksstamm, die Ewe, in Ghana, Benin und Togo bevölkern. Zudem gibt es noch das Problem, dass vom vorhandenen Reichtum an Bodenschätzen generell nicht die Bevölkerung angemessen profitiere. Nach seiner Krönung 1992 sah er als dringlichstes Problem den Zugang zu sauberem Wasser. Diese Herausforderung bestehe noch immer vieler Orts und sei der Ausgangspunkt dafür, dass sich Länder und Regionen in Afrika gut entwickeln können. Sein unermüdlicher Einsatz galt also auch vielen Brunnenprojekten. Die Tatsache, dass er von Deutschland aus regiere,
helfe ihm beim Spendensammeln.

Würzburg in Ghana

Bürgermeister Dr. Bauer würdigte diesen steten Einsatz und die mehrmaligen Besuche jährlich in Ghana, um Hof zu halten: „Das ehrt Sie. Es ist edel wie aufopferungsvoll Sie sich um Ihr Volk kümmern, so Dr. Bauer.“ Im Amtszimmer sprach man über das Africa Festival und die Fußball-WM 2006, bei der die Nationalmannschaft von Ghana in Würzburg Quartier bezog. Einige Mal waren die Würzburger Gastgeber aber auch schlicht sprachlos. Beispielsweise als der König von seiner Krönung erzählte. Der Weg auf den Thron führt bei den Ewe über ein mehrtägiges, äußerst schmerzhaftes Voodoo-Ritual. Weil die Ewe einen starken König brauchen, testen sie die Leidensfähigkeit des Thronfolgers auch durch das Zufügen von Schnitten in Arme, Beine und Rücken.

Werbegesicht

Seinen Humor konnten die Voodoo-Meister König Bansah hierbei aber nicht austreiben. Dieser zeigt sich auch darin, dass er für sich für kaum eine PR-Aktion zu schade ist, wenn sie Geld für eine neue Schule oder eine dringende medizinische Behandlung in der Heimat bringt. Über seine Homepage kann man den Monarchen für Events buchen. Er hat CDs besungen und war auch schon einmal Weinkönig in Trittenheim. Sein neuester Coup ist ein Werbevertrag mit dem Apple-Konzern. In der New Yorker U-Bahn hängen aktuell überlebensgroße Plakate mit Porträts von ihm in seinem prächtig mit Gold verzierten Gewand. Überragt wird der stolz in die Kamera blickende König Bansah von einem imposanten Thron aus dunklem Holz. Ach ja, und daneben ist auch noch das neue iPhone zu sehen. Es scheint als würde es sich verneigen.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg. 

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