Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Menschliche Sensoren gesucht

Geografisch nutzbare Daten

Ob Lärmpegel oder Luftverschmutzung: Immer mehr Menschen vermessen mit ihren Smartphones die Umwelt und erzeugen damit geographisch nutzbare Daten. Dieses Potential künftig voll auszuschöpfen, ist das Ziel eines neuen Forschungsprogramms.
Für die Informatik der Universität Würzburg ist das ein sehr schöner Erfolg: Sie stellt gleich drei von 15 Projekten in einem neuen Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Das Programm zielt darauf ab, die Nutzer von Smartphones und anderen mobilen Geräten auf freiwilliger Basis als „menschliche Sensoren“ zu gewinnen. Denn viele Nutzer erfassen mit ihren Kleincomputern Umweltdaten, die sich zu wertvollen geographischen Informationen für die Allgemeinheit zusammenfügen lassen, so die Universität Würzburg.

Die Würzburger Projektleitungen

Die Leitung der Würzburger Projekte liegt bei Professor Andreas Hotho (Learning Environmental Maps – Integrating Participatory Sensing and Human Perception), Professorin Sabine Storandt (Lightweight Acquisition und Large-scale Mining von Trajectory Data, zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Stefan Funke, Universität Stuttgart) und Professor Alexander Wolff / Dr. Thomas van Dijk (Algorithmisch geführte Benutzerinteraktion: Smart Crowdsourcing und die Extraktion von Metadaten aus alten Landkarten).

Neue Themen

Den Anfang macht das Vorhaben von Professor Andreas Hotho. Privat gewonnene Umweltdaten für Karten nutzen. In vielen Städten wird die Belastung der Luft mit den Schadstoffen Ozon und Feinstaub an speziellen Stationen erfasst. Die Messwerte lassen sich über das Internet abrufen. Bisweilen gibt es dazu Empfehlungen, wie jeder einzelne dazu beitragen kann, die Werte niedrig zu halten, etwa unter dem Titel „Feinstaubalarm Stuttgart“. „Doch zum einen sind die Messwerte oft nicht flächendeckend gültig, sondern zeigen nur den Zustand an ein oder zwei Orten in einer Stadt. Und zum anderen sind die Zahlen für Laien schwer zu interpretieren“, sagt der Würzburger Informatiker Martin Becker, ein Mitarbeiter von Professor Hotho.

Mehr Menschen erfassen Umweltdaten

Laut Universität Würzburg vermessen immer mehr Interessengruppen und Einzelpersonen mit mobiler und billiger Sensortechnik ihre Umwelt. Sie erfassen Luftqualitätsindikatoren wie die Feinstaubbelastung oder Rußpartikelkonzentrationen, aber auch Lärmpegel an Flughäfen oder Wetterdaten. Die Motivation dahinter: „Die Leute möchten verstehen, was hinter den offiziellen Messwerten steckt oder diese sogar überprüfen. Mit flächendeckenden Mess-Aktionen wollen sie manchmal auch aktiv die Politik beeinflussen“, so Becker.

Potenzial privater Messwerte voll ausschöpfen

In diesen privat erfassten Daten sehen die Würzburger Informatiker großes Potenzial. Es würde vielen Menschen nutzen, wenn man all diese Daten sammelt, aufbereitet, mit weiteren Daten kombiniert und daraus zum Beispiel Karten erstellt, die die Luftverschmutzung in einer Innenstadt viel detaillierter zeigen können als bisherige Methoden. Dieses Ziel geht Hothos Team in dem neuen DFG-Projekt an. Es will dabei auch die Motivationen und subjektiven Wahrnehmungen der Datensammler mit einbeziehen und zusätzlich die Eindrücke anderer Menschen einfließen lassen. Das soll unter anderem das Verständnis der Daten erleichtern, personalisiertes Feedback erlauben oder gewährleisten, dass kein einseitiges Bild entsteht – etwa weil bestimmte Interessengruppen zu viel Einfluss auf das Entstehen des Kartenmaterials haben so die Universität Würzburg.
Weitere Informationen zum Projekt: http://dmir.uni-wuerzburg.de/projects/p2map

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 

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