Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Hilfe für Menschen in einer Krise

Welttag der Suizidprävention

Das Thema Suizid weiter enttabuisieren und Hilfsmöglichkeiten bekannter machen: Das will der Welttag der Suizidprävention am Samstag, 10. September, in Würzburg. Er steht unter dem Motto „sich verbinden – miteinander reden – aktiv werden“. Krisendienst, Telefonseelsorge, der Gesprächsladen der Augustiner und die Selbsthilfegruppe AGUS stellen an diesem Tag ihre Angebote vor. „Damit Menschen in einer Krise erfahren, dass sich jemand sorgt, mit ihnen spricht, ihnen zuhört und sie unterstützt“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Organisationen.

Programm

An einem Stand am Dominikanerplatz, vor dem Gesprächsladen, stehen von 13.30 bis 16 Uhr Mitarbeiter von Krisendienst, Telefonseelsorge, Gesprächsladen und AGUS für Gespräche und Informationen zur Verfügung. Um 16.30 Uhr wird in der Augustinerkirche ein meditativer Gottesdienst gefeiert. Das Programmkino Central zeigt um 18.30 Uhr den Film „Im Winter ein Jahr“. Darin lernt eine junge Frau, sich der Trauer um ihren durch Suizid verstorbenen Bruder zu stellen. Mitarbeiter aller vier Hilfseinrichtungen stehen für Rückfragen und Diskussionen bereit.

Suizid in Unterfranken

In Unterfranken haben im Jahr 2015 156 Menschen Suizid begangen. Es gebe viele Gründe, warum Menschen suizidal werden, sagt Waltraud Stubenhofer, Leiterin des Würzburger Krisendienstes. Dazu zählten psychosoziale Faktoren, psychische und physische Erkrankungen. „Meist sind es mehrere Faktoren – und einer ist schließlich zu viel.“

Stubenhofer nennt als Beispiel die alleinerziehende Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern und einer depressiven Vorerkrankung. „Sie verliert auch ihre Arbeit und jetzt weiß sie nicht mehr weiter. Sie fängt an, über Suizid als Lösung ihrer Situation nachzudenken.“ Verlustereignisse seien ein „sehr wichtiger Grund für suizidale Entwicklungen“ – die Trennung vom Freund, der Tod des Lebenspartners, der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Umzug, in dessen Folge das soziale Umfeld verloren geht.

Telefonsorge

„Denkst Du darüber nach, Dir das Leben zu nehmen?“ Diese Frage falle Menschen aus mehreren Gründen sehr schwer, sagt Ruth Belzner, Leiterin der Telefonseelsorge Würzburg/Main-Rhön. Etwa aus Angst, dass man jemanden auf „dumme Gedanken“ bringen könnte, oder weil man die Verantwortung fürchte. Doch der Anstoß, dem Leben noch eine Chance zu geben oder Hilfe zu suchen, geschehe oft dadurch, „dass jemand anderer die Gefahr wahrnimmt und nicht zurückschreckt oder wegguckt“, erklärt Belzner. „Dass jemand das Thema anspricht beziehungsweise Andeutungen aufmerksam aufgreift.“

Rund 500 Menschen

Das können Angehörige, Freunde oder auch professionell Helfende sein. So werde beispielsweise der Krisendienst jedes Jahr von rund 500 Menschen in Anspruch genommen, heißt es in der Pressemitteilung. Beim täglichen nächtlichen Bereitschaftsdienst meldeten sich jährlich etwa 700 Personen, um Unterstützung in einer akuten Krisensituation zu bekommen. Bei den rund 55 Anrufen, welche die Telefonseelsorge Würzburg täglich entgegennehme, komme in drei Gesprächen das Thema Suizid zur Sprache – als eigene Suizidgedanken oder als Sorge um einen gefährdeten Menschen. Der Gesprächsladen werde täglich von elf Personen aufgesucht, die Hilfe in einer Lebenskrise suchen.

Unterstützung nötig

„Nach dem Suizid eines geliebten Menschen brauchen Angehörige andere Menschen, die vor ihrem Leid nicht zurückschrecken, sie unterstützen, mit ihnen reden“, erklärt Stubenhofer. „Sie machen häufig die Erfahrung, dass manche Menschen aus ihrem Umfeld das können, andere sich aber zurückziehen.“ Eine Selbsthilfegruppe könne ihnen das Gefühl geben, mit dem Erlebten nicht allein zu sein und offen darüber reden zu können, ergänzt Belzner.

Krisendienst und Gesprächsladen

Der Krisendienst am Kardinal-Döpfner-Platz 1 in Würzburg ist montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr unter Telefon 0931/571717 erreichbar. Unter der gleichen Nummer steht täglich von 18.30 bis 0.30 Uhr ein telefonischer Bereitschaftsdienst bereit. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

Der Gesprächsladen am Dominikanerplatz 1 in Würzburg ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr – mit Ausnahme des Mittwochnachmittags – geöffnet. Informationen zu AGUS gibt es im Internet unter www.agus-selbsthilfe.de.

Der Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Ordinariats Würzburg. 

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